Geschäftsbericht

Die Leidenschaft für Wolle und Co.

Bei Handarbeiten Köster in Emtinghausen werden nicht nur Garne und Schuhe verkauft, Inhaberin Karin Köster vermittelt auch ihr Fachwissen – und das an Interessierte aus ganz Deutschland.
05.11.2018, 15:33
Lesedauer: 3 Min
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Von Gisela Enders
Die Leidenschaft für Wolle und Co.

Bei Handarbeiten Köster in Emtinghausen zieht Karin Köster (links) die Fäden. Unterstützt wird sie dabei von ihren Mitarbeiterinnen Sabine Helms und Karin Bartels.

Björn Hake

Faulenzen ist nicht ihr Ding. Vom Morgen bis in den späten Abend hinein ist Karin Köster aktiv. Gut so, denn ohne die Kompetenz und den Einsatz der umtriebigen Fachfrau würde dem Emtinghauser Traditionsbetrieb Handarbeiten Köster die Seele fehlen. So steht sie für den Einkauf hochwertiger Materialien, reaktiviert verloren geglaubte Techniken und hilft ihren Kundinnen, wenn das Strickzeug „vertüdelt“ ist oder die Häkelarbeit nicht gelingen mag. Darüber hinaus organisiert sie die Teilnahme an Messen und backt spätabends Kuchen für ihr kleines Café.

Es ist kaum zu glauben, was sich alles hinter den unscheinbaren Mauern des alten Gebäudes an der Bremer Straße verbirgt. Betritt man das Geschäft, sieht man zunächst den Wald vor lauter Bäumen nicht. Schuhe in einem Wandregal, Garne, Stoffe, Tischdecken, Handarbeits-Utensilien und Fachzeitschriften verwirren zunächst in ihrer Vielfalt. Schnell wird dem Besucher jedoch klar, dass hier auf breiter Fläche wohlgeordnet zu finden ist, was Frau – oder vielleicht auch Mann – sich wünscht. Unterstützt wird die 67-Jährige von Ehemann Hans und vier Mitarbeiterinnen, die nach langer Betriebszugehörigkeit ganz genau wissen, was an welcher Stelle zu finden und anzupacken ist.

Das Geschäft insgesamt habe sich über die Jahre prächtig entwickelt, blickt die Inhaberin auf die Anfänge zurück. „Nachdem ich eine Weile nur unterstützend tätig war, habe ich den Laden 1983 von den Schwiegereltern übernommen", erzählt Karin Köster. Der Schwerpunkt lag zu dieser Zeit auf dem Verkauf von Schuhen. Nach und nach habe sie dann Wolle, Stoffe, Nadeln und Co. nach vorne gebracht und Ausstellungen im ehemaligen Dorfgasthaus „Zum Götzen“ organisiert. Dadurch habe sich der Bekanntheitsgrad des Ladens signifikant erhöht, und ihre zur Perfektion getriebene Leidenschaft für alte und neue Handarbeitstechniken sei ziemlich schnell auf breites Interesse gestoßen.

Stricken immer beliebter

Das Gasthaus gibt es lange nicht mehr, Ausstellungsflächen jedoch bundesweit. So präsentiert Karin Köster mittlerweile fertige Erzeugnisse aus Garnen und Stoffen und immer wieder neue Ideen auch in Karlsruhe, München, Frankfurt und Stuttgart. „Es wird wieder viel gestrickt und gehäkelt“, verrät sie und berichtet von Myboshi-Mützen, Planet Pooling und Occhi-Technik, einer Schiffchenarbeit zur Herstellung feiner Spitzen. Stets mit von der Partie: Hans Köster, der das Ausstellungsgut verpackt und im schweren Hänger verstaut. „Wie ein kleiner Laden sehen unsere Stände aus, mit Regalen, Tresen und allem, was sonst noch dazugehört." Neben dem Verpacken von Ware und Zubehör steuere er natürlich das Wagengespann, „jeder hat eben seine Aufgabe“.

Zurück in Emtinghausen, stürzt sich Karin Köster wieder in die Arbeit und berichtet von 2000 Frauen, die sie im vergangenen Jahr mit der Occhi-Technik vertraut gemacht habe. „Unsere Kundinnen kommen aus Berlin, Kassel und Düsseldorf; ganze Busladungen trudeln hier ein und werden von uns – soweit sie angemeldet sind – auch verpflegt." Frühstück in verschiedener Ausprägung könne ebenso gereicht werden wie Kaffeespezialitäten und leckeres Gebäck.

Viel in der Welt unterwegs

„Wir sind gerne unterwegs, reisen so oft, es irgend möglich ist“, beschreibt Karin Köster ihr Interesse an fernen Kontinenten. Immer wieder schippert das Ehepaar, das im kommenden Jahr Goldene Hochzeit feiert, über die Ozeane und genießt den Charme fremder Länder. Natürlich wären diese Reisen nicht möglich ohne die unermüdlichen Helferinnen, auf die seit jeher Verlass ist. So hält das Quartett in Abwesenheit des Paares den Geschäftsbetrieb aufrecht, nimmt Änderungs- und Reparaturwünsche für Textilien entgegen und verkauft auch mal ein Paar Schuhe aus der Kollektion des Hausherrn.

Auch in ihrer Freizeit lässt Karin Köster die Nadeln klappern. „Wie schon gesagt, Rumsitzen geht gar nicht“, sagt sie. Und wenn die Finger müde werden, lässt sie den Kopf arbeiten. „Eigene Entwürfe – auch davon leben wir; in jedem Jahr gibt es etwas Neues."

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