SOVD Armsen

Hilfe seit einem Jahrhundert

Die Ortsgruppe Armsen des SOVD feiert in dieser Woche Jubiläum. Das 100-jährige Bestehen wird mit geladenen Gästen und einer Festschrift gefeiert.
25.10.2019, 11:18
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Von Marie Lührs
Hilfe seit einem Jahrhundert

Friedel Koch ist seit 1996 Vorsitzender des Ortsverbands Armsen und freut sich, das 100-jährige Bestehen zu feiern.

Björn Hake

Unzählige Tote, Kriegsversehrte und Kriegerwitwen hatte das Deutsche Reich nach dem Ersten Weltkrieg zu beklagen. Das Leid war weit verbreitet und für viele Betroffene war kaum Hilfe in Sicht. Ein Kreis von 32 Menschen, die dem Elend etwas entgegensetzen wollten, gründete daraufhin im Mai 1917 den „Reichsbund der Kriegs- und Zivilbeschädigen, Sozialrentner und Hinterbliebenen“ in Berlin. Unter den Versammelten war auch ein Mann aus Armsen und der brachte die Idee wenig später in seine Heimat. Dort kann die Ortsgruppe des Sozialverbands Deutschland (SOVD), so heißt der Reichsbund heute, inzwischen auf eine 100-jährige Geschichte zurückblicken.

„Auch in Armsen hatte der Krieg viele Opfer gefordert“, erzählt der heutige Vorsitzende Friedel Koch aus der Gründungszeit seines Ortsvereins. Etwa 22 Armsener haben sich damals zusammengetan und damit den ersten Ortsverein im Landkreis Verden gegründet. Nimmt man es ganz genau, besteht der SOVD in Armsen allerdings noch keine 100 Jahre. Denn mit der Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler und durch die rigide Umsetzung einer Reihe von Verordnungen wurde die unabhängige und selbstständige Interessenvertretung der Kriegsopfer 1933 zwangsaufgelöst. Erst 1947 – also nach dem Zweiten Weltkrieg – war die Neugründung möglich. „Da gab es natürlich noch mehr Leid zu beklagen“, sagt Koch, denn das erneute Kriegstreiben habe auch im Landkreis Verden tiefe Spuren hinterlassen.

15 Kriegsbeschädigte, zwei Hinterbliebene und ein Zivilgeschädigter waren die ersten Mitglieder der wieder gegründeten Ortsgruppe. Inzwischen kann sich Koch über rund 300 Mitstreiter freuen. Ein großes Problem unter dem gerade in ländlichen Regionen viele Vereine leiden, kennt der SOVD in Armsen nur bedingt. Denn bei ihm ist der Nachwuchs nicht rar. „Jüngere treten allerdings meist erst ein, wenn sie ein Problem haben“, erklärt Koch. „Aber natürlich ist der Personenkreis im Durchschnitt eher älter.“

Im Laufe der Jahrzehnte musste der Sozialverband sich dem Zeitgeschehen anpassen. Und so ist der Verband inzwischen nicht mehr nur Anlaufstelle für Kriegsversehrte und Hinterbliebene. Er ist für all jene da, die Fragen zu den Themen Rente, Arbeitslosengeld, Pflege und Krankenversicherung haben. Außerdem hilft der Verband unter anderem, wenn es um Sozialhilfe, Behinderungen, Berufskrankheiten oder staatliche Entschädigungsleistungen geht.

„Die meiste Arbeit macht das Schwerbehindertenrecht aus“, sagt Friedel Koch. Allgemein spielen Fragen zu Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch eine große Rolle. „Das ist alles kompliziertes Recht“, begründet er, warum viele Menschen gerne die Hilfe des SOVD in Anspruch nehmen. Der klärt nicht nur allgemeine Fragen und nimmt Anträge entgegen, sondern bietet auch Unterstützung, wenn gegen einen Bescheid Widerspruch eingelegt oder sogar eine Klage angestrebt wird.

Koch ist bereits seit 1996 Vorsitzender des SOVD Armsen. Gerade einmal zwei Jahre zuvor war er dem Ortsverein beigetreten. „Ich bin wegen meiner Frau hergezogen“, erklärt er. In seinem kleinen Büro haben sich seither viele Unterlagen angesammelt. Im Ort ist er ein beliebter Ansprechpartner, wenn es um Probleme geht. Bei tiefer gehenden Fragen verweist er jedoch gerne an das Verdener Beratungszentrum des SOVD am Holzmarkt 15.

Wenn er 25 Jahre als Vorsitzender geschafft habe, werde er sich aus dem Amt zurückziehen, kündigt er an. Dann ist es „an den Jüngeren“ die Geschicke der Ortsgruppe weiterzuführen. Bis dahin bleibt er dem Posten allerdings noch treu. Länger als er stand nur Gründungsvater Heinrich Luhmann der Gruppe vor – er hatte den Posten bis zur Auflösung und nach der Neugründung für insgesamt 27 Jahre inne. Bevor Friedel Koch jedoch seinen Abschied feiert, wird an diesem Freitag, 25. Oktober, das 100-jährige Bestehen gefeiert. In ausgewählter Runde – überwiegend sind es geladene Gäste – blickt der Ortsverband dann im Gasthaus zum Drommelbeck auf seine Geschichte zurück. Über Koch ist dann auch eine Festschrift erhältlich, die die Geschichte des SOVD Armsen zusammenfasst.

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