Grundschule Walle

Alles kann, nichts muss

Nach dem Schulelternrat, dem Schulvorstand und der Gesamtkonferenz haben nun auch der Schulausschuss und der Ortsrat Walle grünes Licht für die Errichtung eines offenen Ganztags im Verdener Norden gegeben.
08.03.2019, 16:35
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Alles kann, nichts muss
Von Jörn Dirk Zweibrock
Alles kann, nichts muss

Auf dem Weg in den Ganztag: die Grundschule Walle.

Björn Hake

Verden-Walle. Sie hat mir ihrer Klasse gerade die Ortsfeuerwehr Walle besucht und alle waren Feuer und Flamme. In Zukunft kann Anne-Kristin Grotheer, Rektorin der Grundschule Walle, mit ihren Schülern nachmittags öfter das Vereinsleben im Verdener Norden erkunden, denn der Schulausschuss und der Waller Ortsrat haben während ihrer gemeinsamen Sitzung am Donnerstag einstimmig grünes Licht für den offenen Ganztag bis 17 Uhr gegeben. Zum Schuljahr 2020/21 soll das Angebot für die Mädchen und Jungen aus Walle und Holtum (Geest) starten. Im Gegensatz zu einer teilgebundenen Ganztagsschule, in der die Lütten mindestens an zwei Tagen in der Woche am Nachmittagsangebot teilnehmen müssen, geschieht dies beim offenen Ganztag komplett auf freiwilliger Basis. „Wir wollen erst einmal schauen, wie die Kinder, Eltern und das Kollegium damit klarkommen“, erläuterte die Waller Schulleiterin. Schließlich sollten sich alle Beteiligten den ganzen Tag über in der Schule wohlfühlen.

Grotheer hatte im Vorfeld den Bedarf bei den Waller und Holtumer Familien abgefragt, und zwar in den Jahrgängen eins und zwei sowie bei den Kitas in Walle und Holtum (Geest). Das Ergebnis der Analyse: 55 Prozent der Befragten haben sich für ein Ganztagsangebot am Schulstandort Walle ausgesprochen, die restlichen 45 Prozent folglich dagegen. Die Zahlen korrelieren der Schulleiterin zufolge mit den bisherigen Anmeldungen für die Nachmittagsbetreuung.

Das von der Schule entwickelte pädagogische Konzept sieht nach dem Mittagessen in der neu zu errichtenden Mensa (Zwei-Schicht-System) eine Lern- und Arbeitszeit, eine anschließende Spiel- und Erholungsphase sowie ein nachmittägliches Angebot in Arbeitsgemeinschaften vor. Die Hausaufgabenbetreuung soll dabei von pädagogisch erfahrenem Personal übernommen werden. Der Fokus in dieser sogenannten Lern- und Arbeitszeit liegt dabei allerdings auf dem Fördern und Fordern der Kinder. „Gerade weil kleine Erstklässler nach einem langen Schultag manchmal ganz schön müde sind, ist die Entspannungsphase sehr wichtig“, sagte Grotheer. Für die Arbeitsgemeinschaften sollen beispielsweise die Feuerwehr oder Vereine wie der TSV Walle und der Waller Heimatverein als Kooperationspartner mit ins Boot geholt werden.

Mit dem neuen Ganztagsangebot, für das die Kinder voraussichtlich halbjährlich angemeldet werden können, will die Bildungseinrichtung auch gezielt Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund ansprechen. Sozialisation gelinge nun einmal am Besten über die Gemeinschaft, ist die Schulleiterin überzeugt. Auch für Lütte, die nicht am gemeinsamen Mittagessen in der Schule teilnehmen, stünden die Arbeitsgemeinschaften offen.

Gemäß einem Erlass des Niedersächsischen Kultusministeriums erhält die Grundschule zur Ausgestaltung des Ganztags einen Zuschlag für den Zusatzbedarf an Lehrerstunden. Die Bildungseinrichtung kann dabei eigenständig entscheiden, wie viele dieser Lehrerstunden im Ganztagsbereich kapitalisiert werden. Damit ein pädagogisch hochwertiges Angebot gewährleistet werden kann, ist unabhängig davon auch eine zusätzliche Personalausstattung seitens des Schulträgers notwendig. Da die Kosten für die Nachmittagsbetreuung in Walle ab dem Schuljahr 2020/21 entfallen, entstehen für die Stadt Verden aber insgesamt keine höheren Aufwendungen.

Nach den Beschlüssen von Schulternrat, Schulvorstand und Gesamtkonferenz haben sich nun also auch der Fachausschuss und der Ortsrat einstimmig für die Errichtung eines offenen Ganztagsangebots in Walle ausgesprochen. Für Olaf Kluckhuhn (CDU) eröffnet dies den Eltern die Möglichkeit, auch weiterhin berufstätig zu bleiben. Rektorin Anne-Kristin Grotheer hatte sich bereits beim Landkreis Verden nach weiteren Busverbindungen in Richtung Holtum erkundigt.

Rund ein Drittel der aktuell 103 Waller Grundschüler stammen ihrer Aussage nach aus der benachbarten Gemeinde Kirchlinteln. Walle ist die kleinste von den insgesamt fünf Grundschulen im Verdener Stadtgebiet. Der Schulstandort blickt jedoch auf eine sehr lange Tradition zurück: nachweislich werden dort bereits seit dem Jahr 1691 Kinder unterrichtet.

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