Das Porträt

Eine Liebeserklärung an die Natur

Die Malerei von Gerd Spiekermann ist von dem Respekt für seine Umwelt geprägt. Er will Nähe zur Natur schaffen, damit die Menschen diese mehr wertschätzen.
17.09.2019, 15:34
Lesedauer: 3 Min
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Eine Liebeserklärung an die Natur
Von Björn Struß
Eine Liebeserklärung an die Natur

Die Motive für seine Kunst findet Gerd Spiekermann in der Natur der Region. So war es auch mit dem Fischreiher, der wie aus dem Nichts auftauchte.

Sebi Berens

Es ist nur ein unscheinbarer Anstecker an seinem Sakko, der aber doch viel über Gerd Spiekermann verrät. Ein silberner Engel scheint von seiner Brust gen Himmel emporzusteigen. Es ist ein dezentes Statement, das die Kunst des Malers in einem anderen Licht erscheinen lässt. Denn die hat auf den ersten Blick nichts Religiöses. Und doch ist da immer dieser Respekt für die Natur und Umwelt, in der die Menschen leben dürfen – eine Liebeserklärung an die Schöpfung.

Über 18 Jahre engagierte sich der 70-Jährige in der evangelischen Gemeinde in Kirchlinteln. „Es war aber Zeit, für die Jüngeren Platz zu machen“, sagt er. Spiekermann war der Kirche in unterschiedlichen Ämtern stets verbunden, zuletzt im Kirchenvorstand. Seine Kunst schmückte schon oft die Räume der Gemeinde. Zu Weihnachten gab es auch einmal ein Motiv als Postkarte. Für die Christen in Kirchlinteln dürfte es also zweifelsohne ein Verlust gewesen sein, dass sich Spiekermann aus der Gemeindearbeit zurückgezogen hat. „Der christliche Glaube motiviert mich. Es geht mir darum, Nähe zur Natur zu schaffen. Wir müssen mehr Wertschätzung für sie entwickeln“, sagt Spiekermann.

Die Motive findet er sozusagen in der Nachbarschaft. Seine liebste Urlaubsregion, Skandinavien, hat es noch nicht in seine Werke geschafft. Ausgestattet mit einer Kamera begibt er sich von Kirchlinteln aus gerne auf lange Spaziergänge durch die Natur. So folgte er zum Beispiel dem Verlauf eines Tümpels. „Ich wollte dem Wasser solange folgen, bis es vollends in der Erde versickert“, berichtet Spiekermann. Wann immer ihn die Natur dazu motiviert, zückt der Künstler seine Kamera.

„Die Aufnahmen sind nicht gut, aber das ist mir nicht wichtig“, berichtet er. Schließlich ist seine Kunst nicht die Fotografie, sondern die Malerei. Die Fotos dienen ihm aber als wichtige Grundlage für seine Arbeiten in Öl- und Acrylfarben. Oft versucht er, das Foto möglichst exakt auf die Leinwand zu bringen. Manchmal arrangiert er die Motive aus der Natur aber auch zu einem neuen Bild oder nimmt etwa eine Geige und platziert sie vor die Baumkulisse. Die Werke bleiben aber immer nah an der realen Welt, für das Abstrakte kann sich Spiekermann nicht begeistern.

Schon bei seiner Berufswahl nach der Schule ist die kreative Ader des jungen Mannes zu erkennen. Er lässt sich zum Schaufenstergestalter ausbilden. Doch als die großen Kaufhausketten damit anfangen, ihre Fenster im gesamten Land gleich zu gestalten, verschwindet das kreative Element in diesem Beruf zunehmend.

So beginnt Spiekermann ein Fernstudium in Gebrauchsgrafik und Illustration. Parallel verdient er sein Geld als Dozent für Schaufenstergestaltung an einer Schule für Dekoration in Bad Harzburg. „Viele kleinere Geschäfte konnten sich keinen Schaufenstergestalter leisten. Deshalb kamen oft die Geschäftsführer und eigneten sich das Wissen selbst an“, erzählt Spiekermann. Ohne es zu wissen, baut er mit seiner Arbeit als Dozent eine Brücke in den nächsten Lebensabschnitt.

Denn Spiekermann findet Gefallen daran, sein Wissen weiterzugeben. So reift der Gedanke, als Quereinsteiger Lehrer zu werden. Ab 1980, im Alter von 31 Jahren, unterrichtet er im Schulzentrum Kirchlinteln. Die Fächer: Deutsch und Kunst.

Wenn er an seine erste Klasse zurückdenkt, kann er sich gut an den Liebeskummer einiger Schüler erinnern. „Man bemerkt sehr schnell, dass dies auch in der siebten Klasse schon ein sehr ernstes Thema sein kann“, erinnert sich Spiekermann. Als Lehrer ist nun Pädagogik gefragt, die eigenen Kunstwerke müssen warten. Trotzdem sei es durchaus ratsam, in Übung zu bleiben. „Wenn eine Sechstklässlerin von dir verlangt, einen Frosch zu zeichnen, solltest du das auch können“, erinnert sich der Lehrer und lacht.

Eine Kombination war für den Lehrer undenkbar. „Ich kann nicht jeden Tag unterrichten und mich gleichzeitig nach außen als Künstler präsentieren“, betont er. In dieser Entscheidung steckt auch viel Respekt für freie Künstler. „Es ist sehr schwer, damit Geld zu verdienen“, weiß Spiekermann.

Die Pensionierung ist für den Kirchlintler ein kreativer Befreiungsschlag. Nun kann er sich ganz der Kunst widmen. „Wenn man als Lehrer immer die unterschiedlichen Stile erklärt, ist es gar nicht so leicht, seinen eigenen zu finden“, sagt der Maler. Doch seinen ganz eigenen Pinselstrich hat er nun gefunden und verewigt die Natur der Region. Ein Gewinn für den Betrachter – nicht nur in seiner Kirchengemeinde.

Info

Zur Sache

Ausstellung im Alten Schulhaus

Am Sonntag, 6. Oktober, 14 Uhr, beginnt eine Ausstellung mit über 30 Bildern von Gerd Spiekermann im Alten Schulhaus Dauelsen, Schulstraße 10. Seine Werke hängen dort noch bis zum Ende des Jahres. Das Alte Schulhaus ist immer mittwochs und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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