Ministerbesuch in Kirchlinteln Bäckerhandwerk steht vor Herausforderungen

Niedersachsens Wirtschaftsminister hat in Kirchlinteln eine Torte zum 75. Geburtstag von Niedersachsen gebacken. Natürlich kam dabei auch die Situation im Bäckerhandwerk zur Sprache.
28.10.2021, 17:20
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Bäckerhandwerk steht vor Herausforderungen
Von Jörn Dirk Zweibrock

Ein ganz besonderes Geschenk wartet auf die Kunden der Verdener Tafel. Sie bekommen ein Stück Torte, das sie so in dieser Form noch nie gesehen haben. Das Niedersachenross und die Landesfarben Rot und Weiß zieren die 70 mal 50 Zentimeter große Buttercreme-Torte. Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) hat sie gemeinsam mit Bäcker Torsten Wöbse aus Kirchlinteln gebacken. Warum? Weil Niedersachsen am 1. November ein Dreivierteljahrhundert alt wird. Vor 75 Jahren, 1946, ist das Bundesland aus der Vereinigung des Landes Hannover mit den Freistaaten Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe entstanden.

Gut vorgearbeitet

Gut, gebacken ist vielleicht ein wenig hochgegriffen, denn die Mitarbeiter der Bäckerei Wöbse haben gut vorgearbeitet, Bernd Althusmann musste die Torte lediglich noch mit mehreren Sahnetupfern verzieren, das Wappentier garnieren und die Buchstaben E und N an das Wort Niedersachsen hängen. Beim Termin in der Backstube war auch Landesinnungsmeister Dietmar Baalk aus Verden dabei. Klar, dass der oberste Vertreter des Bäckerinnungs-Verbandes Niedersachsen dem Minister einiges mit auf den Weg nach Hannover gab. "Dietmar Baalk ist ein hartnäckiger Gesprächspartner", lobte Althusmann den Einsatz des Verdeners für das Bäckerhandwerk.

Althusmann will sich noch in dieser Legislaturperiode für den Wegfall der Kontrollgebühren im Lebensmittelhandwerk (lediglich Bußgeld bei Beanstandung) stark machen. Außerdem steht die Digitalisierung im Bäckerhandwerk (Registermodernisierungsgesetz und digitaler Kassenbeleg) auf seiner politischen Agenda.

Höchste Priorität genießt beim Minister jedoch die Bekämpfung des Fachkräftemangels, der natürlich auch an den niedersächsischen Bäckereien nicht spurlos vorübergeht. 10.181 Meisterbetriebe gibt es dem Minister zufolge deutschlandweit im Bäckerhandwerk. Sie beschäftigen 255.000 Mitarbeiter und erwirtschaften einen jährlichen Umsatz in Höhe von 14,5 Milliarden Euro.

Hohe Gaspreise

"Die Bäckereien haben die Pandemie ganz gut überstanden, auch dank der staatlichen Corona-Hilfen", erklärte Torsten Wöbse, "die Umsätze aus dem Jahr 2019 haben wir aber noch nicht wieder erreicht". Den steigenden Mindestlohn müssten die Bäckereibetriebe künftig auf ihre Produkte umlegen. Auch die hohen Gaspreise machen den Bäckereien zu schaffen – in den Backstuben stehen noch überwiegend Gasöfen.

Wöbse führt den 1902 gegründeten Betrieb in Kirchlinteln nunmehr in der vierten Generation. Er begrüßt sehr, dass das Land zum neuen Jahr ein sogenanntes Azubi-Ticket einführen will. "Im Landkreis Verden wird es zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres im August eingeführt", ergänzte die heimische Landtagsabgeordnete Dörte Liebetruth (SPD). Auszubildende können dann für einen Monatsbeitrag in Höhe von 30 Euro im gesamten Gebiet des Verkehrsverbundes Bremen/Niedersachsen (VBN) beispielsweise zur Berufsschule fahren.

Mit dem Topping, der Garnierung einer Torte, kennt sich der Christdemokrat jedenfalls aus. "Gott schütze das ehrbare Bäckerhandwerk", sagte Althusmann und machte sich wieder von dannen, um weiter den 75. Geburtstag des nach Bayern flächenmäßig zweitgrößten deutschen Bundeslandes zu feiern. Ob Niedersachsen in 75 Jahren auch noch seinen 150. Geburtstag feiert oder vielleicht doch eines Tages in einem Nordstaat aufgehen könnte, bleibt abzuwarten. Dass 1975 bei einem Volksentscheid noch rund 81 Prozent der Bürger für die Selbstständigkeit Oldenburgs votierten ist hingegen längst vergessen.

Info

Der geographische Mittelpunkt Niedersachsens befindet sich nur einen Steinwurf vom Landkreis Verden entfernt. Er liegt in der Feldmark bei Hoyerhagen. Als Kennzeichnung wurde ein eigens von einem Bildhauer gefertigter Stein gesetzt. Beim Hissen der Fahne im Frühjahr erklingt traditionell das Niedersachsenlied ("Wir sind die Niedersachsen,
sturmfest und erdverwachsen"). Die geographische Mitte Niedersachsens ist immer wieder Anlaufpunkt für Fahrradtouren, Oldtimer-Treffen und Gästeführungen. Nicht weit entfernt liegt auch das Serumwerk Memsen, ein ehemaliges königliches Gestüt, in dem von 1653 bis 1838 der so genannte "Memsener Weiße" als Paradepferd für den königlichen Hof Hannover gezüchtet wurde.

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