Weihnachtsmarkt Eine wohlige Atmosphäre

Der Weihnachtsmarkt bei der Tragenden Gemeinschaft in Schafwinkel begeisterte die Besucher mit einer breiten Palette an Kunsthandwerk.
25.11.2019, 15:40
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Von Hermann Meyer

Überall auf dem Hof-Ensemble unter großen Eichen verbreiteten handgefertigte rustikal-rostige Feuerstellen eine wohlige Atmosphäre. Sie luden die vielen Besucher des Schafwinkler Markts zum Wärmen ein. Die Tragende Gemeinschaft mit ihren vier Höfen, dem Bunken- und Oelfkenhof sowie dem Rosen- und Eichenhaus, hatte zum traditionellen Tag der offenen Werkstätten eingeladen.

Die Bewohner präsentierten in den Arbeitsräumen, dem Atelier, der Tischlerei, Papier- und Kreativwerkstatt und Weberei eine breite Palette an Kunsthandwerk. „Die Bewohner sind stolz, dass ihre Produkte bei den Besuchern beliebt sind“, sagte Harald Kurz aus der Tischlerei. Ein angenehmer Holzgeruch empfing den interessierten Gast. Hier gab es unter anderem viele rustikale Vogelhäuser, Kartenhalter sowie Schutzengel mit einem Hufeisen auf dem Rücken als Flügel. Der gelernte Bildhauer Kurz ergänzte, dass hier viele Menschen leben, die eine Einzelbetreuung brauchen. „Darum kann die Herstellung eines Kartenhalters beispielsweise fast einen ganzen Tag dauern.“

Bei der Herstellung von Stumpenkerzen sei der therapeutische Ansatz am allerwichtigsten, sagte Henk Dohle, zuständig für die Kerzenwerkstatt. „Die zu Betreuenden sitzen in der Wärme, es riecht gut, und es ist dadurch eine schöne und beruhigende Arbeit.“ Zeit spielt hier keine Rolle: Für sechs Stumpenkerzen wird ein Nachmittag gebraucht. „Es geht uns nicht ums Verkaufen, sondern nur um die sinnvolle Tätigkeit der Bewohner“, ergänzte Dohle. Trotzdem gebe es seit gut einem Jahr auf dem Gelände der Tragenden Gemeinschaft einen Laden, in dem auch zwischendurch eingekauft werden könne. Der Laden nehme den Menschen die Hemmschwelle, auf das Gelände zu kommen. Zwischenzeitlich kaufen hier neben Privatpersonen auch Schulen und Kindergärten ein. In der Kerzenwerkstatt wird nur im Herbst und Winter gearbeitet, weil es durch das heiße Bienenwachs im Sommer zu warm ist. Rund 500 Kilogramm Bienenwachs werden im Jahr zu schönen Kerzen verarbeitet. „Wir nehmen kein Bienenwachs aus China, weil dies mit Paraffin durchsetzt ist“, sagte Dohle. In der Weberei werden „Steine“ aus Filzwolle angeboten. Bewohner Ralf Kleine-Möller erzählte mit einer Begeisterung von der Herstellung. „Das Wasser ist manchmal so heiß, dass du in die Knie gehst“, berichtete er. Betreuerin Marieke Lübbers ist seit Juni hier und kann sich für das Handwerk begeistern“. Die Schafswolle wird von einem Schäfer geliefert, von den gröbsten Unreinigkeiten befreit, dann in mehreren Durchgängen gewaschen und per Hand auseinandergezupft. Zum Filzen der „Steine“, die aussehen wie richtige Steine, könne nur normale Schafswolle verarbeitet werden, sagte Marieke Lübbers, Heidschnuckenwolle könne aufgrund der Struktur nur zum Weben von Teppichen verwandt werden.

Neben den Produkten, die von den Bewohnern hergestellt werden, boten auch einige Aussteller von außerhalb ihr Kunsthandwerk an. Darunter Joachim Heuer aus Dörverden, der Naturkosmetik in Eigenherstellung aus zertifizierten ökologischen Inhaltsstoffen im Angebot hat. Er hatte in den Anfangszeiten der Tragenden Gemeinschaft in Kohlenförde in den 1980er-Jahren gearbeitet. Der Kontakt zu den ehemaligen Mitarbeitern sei über die vielen Jahre nicht abgerissen.

Heinz Lehnert wohnt in Bendingbostel und kommt „aus alter Verbundenheit zur Tragenden Gemeinschaft und besonders zu Ewert Driehaus“, wie er sagte. „Driehaus ist ein Klassikfan und ich auch, darum bin ich mit ihm regelmäßig zu Konzerten in die Glocke nach Bremen gefahren.“

Das Ehepaar Strauß kommt aus Bonn zum Tag der offenen Werkstätten der Tragenden Gemeinschaft in Schafwinkel. „Es ist ein guter Geist in dieser Einrichtung“, freute sich Joachim Strauß, dessen Sohn Florian seit dem Frühjahr 2018 im Bunkenhof wohnt.

Neben Kaffee und Kuchen konnten die Besucher aus weiteren Spezialitäten wie Lachsforelle aus der Heideräucherei von Marieke und Marek Berbec (Walsrode), Heidschnucken-Bratwurst von Schäfer Heiner Gerken aus Wittorf sowie Pizzen mit verschiedenen Auflagen auswählen. „Auch den graved Lachs machen wir selber“, betonte Marek Berbec. Der Fisch, den sie verarbeiten, war noch nicht eingefroren, das sei das A und O, so der Fischfachmann Berbec.

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