Spiel meines Lebens

Tischtennisspieler Sönke Ruge hat einen Showkampf in Sri Lanka bestritten

Der Dörverdener Sönke Ruge ist nicht nur ein leidenschaftlicher Zauberer, sondern hat jahrelang erfolgreich Tischtennis gespielt. Sein Spiel des Lebens hat er vor 30 Jahren in Sri Lanka bestritten.
29.04.2021, 18:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Florian Kastens
Tischtennisspieler Sönke Ruge hat einen Showkampf in Sri Lanka bestritten

Sönke Ruge weiß auch heute noch mit dem Tischtennisschläger umzugehen. Beim Showkampf in Sri Lanka verzückte er die Zuschauer mit seinem Können.

Björn Hake

Angesprochen auf einen möglichen Gesprächspartner für unsere Serie „Spiel meines Lebens“ muss Kai Emigholz, Tischtennisspieler des TV Oyten, nicht lange überlegen: „Sönke Ruge, der hat bestimmt eine interessante Geschichte zu berichten. Sönke ist ein feiner Kerl, gegen den ich immer gerne gespielt habe. In seiner Freizeit ist das Zaubern seine große Leidenschaft. Und für mich war Sönke auch an der Tischtennisplatte irgendwie immer ein Zauberer.“ Tatsächlich weiß der Angesprochene dann auch sofort, welche Story er zur Serie beiträgt. „Anfang der 90er-Jahre habe ich mal einen Showkampf in Sri Lanka ausgetragen. Das war völlig verrückt und ist ganz spontan aus dem Zufall heraus entstanden“, muss Sönke Ruge heute noch schmunzeln, wenn er an die damaligen Ereignisse zurückdenkt.

Im Dezember 1991 ging es vom Flughafen Bremen über Frankfurt Richtung Südasien. „Wir hatten in Deutschland einen Wettkampf gegen die Nationalmannschaft Sri Lankas ausgetragen. Im Rahmen eines Austauschprogrammes waren sie für einige Zeit in Deutschland. In Kirchlinteln haben wir dann vor gut 100 Zuschauern ein Trainingsspiel bestritten. Das war wirklich nett und für uns definitiv schon ein Highlight, wenn auch der sportliche Reiz überschaubar war. Wir wurden dann vom dortigen Tischtennisverband zum Rückspiel eingeladen. Das an sich war ja schon verrückt genug“, lacht der Dörverdener.

Empfang beim Innenminister

Dann wurde es aber richtig kurios: Die kleine deutsche Reisegruppe – von ursprünglich zunächst geplanten 20 Reiseteilnehmern blieben letztlich noch vier übrig – wurde zu einem Empfang beim Innenminister des kleinen Staates eingeladen. „Bei Tee und Kuchen wurde Smalltalk betrieben und plötzlich meinte er, dass ich doch bitte einen Showkampf gegen eine jüngst mit einer Medaille von den Südostasienspielen zurückgekehrte Tischtennisspielerin des Landes bestreiten solle. Er würde sich um eine Halle und Zuschauer kümmern“, berichtet Sönke Ruge.

Was sich zunächst nach einer lustigen Idee anhörte, wurde eine Woche später tatsächlich zur Realität. Der damals 22-jährige fuhr mit einem Kleinbus Richtung Landesinnere: „Ich weiß es noch wie heute. Es ging über Stock und Stein und ich konnte mir niemals vorstellen, dass dort irgendwo eine Halle stehen sollte. Mitten im Dschungel tauchte dann ein Gebäude auf, dass schon fast die Ausmaße der Bremer Stadthalle hatte.“

