Landgericht Verden

Mann aus Emtinghausen verurteilt

Ein Mann aus Emtinghausen, der Anfang des Jahres gedroht hatte, eine Gebäude zu sprengen, ist am Landgericht Verden nun verurteilt worden.
17.11.2020, 16:19
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Von Angelika Siepmann
Mann aus Emtinghausen verurteilt

Symbolbild.

David-Wolfgang Ebener/dpa

Er war erst 15 Tage wieder auf freiem Fuß – nach acht Monaten Untersuchungshaft und auch nur vorläufig. Mit all dem, was der Mann dann am 24. März in Emtinghausen veranstaltete, büßte er sofort seine kurze Freiheit ein und landete diesmal in der Psychiatrie. Demnächst dürfte dem alkoholabhängigen 46-Jährigen der Umzug in eine Entzugsklinik bevorstehen. Das Landgericht Verden hat nun nämlich nicht nur eine Freiheitsstrafe verhängt, sondern gleichzeitig die Unterbringung im Maßregelvollzug angeordnet.

Nach sechstägiger Hauptverhandlung wurde der Angeklagte wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten sowie tateinheitlich begangener versuchter Nötigung zu einem Jahr und acht Monaten Haft verurteilt. Die 2. große Strafkammer berücksichtigte, dass der – inzwischen „therapiebereite“ – Mann sich aufgrund starker Alkoholisierung im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit befand, als er mehrfach damit drohte, das Familienhaus mit Gas „in die Luft zu sprengen“ oder auch „die Bude in die Luft zu jagen“.

Eine Gebäudesprengung sowie Selbstmordpläne hatte der Angeklagte allerdings im Prozess ausdrücklich in Abrede gestellt. Er habe ja „nur“ bezwecken wollen, dass seine Frau zu ihm zurückkehre, diese zumindest „zu einem Gespräch zwingen“ wollen. Nach seiner drastischen telefonischen Ankündigung hatte sich die Ehefrau jedoch mitnichten nach Emtinghausen begeben. Im Gegenteil: Sie hatte umgehend die Polizei verständigt.

Und weil der Mann bei der Polizei in der Gemeinde Thedinghausen – und auch anderswo – kein Unbekannter war und die Lage als brisant eingestuft wurde, kam es nachmittags in dem „dicht besiedelten Wohngebiet“ zu einem Großeinsatz samt Sondereinsatzkommando (SEK). Der Angeklagte hatte auch mit einem Küchenmesser herumgefuchtelt und damit gegen die Terrassentür geschlagen.

Alkoholsucht des Angeklagten

Erst am 9. März war er vom Landgericht wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die 1. große Strafkammer hob zudem den Haftbefehl auf. Der Angeklagte konnte vorerst seiner Wege gehen. Er tat dies, nach Dank an seinen Verteidiger, in Begleitung seiner Ehefrau. Das Urteil ist immer noch nicht rechtskräftig.

Die Staatsanwaltschaft hatte seinen am 2. August 2019 im Bereich Beppener Bruch offenbar in Suizidabsicht provozierten Verkehrsunfall als versuchten Mord eingestuft und lebenslänglich gefordert. Daran hielt und hält sie fest. Seiner Fahrerlaubnis aufgrund vorheriger Delikte schon ledig, war der gebürtige Hildesheimer damals mit einer Geschwindigkeit von fast 130 km/h ungebremst in eine Kreuzung gerast.

Bei der heftigen Kollision war die Fahrerin eines Kleinbusses wie durch ein Wunder mit leichten Verletzungen davongekommen (wir berichteten). Die Strafakten zu diesem Crash sind noch nicht geschlossen. Die Revision läuft, der Bundesgerichtshof hat noch nicht entschieden.

Entschieden hat nun aber das Landgericht, dass der nach beruflichen, geschäftlichen und privaten Schwierigkeiten immer mehr dem Alkohol („Selbstmedikation“) verfallene Mann in den Maßregelvollzug muss. Auch in diesem Fall wertete die verhandelnde Kammer die Situation anders als die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Während das Gericht das vorrangige Problem des Angeklagten in dessen Alkoholsucht sah und damit der auch im Prozess anwesenden Sachverständigen folgte, berief sich Staatsanwältin besonders auf die Ausführung des Chefarztes der Fachklinik in Königslutter, in dem sich der 46-Jährige seit seinem dramatischen Drohszenario befindet.

Danach sei der Fokus eher auf die beim Angeklagten bestehende Persönlichkeitsstörung mit „paranoiden und schizophrenen Aspekten“ zu richten. Hier müsse der Schwerpunkt der Behandlung liegen, hieß es im Plädoyer. Ergo wurde, neben zweieinhalb Jahren Haft, die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus gefordert. Das Gericht entsprach indes dem Antrag des Verteidigers.

Sieben Gasflaschen auf Grundstück

Zum Tathergang stellte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung unter anderem fest, der Angeklagte sei seinerzeit aufgrund seines immensen Bierkonsums (seit dem Vortag soll er mehr als zwei Kästen geleert haben), mithin akuter Intoxikation „situativ nicht orientiert“ gewesen. Die „Unrechtseinsichtsfähigkeit“ habe zwar bestanden, die Steuerungsfähigkeit dürfte aber erheblich eingeschränkt gewesen sein. Die Feuerwehr habe auf dem Grundstück insgesamt sieben Gasflaschen entdeckt; lediglich eine sei auch gefüllt gewesen, dabei aber nicht öffnet.

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