Im Interview: Der Erste Samtgemeinderat „Es wird sich für mich einiges verändern“

18 Jahre lang war Roland Link Bauamtsleiter bei der Samtgemeinde Thedinghausen. Nun warten neue Aufgaben: Ab dem 1. Januar 2019 ist er Erster Samtgemeinderat. Was genau das bedeutet, erzählt er im Interview.
20.12.2018, 11:08
Lesedauer: 4 Min
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„Es wird sich für mich einiges verändern“
Von Onno Kutscher

Herr Link, ab dem 1. Januar 2019 geht es für Sie in neuer Position als Erster Samtgemeinderat los. Dieses Amt gab es in der Samtgemeinde Thedinghausen bisher nicht. Warum wird es jetzt gebraucht?

Roland Link: In Kommunen unserer Größenklasse ist es gar nicht untypisch, dass es einen Ersten Samtgemeinderat gibt. Vergleichbare Kommunen haben das auch, zum Beispiel die Samtgemeinde Grafschaft Hoya. Man wird für acht Jahre gewählt, und wenn man noch nicht 60 Jahre alt ist, kann man auch wiedergewählt werden. Dieses Amt bedeutet Stärkung und Kontinuität in der Verwaltungsleitung, was auch der wesentliche Grund für die Schaffung war.

Ganz einfach formuliert: Sie sind also die starke rechte Hand von Samtgemeindebürgermeister Harald Hesse.

Ja, das kann man grob so übersetzen. Wobei ich ja auch schon vorher stellvertretender Verwaltungschef war. Ich bin aber ja nicht nur Erster Samtgemeinderat, sondern gleichzeitig auch Fachbereichsleiter Zentrale Dienste und Finanzen, weil wir ja ab dem 1. Januar 2019 die Verwaltung im Rathaus Thedinghausen umstrukturieren.

Was genau kommen denn für Aufgaben auf Sie zu?

Es wird auf jeden Fall mehr interne Arbeit sein. Das betrifft hauptsächlich den Bereich der inneren Organisation, des Personals, der Ratsarbeit, der Finanzen und der Steuern. Natürlich werde ich auch künftig Außentermine wahrnehmen, zum Beispiel im Personalbereich, da hat man auch mit den Kindergärten oder den Schulen zu tun. Aber es wird sich für mich einiges verändern. Soviel Außenwirkung, wie ich sie als Bauamtsleiter hatte, werde ich nicht mehr haben.

Sie sprechen es bereits an. Sie waren 18 Jahre lang Bauamtsleiter bei der Samtgemeinde Thedinghausen. Eine lange Zeit. Werden Sie das nicht vermissen?

Die Frage ist für mich nicht ganz einfach zu beantworten. Natürlich hängt mein Herz daran. Ich habe immer gut und vertrauensvoll mit meinen Kolleginnen und Kollegen hier im Rathaus zusammengearbeitet, aber auch mit den Bauhöfen, dem Klärwerk und den vielen Externen. In der Zeit haben wir einiges erreicht, das bilde ich mir zumindest ein. Und das hat mir auch viel Spaß gemacht, klar. Aber ich hantiere auch gerne mit Zahlen und bin ein kommunikativer Mensch, die kommenden Aufgaben werden mir also auch Spaß machen. Wie so oft im Leben: „Es gibt ein lachendes und ein weinendes Auge.“

Sie sagten gerade, dass Sie in den vergangenen Jahren viel erreicht haben. Was waren denn in den vielen Jahren die herausragenden Projekte oder Themen, mit denen Sie sich befasst haben?

Ich denke sehr gerne an den Umbau des Erbhofs zurück, weil die Nachfolgewirkung vom Renaissancesaal so positiv ist. Die Bauzeit hat drei Jahre gedauert und ich war durchgängig daran beteiligt. Es gab über 100 Baubesprechungen und viele knifflige Details in Sachen Denkmalpflege zu lösen. Das war schon eine große Herausforderung. Und ich freue mich heute noch jedes Mal, wenn ich an der Mühle in Emtinghausen vorbeifahre. Dass wir die erwerben und sanieren konnten, ist toll. Durch die Hilfe der vielen Ehrenamtlichen ist das ein schöner Dorfmittelpunkt geworden und ich kann den engagierten Menschen nur meinen Respekt aussprechen. Allgemein ist es schön, und das betrifft alle Mitgliedsgemeinden, dass wir stetig und maßvoll gewachsen sind. Es gibt eine große Nachfrage nach Bauland und wir haben es gut hingekriegt, dass alle Mitgliedsgemeinden daran partizipiert haben.

