Projekt in Emtinghausen

Ein Turm für Tiere

Der Transformator-Turm in Emtinghausen hat für seinen eigentlichen Zweck schon seit mehr als 20 Jahren ausgedient. Nun ist er neue Heimat von Vögeln, Fledermäusen und Insekten.
11.04.2021, 14:24
Lesedauer: 3 Min
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Ein Turm für Tiere
Von Jürgen Juschkat
Ein Turm für Tiere

Der frühere Transformator-Turm wurde von Imke Westermann-Oehmen und anderen Freiwilligen für die Tierwelt umgerüstet.

Björn Hake

Emtinghausen. Unterschiedliche Nistkästen mit ein oder zwei Einfluglöchern deuten an den Außenseiten darauf hin, dass am Transformator-Turm an der Ecke Dorfstraße/Pappelweg in Emtinghausen die heimische Vogelwelt willkommen ist. „Das ansonsten ungenutzte Gebäude soll weiteren Brut- und Lebensraum für Wild- und Singvögel sowie Fledermäuse, aber auch für Insekten bieten und zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen“, erklärt Imke Westermann-Oehmen, die sich für dieses Projekt engagiert. Seit mehr als 20 Jahren hat der Turm als Transformatoren-Station ausgedient.

Die Jägerschaft aus Emtinghausen wurde durch einen Zeitungsartikel über die Umgestaltung eines ähnlichen Turms in Schwarme zur Nachahmung animiert. Die Jägerin und Falknerin Imke Westermann-Oehmen und Emtinghausens Bürgermeister Gerold Bremer, dem der ehemalige Hastra-Turm für die nächsten 99 Jahre gehört, gründeten die Initiative „Emhuser Trafoturm“. Seit Ende der 1990er-Jahre beherbergt das Gebäude bereits Schleiereulen.

Schutz der heimischen Arten

Harald Hemmje hat vor 22 Jahren einen Eulenkasten angebracht, der den Tieren die Umsiedlung aus einem Korngebläse auf dem gegenüberliegenden Hof der Bremers zum Trafo-Turm ermöglichte. Für Fledermäuse wurde zwischenzeitlich ebenfalls ein Zuhause eingerichtet. Mittlerweile bieten weitere Nistkästen Blau- und Kohlmeise, Haus- und Gartenrotschwanz, Rotkehlchen, Kleiber, Feld- und Haussperling sowie Bachstelze Brut- und Lebensraum. „Die Jägerschaft Verden unterstützt das Vorhaben zum Schutz heimischer Arten und der Verbesserung ihres Lebensraums mit vielzähligen Förderungen und Hilfen als Teil eines Programms im Verdener Hegefonds. Nach der erfolgreichen Antragstellung und einer Zusage der Jägerschaft zur Bereitstellung von neun Nistkästen und einem Wildbienenhotel wurden die ersten Kästen von den Emtinghauser Jägern angebracht." Geplant sei ein weiteres Quartierangebot für Turmfalken, die selbst keine Nester bauen, sondern vorhandene Brutgelegenheiten nutzen, um die Jungen groß zu ziehen.

„Natürlich muss hier noch aufgeräumt werden“, zeigt Westermann-Oehmen bei der Besichtigung des Vogel-Turmes unter anderem auf einen Steinhaufen. „Eulen sind hier schon reingeflogen und haben drinnen alles verschmutzt“, fügt sie an. Zwischenböden sollen im Herbst eingezogen werden. Sie sollen die Säuberung der Nistkästen erleichtern und eine Verschmutzung durch die Eulen vermeiden. So könnte irgendwann auch im Erdgeschoss des Turms noch Platz für Informationen und Besucher geschaffen werden. „Das haben die Schwarmer optimal genutzt“, lobt die Emtinghauserin.

Auch Platz für Amphibien

Wenn sich alles gut entwickelt, möchte Imke Westermann-Oehmen auf dem kleinen Areal im Bodenbereich um den Turm herum Verstecke für Kleintiere und Amphibien errichten. Wie zu erfahren ist, wollen die Emtinghauser Jäger eine Live-Cam im Eulenkasten einrichten, durch die die Brut und Aufzucht der Vögel mitverfolgt werden kann. Dazu muss aber erst einmal das Projekt der Initiative erfolgreich verlaufen.

Auf dem Hof von Imke Westermann-Oehmen, die sich auch außerhalb der Initiative für die heimischen Vogelarten einsetzt, wurde – in Zusammenarbeit mit Sohn Nicklas - ein Nistkorb für ein Waldohreulen-Paar aufgehängt, das schon einige Zeit eine Schlafstätte auf dem Hof hat. Außerdem hängt dort ein Turmfalkenkasten und gibt es Unterkünfte für Fledermäuse, die in den Baum-Gabelungen von unten aus kaum zu erkennen sind.

Auf der Diele steht derzeit noch ein großes Insektenhotel nebst Balken, das über den Hegefonds der Jägerschaft des Landkreises Verden finanziert wurde. „Ich habe schon mit der Kindergartenleiterin Donia-Luisa Remer gesprochen. Zusammen mit den Kids soll dieses für die unzähligen Insekten am Transformator-Turm angebracht werden. Die Kleinen könnten unter anderem durch entsprechendes Basteln darauf vorbereitet werden“, sagt Imke Westermann-Oehmen.

Eine große Tafel liefert Informationen zu den Insekten, weitere Schilder sollen über die Vogelarten berichten. All dieses soll ebenfalls am Turm installiert werden. „So lernen die Kinder direkt etwas über die heimischen Vögel und Insekten und bekommen einen Bezug zum neuen Lebensraum am Trafoturm“, fügt die Initiatorin begeistert an.

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