Red Wednesdays

Frauenpower im Domherrenhaus

Eine neue Veranstaltungsreihe befasst sich 2020 mit weiblichen Persönlichkeiten der Geschichte. Den Anfang macht Hildegard von Bingen.
18.11.2019, 17:34
Lesedauer: 3 Min
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Von Marie Lührs
Frauenpower im Domherrenhaus

Gabriele Müller hat sich die roten Mittwoche ausgedacht und dafür Marcel Maack und seine Vortragsreihe gewinnen können.

Björn Hake

Frauen, die Geschichte geschrieben haben, stehen im kommenden Jahr bei einer neuen Veranstaltungsreihe im Domherrenhaus im Mittelpunkt. Unter dem Titel „Red Wednesday – Geschichte, Kultur und Begegnung“ möchte Museumsassistentin Gabriele Müller mehr Menschen in das historische Gebäude locken. Denn das Domherrenhaus sei nicht nur Vermittler von Geschichte, sondern auch Ort für kulturelle Angebote, die sich mit Historie und Tradition, aber auch mit aktuellen Zeitgeschehen befassen.

Die Red Wednesdays, die roten Mittwoche, sollen über das Jahr verteilt Raum für Konzerte, Lesungen, Theater, Kabarett und andere kulturelle Veranstaltungen bieten. Den Auftakt der neuen Reihe macht der Journalist und Autor Marcel Maack. Er ist seit seiner Selbstständigkeit auch als Redner und Dozent in Deutschland unterwegs. In seiner aktuellen Vortragsreihe befasst er sich mit starken Frauen, die Geschichte schrieben.

„Frauen kommen heute noch zu kurz“, findet Maack. Doch das war eigentlich gar nicht Ausgangspunkt seiner Vortragsreihe. Bei der Recherche nach historischen Persönlichkeiten stieß er immer mal wieder auf Frauen und die weckten schließlich sein besonderes Interesse. Denn obwohl Männer über Jahrhunderte die Geschichtsschreibung dominierten, gab es hier und da einzelne Damen, die sich auf beeindruckende Weise hervortaten. Über sie ist oft wenig bekannt, umso spannender erschien es dem Journalisten, ihren Lebenswegen nachzuspüren.

Bei seinem ersten Vortragsabend wird er sich am 22. April mit Hildegard von Bingen befassen. „Sie war eine Universalgelehrte“, erzählt er. Noch heute gelte sie als erste Vertreterin der deutschen Mystik. Von Bingen (1098-1179) war Äbtissin eines Benediktinerordens, befasste sich jedoch mit weit mehr als nur Religion. Ethik, Medizin, Musik und Kosmologie übten auf sie eine ebenso große Faszination aus. Einige Schriften, die von ihr überliefert sind, schildern Krankheiten und deren Behandlung. Auch sie hatte vermutlich mit einer Erkrankung zu kämpfen, sagt Maack. Denn hinter ihren Visionen steckten nach heutige Erkenntnis schwere Migräneanfälle. Sie sprach von Lichterscheinungen und ließ sich davon zeitlebens zunehmend verunsichern.

Rund 300 Jahre nach Hildegard von Bingen kam jene Frau zur Welt, um die es am 24. Juni gehen wird. Katharina von Bora (1499-1552) war zunächst ebenfalls Nonne, floh jedoch mit einigen Gleichgesinnten aus dem Kloster, als Martin Luther seine 95 Thesen veröffentlichte. Mehr noch: Sie lernte den Reformator sogar persönlich kennen und heiratete ihn schließlich. „Luther hätte ohne sie längst nicht so viel erreicht“, ist Maack überzeugt. Von Bora bewirtschaftete Haus und Hof, war Geschäftsfrau und stärkte ihrem Mann auch sonst in vielerlei Hinsicht den Rücken. „Obwohl sie eine Frau war, nahm sie an Luthers berühmten Tischgesprächen teil.“ Heute würde man sie wohl als Emanze bezeichnen, mutmaßt Maack.

Die Dritte im Bunde ist Herzogin Dorothea (1546-1617). Über sie wird Maack am 28. Oktober sprechen. In Winsen (Luhe) sei sie bis heute fast jedem Kind bekannt, denn dort herrschte sie jahrelang. Zunächst war sie Prinzessin von Dänemark, ehe sie Wilhelm den Jüngeren ehelichte und so Herzogin von Braunschweig-Lühneburg wurde. Als ihr Gatte starb, regierte sie aus dem Winsener Schloss. Sie war streng sowie energisch und ging entsprechend hart gegen ihre Widersacher vor. „Als Gerichtsherrin verantwortete sie überdies zahlreiche Hexenprozesse“, gibt Maack Einblick in ihr Leben. Bei den Verbrennungen der Frauen war Dorothea persönlich anwesend und schaute zu. Doch die Adlige hatte auch ihre guten Seiten. So beschenkte sie Winsener Kinder mit Spielzeug, verteilte Spenden und förderte Handwerk sowie Gewerbe. Ihr Schloss steht noch und ist heute das Wahrzeichen der Stadt.

Zum Abschluss des Jahres kommt Maack dann noch einmal ohne weibliche Begleitung in die Allerstadt. Stattdessen bringt er am 9. Dezember ein weihnachtliches Programm mit in das Domherrenhaus. Unter dem Titel „Besinnlich is' nich'“ erzählt er humorvolle und schräge Weihnachtsgeschichten.

Karten für die einzelnen Veranstaltungen sind gegen zwölf Euro im Domherrenhaus erhältlich. Wer gleich drei oder mehr Termine besucht, zahlt zwei Euro weniger. Die Vorträge beginnen jeweils um 18.30 Uhr.

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