Ganz selbstbewusst formuliert: Sie haben als Bauamtsleiter in der Samtgemeinde einen Fußabdruck hinterlassen.

Ja, das denke ich schon.

Gibt es denn auch Momente in Ihrer Laufbahn, an die Sie nicht so gerne zurückdenken. Oder Entscheidungen, die Sie jetzt nicht mehr so treffen würden?

Also grobe Fehler fallen mir nicht ein. Wo ich nicht so viel Freude dran hatte, das war die Hochzeit der Windkraft. Wir als Samtgemeinde hatten mit vielen Klagen zu tun, weil wir in der Flächennutzungsplanung noch nicht die Ausschlusswirkung erreicht hatten. Da ging es um Schadensersatzklagen in Millionenhöhe. Letztlich gab es aber doch eine Einigung mit den Investoren. Zurückblickend war das aber eine Zeit, die mir nicht in so schöner Erinnerung geblieben ist.

Inwieweit müssen Sie sich noch einarbeiten? Sie kennen ja eigentlich alle Abläufe im Rathaus. Wird es einen nahtlosen Übergang im Januar geben?

Ich würde Blödsinn erzählen, wenn ich sagen würde, das wird absolut störungsfrei funktionieren. Auch ich werde meine Einarbeitungszeit brauchen. Sowohl im Fachbereich Zentrale Dienste als auch im Bereich Finanzen. Aber ich glaube nicht, dass es viel Sand im Getriebe geben wird. Dank meiner Vorgänger/innen übernehme ich ja ein „gut bestelltes Feld“.

In der Samtgemeinde gab es in diesem Jahr einige kontroverse Themen. Dazu gehören die geplante Seniorenresidenz in Riede, das Pferdekrematorium in Blender oder auch die Sperrung des Weserwehrs in Intschede. All das sind Themen, die laute Kritik aus der Bevölkerung mit sich gebracht haben. Wie nehmen Sie das im Rathaus wahr?

Die Kritik kommt hier durchaus an. Das ist auch kein Problem, das muss so sein. Die Zeiten sind vorbei, dass irgendwo im stillen Kämmerlein Projekte abgearbeitet werden. Wenn Kritik geübt wird, dann kann ich da gut mit leben. Sie muss allerdings sachlich sein, was sie größtenteils auch ist. Wobei man aber sagen muss, dass solche Projekte wie das Pferdekrematorium ja nicht im Rathaus entschieden werden. Wir arbeiten zu, geben unsere Meinung kund. Letztlich haben aber oft auch andere Behörden zu entscheiden, in diesem Fall das Gewebeaufsichtsamt.

Geht es 2019 mit solchen dicken Projekten weiter?

Ja, das wird so weitergehen. Momentan wird das Rathaus umgebaut, was man ja unschwer erkennen kann, wenn man aus dem Fenster schaut. Gerade ist der seitliche Rathaus-Anbau abgerissen worden, dort entsteht der Verbindungstrakt zwischen Rathaus und Packhaus. Die Arbeiten sollen im Spätsommer 2019 abgeschlossen sein. Und natürlich stehen die Mensabauten an den Grundschulen in Blender, Morsum und Riede an und die Erweiterung der Grundschule Thedinghausen. Zudem wird zeitnah mit dem Neubau des Feuerwehrhauses Emtinghausen/Bahlum begonnen. Im Feuerwehrbereich stehen immer wieder Ersatzbeschaffungen für alte Feuerwehrfahrzeuge an. Und es wird auch viel in die Breitbandförderung investiert. Das sind die investitionsstärksten Projekte in der nächsten Zeit.

Das Interview führte Onno Kutscher.

Info

Zur Person

Roland Link(47)
ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er wohnt in Ahausen (Sottrum). Seit 1997 arbeitet er bei der Samtgemeindeverwaltung Thedinghausen, viele Jahre als Bauamtsleiter.

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