Lintler Krug

Ein Café im Kammerfach

Im Kammerfach des Lintler Krugs soll bald neues Leben einkehren. Noch stehen die Räume in dem historischen Gebäude leer. Künftig könnten sie ein Café beherbergen.
07.09.2021, 15:59
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Ein Café im Kammerfach
Von Marie Lührs

Im Freien einen Milchkaffee genießen oder am Stammplatz im Café mit Freunden eine Runde Skat spielen, während andere zu Kaffee und Kuchen einkehren. So könnte es bald im Lintler Krug aussehen. Zumindest wenn es nach Jens Dreger geht. Der Geschäftsführer der Sirius Jugendhilfe wünscht sich schon länger, dass das Gebäude in prominenter Lage weiter belebt wird. Der Verwaltungsausschuss (VA) habe seine Pläne auf seiner Sitzung an diesem Montag ein wenig ausgebremst, sich aber grundsätzlich positiv zu dem Vorhaben ausgesprochen, erzählt Bürgermeister Wolfgang Rodewald (parteilos). Grund dafür seien Vertragsdetails, die nun seitens der Verwaltung überarbeitet werden sollen.

"Seit 2014 schaue ich auf den Lintler Krug", erzählt Dreger. Damals habe er mit seiner Jugendhilfe das gegenüber liegende Gebäude bezogen. Seitdem hat er das Kammerfach, in dem das Café entstehen soll, immer im Blick. Mit der Zeit kam ihm die Idee, die leerstehenden Räume sinnvoll zu nutzen. Bei der Gemeindeverwaltung sei dieser Vorschlag gut angekommen, erzählt er. 

Fehlendes Angebot am Wochenende

Wenn er am Wochenende ein Eis essen wolle, müsse er entweder weit fahren oder die eigene Tiefkühltruhe bemühen, sagt der mit seiner Familie in Bendingbostel lebende Dreger. Und auch die Orte, an denen die Bürger am Nachmittag für einen Kaffee einkehren könnten, seien zumindest an den Wochenenden rar. Denn die ortsansässigen Bäckereien schließen an Sonnabenden und Sonntagen bereits mittags ihre Türen.

Vor drei Jahren hat Jens Dreger daher mit den Planungen des Cafés begonnen. Er möchte im Lintler Krug jedoch nicht ein ganz normales Café einrichten. Stattdessen soll die Anlaufstelle ein Inklusionsprojekt werden, in dem Menschen mit und ohne Handicap gemeinsam arbeiten. Entsprechende Förderanträge bei der Aktion Mensch und anderen Institutionen habe er bereits auf den Weg gebracht. 

Ein neunköpfiges Team soll künftig in dem Kammerfach des Krugs Speisen und Getränke servieren. Vier der Beschäftigten werden ein Handicap haben. Doch bis die erste Bestellung über den Tresen geht, wird es noch ein wenig dauern. Dreger geht von sechs Monaten Bauzeit aus. "Der Estrich muss rein", erläutert er bei einer Besichtigung des Kammerfachs. Außerdem soll der Raum geteilt werden. Zur Straße hin wird eine Küche eingebaut, für die es einer geeigneten Stromversorgung bedarf. Eine Bar schließt sich an die Küche an. 35 Innenplätze sind in Planung. Weitere werde es auf dem Außengelände geben, sagt Dreger. Auch Heizung und Beleuchtung braucht es noch. 

Traditioneller Charme soll bleiben

Obwohl das Innere neu ausgebaut wird, soll es später traditionellen Charme versprühen. Denn ein modernes Szene-Lokal passe nicht in ein historischen Gebäude wie den Lintler Krug, findet Dreger. Er hofft auf passende Dekorationsgegenstände für das künftige Café. Es solle auf jeden Fall gemütlich werden und nach Möglichkeit mit historischen Bildern dekoriert werden. Außerdem ist ihm das Angebot wichtig. Guter Kaffee sei elementar, und auch das Speiseangebot müsse stimmen. "Es muss gut schmecken", bringt es Dreger auf den Punkt. Spargel, Matjes und Pilzgerichte sollen beispielsweise in den entsprechenden Jahreszeiten serviert werden. Neben einem Mittagstisch könne es auch eine Abendkarte geben.

Nach Möglichkeit sollen lokale Produkte zum Einsatz kommen. Kooperationen mit Bäckereien und landwirtschaftlichen Betrieben aus der Gemeinde könne er sich gut vorstellen. Die Karte soll dementsprechend auch durch saisonale Gerichte glänzen und mehr als nur Kaffee und Kuchen bieten. Auch bei den Handwerkern möchte er auf lokale Kräfte setzen.

Auch einen Außer-Haus-Verkauft wünscht sich Dreger. Wie wichtig dieser sein könne, habe sich insbesondere in den vergangenen Monaten gezeigt. Das Café könne zudem ein Catering im benachbarten Saal im Lintler Krug anbieten. Bei Geburtstagen, anderen privaten Feiern und öffentlichen Veranstaltung in und um den Krug könne das Café unterstützen. Im Sommer sei es zudem möglich, zusätzlich eine Imbissbude draußen aufzustellen, um die Gäste direkt im Garten zu versorgen. "Ich habe noch viele verschiedene Ideen", kündigt er an. Das Café soll ein Tochterunternehmen der Sirius Jugendhilfe werden. Dreger wird ehrenamtlicher Geschäftsführer des Projekts.

Direkter Anschluss an die Ortschaften

Die Lage sei prädestiniert für einen Treffpunkt. "Kirchlinteln hat 17 Ortschaften", sagt Dreger. Viele von ihnen steuert der Bürgerbus an – der wiederum in direkter Nachbarschaft zum Lintler Krug seine Touren beginnt.

Öffentlich soll das Projekt am 4. Oktober im Ausschuss für Jugend und Soziales vorgestellt werden. Die Sitzung beginnt um 18 Uhr im Lintler Krug. Direkt im Anschluss berät der VA ein weiteres Mal über das Thema, ehe im Gemeinderat am 14. Oktober über das Projekt abgestimmt wird. 

Interessierte können allerdings bereits an diesem Mittwoch, 8. September, mehr über die Pläne von Dreger erfahren. Denn der ist beim Dorfgespräch der Kirchlintler SPD zu Gast. Die spricht bei ihrem Treffen ab 19.30 Uhr unter anderem über die Planungen zum gastronomischen Angebot. Die SPD hatte sich bereits vor mehreren Wochen vor Ort über das Projekt informiert und ihre Unterstützung zugesagt. Die CDU hingegen ist zwar grundsätzlich offen für das Vorhaben, wünscht sich aber ein Nutzungskonzept und möchte die Fragen geklärt haben, was im Falle einer Pleite des Mieters passiert, lässt die Fraktion wissen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+