Bürgerbus Kirchlinteln

Mit Spuckschutz und Abstand

Die ehrenamtlichen Bürgerbusfahrer haben sich entschieden, ihren Service aufrechtzuerhalten. Die geringen Infektions- und Fahrgastzahlen haben sie zu dieser Entscheidung bewogen.
06.01.2021, 17:15
Lesedauer: 3 Min
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Von Marie Lührs

Dieser Tage fällt er besonders auf, der kleine rote Bus, der den Kernort Kirchlinteln mit den umliegenden Ortschaften verbindet. Trotz Lockdown sei der Flitzer auch weiterhin unterwegs, versichert Bürgerbussprecher Hermann Meyer. Das sei nicht selbstverständlich, denn die ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrer des Busses zählen auch selbst zur Risikogruppe. „Trotzdem haben sie sich dafür entscheiden, das Angebot des Nahverkehrs weiter aufrechtzuerhalten“, sagt Meyer. Bei vielen anderen Bürgerbusvereinen in Niedersachsen sei dies nicht der Fall. Im vergangenen Jahr hatte auch der Verein in Kirchlinteln für mehrere Wochen seine Arbeit niedergelegt. Während des ersten Lockdown stand der rote Flitzer von Mitte März bis Ende Mai still.

Auf den Linien des Bürgerbusses gelten die gängigen Hygiene- sowie Infektionsschutzvorschriften, und auch auf den nötigen Abstand wird geachtet. Zu eng werde es in diesen Tagen im Bürgerbus nicht, versichert Rüdiger Klinge, Vorsitzender des Vereins. Oft seien es nur ein bis zwei Fahrgäste zugleich, die den Bus nutzten. Sie müssen mit einem bis anderthalb Metern Entfernung voneinander Platz nehmen. Nur Familien dürfen im Bus nah beieinander sitzen. Den Fahrer oder die Fahrerin schützt ein transparenter Spuckschutz. Außerdem gilt auch im Bürgerbus Maskenpflicht.

Viele Kunden nutzen die vier angebotenen Linien für Einkäufe, Bankgeschäfte und Arztbesuche, lautet die Erfahrung der Fahrer. „Außerdem sehen die älteren Menschen auf diese Weise mal eine andere Umgebung, kommen mal raus ihrer Vereinsamung, die der Lockdown beschert“, sehen die Ehrenamtlichen einen weiteren Vorteil des Busbetriebs. Das Team stehe voll und ganz hinter der Entscheidung, die Linienfahrten auch weiterhin anzubieten, heißt es auf ihrer Internetseite. Als einen möglichen Grund für diesen Entschluss nennt Meyer auch die aktuell „geringen Fallzahlen“ in der Gemeinde Kirchlinteln.

Die Rückmeldungen der Fahrgäste bestätigen, wie sehr die Fahrer wertgeschätzt werden. „Ein Glück, dass ihr wenigstens fahrt“ – Sätze wie diese bekämen die Ehrenamtlichen aktuell häufiger zu hören, sagt Meyer. Bisweilen lande auch eine Exraspende in der Spardose, die im Bus aufgestellt sei.

„Aber Dank und Anerkennung kommen nicht nur von den Fahrgästen“, sagt Meyer. Auch der Vereinsvorstand freue sich über das große Engagement seiner ehrenamtlich Aktiven, insbesondere im zurückliegenden schwierigen Jahr 2020. Können sich die Ehrenamtlichen sonst über bis zu 8000 Fahrgäste freuen, waren es im vergangenen Jahr weniger als die Hälfte. Ein Blick in die Statistik zeigt: Der Rückgang geht nicht nur auf die beiden Monate zurück, in denen der Bürgerbus still stand. Über das ganze Jahr blieben die Fahrgastzahlen deutlich hinter denen des Vorjahres zurück. Lediglich im September und Oktober lag der Rückgang bei weniger als 15 Prozent.

Neben den Fahrgastzahlen schrumpfte im vergangenen Jahr auch die Anzahl der aktiven Fahrer, unter anderem aus gesundheitlichen Gründen. Mit einer Werbeaktion gelang es dem Team jedoch, Nachwuchs für den Platz hinter dem Lenkrad zu gewinnen. Und das ist sehr wichtig, denn: Je weniger Fahrer zur Verfügung stehen, desto schwieriger wird es, die Fahrten zu besetzen. Die drei neuen Fahrer seien bereits seit einigen Wochen im Einsatz, erzählt Klinge. Insgesamt teilen sich 15 Ehrenamtliche die Arbeit hinter dem Lenkrad. Über ein Online-Formular tragen sie sich regelmäßig für ihre Routen ein. Bleiben einzelne Touren unbesetzt, sucht Fahrdienstleiter Reinhard Ries per E-Mail oder Telefon nach Freiwilligen, die Lücken füllen, oder springt selbst ein.

Seit 2009 fährt gibt es den Bürgerbus in der Gemeinde. Im vergangenen Jahr sollte das alte Fahrzeug gegen ein neues getauscht werden. Die Lieferung wurde zuletzt wegen des hundertprozentigen Shutdown im Herstellerland Slowenien weiter verzögert. Ein neues Datum gibt es noch nicht.

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