Rübenmarkt

Flohmarktschätze und Deftiges op platt

Birgit Bischoff hört auf, aber der Rübenmarkt in Kirchlinteln lebt weiter. Bei schönem Wetter ist das Spektakel rund um den Krug gut besucht.
29.09.2019, 17:43
Lesedauer: 2 Min
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Von Hermann Meyer
Flohmarktschätze und Deftiges op platt

Ein Höhepunkt auf dem Rübenmarkt war der Flohmarkt, auf dem Privatleute ihre Schätze anbieten konnten.

fotos: Frank Clasen

In Kirchlinteln lockte der 359. Lintler Rübenmarkt, die sogenannte fünfte Jahreszeit, am Freitagabend rund 400 Besucher auf den Scharnhusenplatz. Und der Sonnabend war ebenfalls mit dem Flohmarkt sowie den vielen Ständen rund um den Lintler Krug und dem Kruggarten ein Besuchermagnet. Und so waren alle 42 Standbetreiber an beiden Tagen zufrieden.

Jutta Radeke aus Emtinghausen bot bereits im zweiten Jahr Flammkuchen, Brezeln und Pizzen an. „Wo es schön ist, fahren wir immer wieder hin“, sagte sie. Sie sei am Sonnabend schon um fünf Uhr aufgestanden, um dann pünktlich auf dem Rübenmarkt zu sein. Viel länger dabei ist Edeltraud Winkelmann aus Groß Heins: Schon seit 20 Jahren ist sie mit regionalen Spezialitäten auf dem Rübenmarkt vertreten. Premiere hatte Alexander Huber aus Kirchlinteln: Er hatte an seinem Stand unter anderem Elsässer Flammkuchen und Federweißen im Angebot. Zu essen und zu trinken gab es reichlich sowie Biogemüse aus Holtum (Geest). Neben Sellerie, Roter Bete, Kartoffeln, Lauch und Mangold durften Steckrüben nicht fehlen. Voker Ziehm vom Heimatverein Kirchlinteln: „Rübenmarkt ohne Rüben ist nichts.“

Kinder hatten viele Möglichkeiten, sich auszutoben oder Karussell zu fahren. Das Hennecke-Pilz-Karussell von 1966 wird von Sylvia Schmidt-Rößel betrieben und ist eine Rarität, von der es weltweit nur noch vier Stück gibt. Die sich langsam im Kreis drehenden Fahrzeuge seien alle noch aus Holz, sagt die Betreiberin und ergänzt: „Wir kommen schon seit sechs Jahren immer sehr gerne hierher.“ Die zweieinhalbjährige Lilly fand die Runden auf dem Trecker so schön, dass sie selbst nach drei Runden immer noch weiterfahren wollte und nur mit gutem Zureden der Oma sich langsam erweichen ließ. Kinder konnten sich in großen Wasserbällen, die in einem Bassin schwammen, austoben, ohne dass sie nass wurden. Gleich daneben war eine Bungee-Trampolin-Springanlage aufgebaut, die von mutigen Kindern in Anspruch genommen wurde.

Im Vordergrund des Rübenmarktfrühstücks standen Blasmusik und deftige plattdeutsche Reden. Bürgermeister und Landrat bekamen „ihr Fett weg“. Henning Feyen (Opas Stube) begeisterte die Gäste mit einem selbstkomponierten Lied über Unzulänglichkeiten an der Schule am Lindhoop, und Dirk Wieters hatte mit seinen plattdeutschen Döntjes wieder mal die Lacher auf seiner Seite. Marktmeisterin Birgit Bischoff ist seit 2012 für das Anwerben von Ausstellern verantwortlich. Nun hört sie auf. „Schon seit drei Jahren habe ich das vor“, sagt sie, „aus beruflichen Gründen.“ Jetzt, beim Rübenmarktfrühstück am Sonnabendmorgen, wurde Birgit Bischoff von den beiden Conférenciers Dörte und Fred und den vielen Frühstücksgästen verabschiedet. Das ging ihr sichtlich nahe. Dörte Wöbse-Hogrefe überreichte ihr einen kleinen Obstbaum: „Een lütjen Appelboom schasst du hebben, de schall die jümmer an us erinnern.“

Mit Nicole Clasen, die keine Marktmeisterin werden möchte, sondern nur „so dareingerutscht“ ist, hat sich Birgit Bischoff viele Jahre lang um die Aussteller gekümmert. Nicole Clasen unterstützt ihren Mann Frank, der Marktmeister ist. „Ich möchte aber, dass jemand anderes Marktmeister wird“, sagt sie. Die Altersgruppe zwischen 25 und 35 Jahren sei überhaupt nicht vertreten, „die wollen sich nicht ehrenamtlich engagieren“. Die Planungen für den kommenden Rübenmarkt fangen praktisch schon mit dem Ende des aktuellen Marktes an, sagen beide. Sie telefonieren viel, schreiben E-Mails und gehen auf andere Märkte. „Wir sprechen uns ab, und es gehört auch eine entsprechende Leidenschaft dazu“, sagt Birgit Bischoff. Alle seien beruflich voll engagiert, so Birgit Bischoff, und das Engagement gehe soweit, dass sie die Marktmeisterkleidung und auch den Eintritt fürs Rübenmarktfrühstück selbst bezahlten.

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