Schafstallviertel Hülsen Von Schnucke bis Alpaka

Klar, dass es auch echte "Pulloverschweine" beim ersten Wollfest im Hülsener Schafstallviertel zu bestaunen gibt. Parallel dazu wird im Backhaus frischer Butterkuchen zubereitet.
08.07.2022, 17:05
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Von Schnucke bis Alpaka
Von Jörn Dirk Zweibrock

Wolle und Schafställe – wenn das nicht zusammengehört. Das dachte sich auch Katharina Frambach aus Dörverden und hat daraus eine Idee gesponnen. Das von ihr ins Leben gerufene erste Wollfest im Hülsener Schafstallviertel steigt an diesem Sonntag, 10. Juli. In der Zeit von 10 bis 16 Uhr können sich die Sonntagsausflügler an den Ständen der Kunsthandwerker zu beiden Seiten des Schützenweges umsehen und Katharina Frambach beim Verarbeiten der Rohwolle über die Schulter schauen. Flankiert wird das Hülsener Wollfest vom traditionellen Backtag des Kulturförderkreises. "Ab 14.30 Uhr duftet es nach frischem Butterkuchen", verspricht das Bäcker-Trio Michael Lukoschus, Rolf Rosebrock und Karl-Heinz Witte. Klar, dass die Besucher an diesem Tag auch einen Blick in das benachbarte Kali-Museum werfen können. "Zwischen Schneverdingen und Sulingen gibt es sonst kein Wollfest", weiß Frambach und will künftig diese Lücke füllen.

Produkte aus Wolle und Filz, Taschen, Schmuck – die Angebotspalette beim Wollfest ist groß. Damit der Kaffeedurst der Gäste gestillt werden kann, haben die Ausstellenden auch gleich Torten und Kuchen im Gepäck. Bereits Gästeführerin Antje Oldenburg, die regelmäßig Besuchergruppen durch das denkmalgeschützte Schafstallviertel führt, hatte schon einmal angeregt, dort einen Wollmarkt zu veranstalten. Auch Katharina Frambach teilt die Einschätzung, dass sich Schafe doch gut vor der Kulisse des Stall-Ensembles machen würden und hat kurzerhand einen Halter von Pommernschafen für das Wollfest verpflichtet.

Wolle hat viele Vorzüge

"Wir müssen mehr für Wolle tun und dürfen sie nicht einfach in den Müll werfen", betont Frambach. Selbst Heidschnucken-Wolle lasse sich problemlos verarbeiten, man müsse nur wissen wie. Die Dörverdenerin gibt auch immer wieder Spinnkurse und erledigt Auftragsarbeiten. Bei Spinnrädern werde zwischen zwei verschiedenen Formen unterschieden – Bock und Ziege. Die passionierte Spinnerin hebt immer wieder gern die ökologischen Vorzüge der Wolle hervor. „Im Gegensatz zu Plastik verrottet sie, kann darüber hinaus bis zu 70 Prozent ihres Eigengewichtes an Feuchtigkeit aufnehmen“, erläutert Frambach. Wollsachen hätten den Vorteil, dass sie nicht so oft gewaschen werden müssten wie andere Kleidungsstücke. 

Auch wenn sich inzwischen am Ortsrand von Hülsen einiges verändert hat, scheinen das Blöken der Grauen Gehörnten Heidschnucken und der Geruch der Schafsköttel bei einem Gang durch das historische Vier­tel immer noch in der Luft zu liegen. Das Ensemble, in dem ein Drittel der ursprünglich rund 30 Ställe erhalten werden konnte, gilt als letztes Zeugnis der Gemeinschaftsschäferei zwischen Weser und Elbe. Schafe waren gleich aus mehreren Gründen die idealen Tiere für die Heidebauern: Sie lieferten ihnen nicht nur Wolle und Fleisch, sondern übernahmen auch gleichzeitig die Pflege der riesigen Heideflächen. Das in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichtete Hülsener Schafstallviertel wird immer wieder als „Kleinod bäuerlicher Baukultur“ bezeichnet. Nirgendwo sonst gibt es ein gleichartiges, unter Denkmalschutz stehendes Ensemble historischer Schafställe auf so engem Raum. Gleich mehrere werden vom Kulturförderkreis Hülsen für Ausstellungszwecke genutzt. In einem dieser Ställe befindet sich auch ein alter Webstuhl (1867), der gerade wieder instand gesetzt wird. 

Stundenlanges Vorheizen

"Zuhause müssen wir den Elektroherd nur kurz einschalten", erzählt das Bäcker-Trio des Kulturförderkreises. Im Backhaus sehe es hingegen schon anders aus. "Wir heizen den Backofen mehrere Stunden lang bei 450 Grad vor. Unseren Butterkuchen backen wir dann bei 380 Grad." 

Auch Jochen von Wille und Lars Rosebrock, Sprecher des Kulturförderkreises Hülsen, würden sich freuen, wenn das Wollfest keine Alltagsfliege bliebe, sondern ein fester Bestandteil im Veranstaltungskalender würde. Der nächste Backtag des Kulturförderkreises findet übrigens am Sonntag, 28. August, statt. "Ich hoffe, dass wir dann im nächsten Jahr beim Wollfest in Hülsen auch Alpakas zeigen können", wünscht sich Katharina Frambach. Genügend Anmeldungen für 2023 habe sie schon.

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