Finka-Projekt Gemeinsam für mehr Biodiversität

Das niedersächsische Projekt Finka (Förderung von Insekten im Ackerbau) soll für mehr biologische Vielfalt auf Ackerflächen sorgen. Dafür arbeiten konventionelle und ökologische Betriebe eng zusammen.
15.10.2021, 16:09
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Gemeinsam für mehr Biodiversität
Von Antonia Blome

Einen grüneren Fußabdruck zu hinterlassen, ist das Ziel von Gerd Bunke. Aus diesem Grund nimmt er an dem niedersächsischen Projekt Finka (Förderung von Insekten im Ackerbau) teil. Dafür kooperiert der Landwirt aus Kirchlinteln mit Jan-Harmen Hesse, der unweit von ihm einen ökologischen Betrieb leitet. 30 konventionell arbeitende Landwirte verzichten für das Projekt auf einer Versuchsfläche über fünf Jahre auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die gegen Insekten und Unkräuter eingesetzt werden. Ökologisch arbeitende Kollegen dienen als Berater.

Enge Zusammenarbeit bis 2025

"Wir wollen die Biodiversität auf Ackerflächen erhöhen und eine breite Diskussion anzustoßen", sagt Projektcoach Leen Vellenga vom Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen. Das Projekt startete im April 2020 und läuft noch bis Ende des Jahres 2025. Gefördert wird es mit Mitteln des Bundes und des Landes Niedersachsen, darunter das Bundesprogramm Biologische Vielfalt. Laut Leen Vellenga werden 3,65 Millionen Euro in das Projekt investiert, an dem insgesamt 140 Landwirte ihr Interesse bekundeten.

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Die Betriebspartner gehen dabei in einen fachlichen Austausch darüber, wie der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel betriebswirtschaftlich und arbeitstechnisch umgesetzt werden kann. Landwirte mit ökologischer Bewirtschaftung stellen auch Arbeitsgeräte, beispielsweise einen Striegel, zur Verfügung, um das Beikraut einzudämmen. Die restliche Teilfläche des konventionellen Betriebs wird wie gewohnt nach eigenem Betriebsstandard bewirtschaftet. Der Ökobetrieb bringt ebenfalls eine Vergleichsfläche mit ein, möglichst mit der gleichen Frucht.

Naturschutz als Motivation

Die Finka-Fläche von Gerd Bunke befindet sich unweit von seinem Hof in Odeweg und misst vier Hektar. "Am Anfang war das alles für mich Neuland und ich war ein wenig skeptisch", sagt er. Das Projekt habe sich aber positiv entwickelt. Die Zusammenarbeit sei bisher gut gelaufen und Jan-Harmen Hesse bringe eine Menge fachmännisches Wissen mit. "Ich mache mit, weil ich in Zukunft, wenn möglich, gern auf Insektizide verzichten würde", erklärt Bunke seine Motivation. Derzeit stehen die Auswertungsergebnisse der Fläche aber noch aus. "Als Jäger habe ich außerdem viel für die Natur übrig und in diesem Bereich muss mehr gemacht werden", sagt der Landwirt außerdem. Im Landkreis Verden gibt es noch zwei andere Betriebspaare: Mintja und Heinrich Blohme und Uwe Michaelis sowie Heinrich Müller und Michael Kappel.

Für das Projekt wird wissenschaftlich untersucht, wie sich die veränderte Bewirtschaftungsweise auf die Ackerbegleitpflanzen und damit auch auf die Insektenvielfalt auswirkt. Gemeinsam mit den Ackerbauberatern werden Fragen zur richtigen Fruchtfolge, Aussaat, Sortenwahl, mechanischen Beikrautregulierung diskutiert und umgesetzt. Des Weiteren prüfen die Beteiligten die ökonomischen Aspekte und vergleichen die Erträge. Außerdem finden jährliche Begehungen der Flächen statt. "Am Ende wollen wir an die Politik Handlungsempfehlungen weitergeben", sagt Leen Vellenga.

Zur Sache

Ökolandbau in Niedersachsen

Im Jahr 2020 ist der Ökolandbau in Niedersachsen so stark gewachsen wie in keinem anderen Bundesland. "Mit 11,5 Prozent hat Niedersachsen sich wieder deutlich besser entwickelt als der Bundesdurchschnitt, der bei 5,5 Prozent Flächenzuwachs lag", teilt das Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen mit.

Laut der Landwirtschaftskammer Niedersachsen geht der Verbrauchertrend weiterhin in Richtung Bio. "Das weiter wachsende Interesse der Verbraucher an Ökoprodukten spiegelt sich für die Erzeuger in einer wachsenden Zahl von Abnehmern von Öko-Erzeugnissen", heißt es.

Die 2253 Öko-Betriebe in Niedersachsen bewirtschaften durchschnittlich 60 Hektar. Das sind nach Angaben des Kompetenzzentrums 15 Hektar weniger als der Durchschnitt bei knapp 35.000 landwirtschaftlichen Betrieben in Niedersachsen insgesamt. Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.oeko-komp.de.

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