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Tierpflegerin im Wolfcenter Dörverden: Die mit dem Wolf kuschelt

Sarah Dierks ist Tierpflegerin im Wolfcenter Dörverden. Sie selbst habe nie Angst, aber immer Respekt gehabt. „Wenn man Angst hat, sollte man gar nicht erst hereingehen.“
16.05.2021, 10:38
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Tierpflegerin im Wolfcenter Dörverden: Die mit dem Wolf kuschelt
Von Patricia Friedek

Das „Gruselkabinett“ ist weiß und kühl. Sarah Dierks macht die Tür auf, und innen reiht sich ein totes Reh neben das nächste, über Kopf aufgehängt. Gruselkabinett, das Wort benutzt die Tierpflegerin selbst, um den Ort zu benennen, in dem das Festmahl für die Wölfe lagert. „Es ist auf den ersten Blick ein bisschen gewöhnungsbedürftig“, sagt Dierks mit Blick auf die vielen Kadaver. Die Rehe seien Unfallwild, das von Jägern aus der Umgebung als Futterspende gebracht wird, erklärt sie. Aber auch anderes Fleisch ist in der Frostzelle aufbewahrt, das an die Wölfe im Wolfcenter Dörverden verfüttert wird. Reh gibt es nur zu besonderen Anlässen, bei Schaufütterungen für Besucher zum Beispiel.

Sarah Dierks, Jahrgang 1983, ist seit etwa zwei Jahren Tierpflegerin im Wolfcenter. An diesem Vormittag hat sie gerade Möhren und Grünzeug zubereitet. Nein, das ist nicht für die Wölfe, die können damit nicht viel anfangen. Manche von ihnen verspeisten vielleicht mal eine Banane oder ein paar Grashalme, hauptsächlich seien sie Fleischfresser, sagt Dierks. Zu ihrer Frühschicht im Wolfcenter gehört nämlich nicht nur die Pflege der Wölfe. Sie muss auch die Greifvögel aus ihren Schutzkästen lassen, in denen sie übernachtet haben und die Ziegen füttern – deshalb das Gemüse.

Die Wölfe wachen nach und nach auf, Sarah Dierks begrüßt sie durch die Gitterstäbe, einige fangen an, untereinander zu raufen oder zu heulen. „Das ist alles Show“, so Dierks. Besuch und Show gehört für die Wölfe offensichtlich zusammen. Dabei werden sie nur aufs Nötigste trainiert, wie die Tierpflegerin sagt: So, dass sie nah genug an den Zaun kommen, damit Besucher sie so dicht wie möglich betrachten können. Und einen medizinischen Grund hat das auch, die Tierpfleger müssen sehen können, ob alle Wölfe gesund sind. Bevor sich Dierks um das Wolfsfutter kümmert, hat sie noch eine Station vor sich – das Alpakagehege, mit dem das Wolfcenter kooperiert. Sie greift zu ihrem Telefon und gibt dem Besitzer Bescheid, dass alle Tiere da und wohlauf sind. „Das Handy ist das wichtigste Dienstinstrument. Auf dem großen Gehege müssen wir uns verständigen können und haben zahlreiche Whatsapp-Gruppen zu verschiedenen Themen“, sagt Dierks.

Ihr Morgenrundgang mündet wieder in der Futterkammer, wo das Fleisch für die Wölfe auftaut. Es gibt Rinderherzen, Rippchen vom Damwild und Kuhpansen. Die muss die Tierpflegerin noch zubereiten. Mit einem scharfen Messer und einem Beil zerhackt sie das rohe Fleisch und teilt es auf verschiedene Eimer auf. Die wiegt sie nach Kilogramm ab, denn die Wölfe essen unterschiedlich viel. Sie sind in fünf Gruppen aufgeteilt und leben in unterschiedlichen Gehegen.

Aus der Fütterung macht Sarah Dierks ein Spiel, sie wirft das Fleisch über den Zaun, die Wölfe fangen es oder sollen es suchen. Manchmal hängen die Tierpfleger auch Futter in den Bäumen auf. Die beiden kanadischen Wölfe Luna und Cosmo sind die Jüngsten im Wolfcenter. Besucher dürfen sie auch mal selbst füttern, mit einer Grillzange durch die Gitterstäbe hindurch. Hier betritt Dierks das Gehege mit einer zweiten Kollegin, das ist Sicherheitsvorschrift.

Auch wenn die beiden Wölfe mit der Hand aufgezogen worden sind und sich streicheln und kraulen lassen, dürfe man nie vergessen, dass es keine Kuschel-, sondern eigentlich Raubtiere sind, sagt Dierks. Die Tierpflegerinnen achten genau auf das Verhalten der Tiere und schätzen vor jedem Besuch im Gehege ab, ob die Wölfe in der richtigen Stimmung sind. Das Wolfcenter wolle vor allem über die Tiere aufklären, über die in der Gesellschaft so viele Vorurteile herrschen. Sie selbst habe nie Angst, aber immer Respekt gehabt. „Wenn man Angst hat, sollte man gar nicht erst hereingehen.“

Für Sarah Dierks ist der Tag noch lange nicht zu Ende, das Kuscheln mit den Wölfen eher eine Verschnaufpause. Für sie steht noch die Arbeit im Büro an, eine Schaufütterung und eine Besucherführung – Aufklärungsarbeit.

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