5000 begeisterte Zuschauer

Vor dem Match gegen die Bronzemedaillengewinnerin Tamara Doering – verheiratet mit dem deutschen Trainer der Nationalmannschaft Sri Lankas – spielte sich Sönke Ruge in der großen Halle warm. „Etwa eine halbe Stunde vor dem Spiel hatte sich noch niemand in die Halle verirrt, aber das kannte ich ja. Mehr als 30 bis 50 Zuschauer schauten mir ja sonst bei Punktspielen auch nicht zu. Doch auf einmal kamen aus allen Ecken und Enden Schulkinder in die Halle und suchten sich Plätze. Das war der Wahnsinn. Nach unseren Schätzungen waren da plötzlich sicher 5000 Menschen, die um den mittig in der Halle platzierten Tisch standen. Auch Tamara war total perplex. Sie war durch ihre Medaille zwar landesweit bekannt, aber solch einen Auflauf hatte sie auch nicht erwartet.“

Die Zuschauer sollten ihr Kommen nicht bereuen und wurden von Sönke Ruge und Tamara Doering nach allen Regeln der (Tischtennis-)Kunst verzaubert. Die beiden packten – wie es sich für einen Showkampf gehört – das ganze Repertoire aus: Da wurden Bälle im Sitzen und Liegen gespielt, durch die Beine hindurch und auch Handküsse ins Publikum während der Ballwechsel waren keine Seltenheit. „Zu Beginn hat mich natürlich noch der Ehrgeiz gepackt, aber schnell ging es mir nur noch darum, die Zuschauer zu unterhalten. Die Stimmung war dadurch natürlich gigantisch. Kurios war, dass die meisten der Kids zuvor noch nie ein Tischtennisspiel verfolgt hatten. Am Anfang wussten sie gar nicht so recht, ob und wann sie applaudieren sollten. Aber das hatte sich dann auch schnell erledigt“, war Sönke Ruge nach dem finalen absolvierten Ballwechsel aber noch lange nicht am Ende seiner Vorstellung.

Kinder wollten gegen Ruge spielen

„Ich wurde von allen Seiten umlagert, die Kinder haben schnell jegliche Scheu verloren. Unbedingt wollte jeder einen Ballwechsel gegen mich spielen, da wurde sich förmlich um die Schläger gerissen. Die Veranstalter haben dann noch einige zusätzliche Tische aufgestellt, sodass auch meine Teamkollegen als Trainingspartner für die Kinder einsteigen konnten“, erklärt Sönke Ruge, der letztlich nach rund zwei Stunden den Schläger in die Tasche packen durfte. „Ich war wirklich schweißgebadet, völlig platt, aber total glücklich, so vielen Kindern eine Freude gemacht zu haben. Das war für uns alle ein Erlebnis, das wir in dieser Form so noch nie erlebt haben. So viele Zuschauer, dazu noch Presse und Fernsehen. Selbst in den Abendnachrichten des landesweiten TV-Senders wurde das damals ausgestrahlt.“

Der Tischtennis-Showkampf war der Höhepunkt eines dreiwöchigen Abenteuers, das noch einige Anekdoten für Sönke Ruge und Co bereithielt. So nahm die deutsche Reisegruppe an einem Dorffest in Marawila teil. Dort konnte Sönke Ruge seiner zweiten großen Leidenschaft nachgehen. „Ich habe den Kindern des Ortes einige Zaubertricks vorführen dürfen. Manche Tricks musste ich unzählige Male wiederholen, ihren Reiz hat der Trick dennoch nie verloren. Auch wenn es mittlerweile tatsächlich schon 30 Jahre her ist, erinnere ich mich gerne an diese Erlebnisse zurück. Oft werde ich noch heute immer wieder darauf angesprochen. So etwas vergisst man nicht und kramt man immer wieder gerne hervor.“

Weitere Informationen

Der bejubelte Aufstieg oder ein tränenreicher Abstieg. Ein unvergessener Sieg, oder die bittere Niederlage in letzter Sekunde. In unserer neuen Serie „Spiel meines Lebens“ erinnern sich Sportlerinnen und Sportler an den größten Moment ihrer Laufbahn – ganz egal, ob positiv oder negativ.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+