Haltepunkt für den „Erixx Heidesprinter“

Grünes Licht für neuen Bahnhof in Kirchlinteln

Der „Heidesprinter“ wird auf seinem Weg zwischen Bremen und Soltau in einigen Jahren wahrscheinlich auch in Kirchlinteln halten. Die Gemeinde hat nun die Planungen für einen neuen Bahnhof in Auftrag gegeben.
27.12.2019, 21:48
Lesedauer: 3 Min
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Grünes Licht für neuen Bahnhof in Kirchlinteln
Von Björn Struß
Grünes Licht für neuen Bahnhof in Kirchlinteln

Auf seinem Weg von Bremen nach Soltau rauscht der "Heidesprinter" derzeit noch an Kirchlinteln vorbei. In Zukunft soll er auch dort Fahrgäste einsammeln.

Hollemann/ DPA

Kurz vor dem Jahreswechsel ist Kirchlinteln einem eigenen Bahnhalt einen entscheidenden Schritt näher gekommen. „Ich habe ein Ingenieursbüro in Hannover mit den Planungen beauftragt“, teilte Bürgermeister Wolfgang Rodewald (parteilos) wenige Tage vor Weihnachten mit. Bereits auf der Gemeinderatssitzung hatte er berichtet, dass neben der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) auch die Deutsche Bahn (DB) dem Vorhaben ihren Segen gegeben habe. Nun gab auch die Rechnungsprüfung des Landkreises ihr „Okay“. Alle Entscheidungsträger haben damit grünes Licht gegeben. Nun stellt sich nicht mehr die Frage, ob Kirchlinteln einen Bahnhalt bekommt, sondern: wann?

„Die Zeitschiene ist bei den Planungen ein wichtiger erster Schritt“, erklärt Rodewald. Bis zum Ende des ersten Quartals 2020 sollen die Ingenieure über den zeitlichen Ablauf Auskunft geben können. „Vielleicht kann schon Ende 2021 mit dem Bau begonnen werden. Realistisch ist aber das Jahr 2022“, sagt Rodewald. Bis also die erste Bahn in Kirchlinteln Halt macht, werden noch einige Jahre vergehen.

Den alten Bahnhof in Kirchlinteln machte die Deutsche Bahn schon vor über 30 Jahren dicht. Als im Jahr 2000 dann aber in der Nachbargemeinde Dörverden der Bahnhalt reaktiviert wurde, weckte dies auch in Kirchlinteln Hoffnungen, bald wieder zu einem Teil des Bahnnetzes zu werden. Dass seitdem so viele Jahre verstrichen sind, liegt auch daran, dass die Gemeinde nicht im Besitz eines passenden Grundstücks war.

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An der Kreepener Straße konnte Kirchlinteln aber inzwischen ein passendes Stückchen Erde kaufen. Es liegt auf der südlichen Seite der Gleise, die dem Ort zugewandt ist. So müssen die Fahrgäste nicht erst die Gleise überqueren, um den Zug zu erreichen. Aktuell ist der Streckenverlauf in diesem Abschnitt eingleisig. Ein mögliches zweites Gleis müsste laut Rodewald zwingend auf der nördlichen Seite verlegt werden. „Es wäre fatal, wenn dort der Bahnhof stehen würde. Deshalb muss er zwingend auf der südlichen Seite entstehen“, betont der Bürgermeister.

Viel Geld für passendes Grundstück

Für den Kauf des passenden Grundstückes hat Kirchlinteln tief in die Gemeindekasse gegriffen. Denn Fördermittel des Landes gibt es laut Rodewald nur in einer Höhe, die sich an einer unabhängigen Grundstücksbewertung orientiert. Mit dieser Summe gab sich der Eigentümer aber nicht zufrieden. Den Kaufpreis möchte Rodewald nicht nennen, aber es seien über 100 000 Euro aus Mitteln der Gemeinde nötig gewesen. Die bestmögliche Lösung ist es trotzdem nicht. „Wir hätten gerne noch eine anliegende Wiese gekauft, um dort eine Fläche für Park und Ride zu schaffen“, berichtet Rodewald. Hier seien die Eigentümer aber nicht zum Verkauf bereit gewesen.

Niedersachsen beteiligt sich

Die übrigen Kosten sind für die Gemeinde überschaubar. Bisher mussten sich Kommunen noch mit einem Anteil von 25 Prozent an den Baukosten der Bahnhöfe beteiligen, den Rest zahlte das Bundesland. Eine Gesetzesänderung hat aber dazu geführt, dass nun 25 Prozent die Deutsche Bahn zahlen muss. Der übrige Anteil verteilt sich wiederum zu 75 Prozent auf das Bundesland und zu 25 Prozent auf die LNVG. Somit muss Kirchlinteln für den Bahnhof kein weiteres Geld verplanen. Anders sieht es aber mit der Infrastruktur rund um den eigentlichen Bahnhalt aus. Die Kosten für Parkplätze, eine Fahrradbox und eine Bushaltestelle beziffert Rodewald mit rund 300.000 Euro. „Bis zu 75 Prozent zahlt davon das Land Niedersachsen. Und bei dem übrigen Betrag hoffe ich, dass sich auch der Landkreis beteiligen wird“, rechnet der Bürgermeister vor.

Eine wichtige Weichenstellung in Richtung Bahnhalt Kirchlinteln vollzog in diesem Jahr die LNVG. Im ganzen Bundesland prüfte sie 40 Standorte, die sich um eine Reaktivierung des Bahnhaltes bemühen. Zwei Kriterien waren etwa, dass das Einwohnerpotenzial im Radius von 1,5 Kilometern bei mindestens 2000 Menschen liegt und die Entfernung zum nächsten Halt mehr als 3 Kilometer beträgt. Kirchlinteln gehört zu einem der zehn Standorte, für die laut LNVG eine Reaktivierung Sinn macht. „Insgesamt investiert die LNVG in die zehn Stationen rund 20 Millionen Euro“, teilt Geschäftsführerin Carmen Schwabl mit.

Zwischen Bremen und Soltau pendelt aktuell der „Erixx Heidesprinter“, der künftig auch in Kirchlinteln Halt machen soll. Wer nach Verden fahren möchte, muss in Achim oder Langwedel umsteigen, denn eine direkte Verbindung gibt es nicht. Der Heidesprinter macht derzeit alle zwei Stunden an den Bahnhöfen Halt. Doch daran könnte sich in Zukunft etwas ändern, wie Schwabl andeutet: „Soweit die Infrastruktur der Strecken und in den Knoten dies zulassen, beabsichtigt die LNVG mittelfristig Taktverdichtungen.“

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