Trockenheit Feuchtgebiete nehmen ab

Vor allem die fehlenden Niederschläge im Frühjahr machen Flächen wie dem Holtumer Moor zu schaffen. Dadurch werden Feuchtwiesen immer seltener.
01.09.2020, 09:58
Lesedauer: 3 Min
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Feuchtgebiete nehmen ab
Von Andreas Becker

Das Gras auf dem Weg zu den Teichen im Holtumer Moor ist nass. Die Mitglieder des Verdener Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) haben Heimvorteil und Gummistiefel dabei, die anderen holen sich nasse Hosenbeine. Trotz der Regenfälle der vergangenen Wochen ist die zunehmende Trockenheit auch im Holtumer Moor ein großes Thema. „Das ganze Gebiet ist durch Gräben durchzogen, die seit April trocken sind. Das ist schon das vierte oder fünfte Jahr in Folge so“, sagt Hans-Jürgen Maaß, der sich in der Arbeitsgruppe Holtumer Moor engagiert.

Fast täglich unterwegs

Sein Mitstreiter Franz Berger ist nach eigenen Angaben fast täglich in den Gebiet unterwegs, das der Nabu als Naturschutzprojekt betreut. Etwa 15 Mitglieder der Organisation gehören der Arbeitsgruppe an und entfernen Stacheldraht, pflegen die Tümpel und beseitigen eingeschleppte fremde Pflanzen, die ansonsten die heimische Flora verdrängen würden. „Auf unseren Flächen haben wir einige Tümpel, von denen die meisten komplett trockengefallen sind“, hat Berger beobachtet. Auch ein Bachlauf, der sonst immer Wasser geführt habe, sei mittlerweile trocken. Ziel des Marsches über die Wiese ist ein größerer Tümpel, dessen Wasserstand in diesem Jahr immerhin noch knapp kniehoch ist.

„In früheren Jahren war der Wasserstand deutlich höher“, sagt Heike Vullmer, die als Biologin die Auswirkungen der Trockenheit auf die Tier- und Pflanzenwelt beurteilen kann. „Wenn die Tümpel im Sommer austrocknen würden, wäre das für die Amphibien nicht so schlimm. Aber sie sind vielfach schon im Frühjahr trocken, weil es einfach zu wenig regnet. Das hat fatale Folgen, weil dadurch die Fortpflanzung nicht mehr möglich ist“, erklärt sie. Heike Vullmer sieht die Ursachen der zunehmenden Trockenheit vor allem bei den klimatischen Veränderungen, also zunehmende Hitze bei längeren regenarmen Perioden. Die Auswirkungen der Trinkwassergewinnung in Verden hält sie für vergleichsweise gering. „Wir gehen davon aus, dass sich das Grundwasser dadurch im Holtumer Moor um etwa zehn bis 15 Zentimeter abgesenkt hat“, so die Biologin.

Das Holtumer Moor sei immer ein Feuchtgebiet gewesen, das gelte aber mittlerweile aber nur noch für einen kleinen Teil. „Es gibt nur noch ein Restmoor, der Rest ist abgebaut“, weiß Franz Berger. Der Ursprung des Holtumer Moors liegt wie bei den meisten anderen sogenannten Niedermooren in der Eiszeit. „Damals muss hier ein großer See gewesen sein. Als das Wasser zurückging, entstand durch Verlandungsprozesse das Moor“, erklärt Heike Vullmer. Der Großteil der Fläche sei nach dem Ersten Weltkrieg abgetorft worden. Auch heute noch seien Moorböden in dem Gebiet verbreitet, allerdings kein Feuchtmoor im eigentlichen Sinne, sagt Vullmer und nimmt eine Handvoll Erde vom Boden. „Das ist kein Sand, sondern Torf“.

Der Verdener Nabu hat im Laufe der Jahre seinen Flächenbesitz im Holtumer Moor ausgeweitet. Bereits 1979 erwarb die Naturschutz-Organisation ihr erstes Schutzgebiet, das 1838 Quadratmeter groß war. Daraus sind inzwischen 47 Hektar geworden. Dazu kommen private Flächen und Grundstücke im Eigentum des Landkreises und des Landes, die unter Aspekten des Naturschutzes betreut werden. „Das ist aber nur ein relativ kleiner Teil, weil das gesamte Gelände viel größer ist, etwa sechs Quadratkilometer“, sagt Franz Berger. Früher seien die Flächen fast alle beweidet worden. „Weil viele Tiere nicht mehr draußen gehalten werden, hat sich die Landschaft verändert“, erzählt Heike Vullmer. Um die bestehende Kulturlandschaft zu erhalten, werden die Nabu-Flächen einmal jährlich gemäht, die bestehenden Gebüschstreifen zwischen den Parzellen dienen Vögeln und anderen Tieren als „Restbiotope“.

In der Größe beschränkt

„Ein Problem ist, dass die Naturschutzflächen nicht miteinander verbunden sind, und die Flächen dazwischen landwirtschaftlich genutzt werden“, sagt Vullmer. Dadurch seien die Biotope in ihrer Größe beschränkt. „Obwohl unser Grünland so selten gemäht wird, siedeln sich Wiesenbrüter wie Kibitze nicht an, weil die Fläche für sie einfach zu klein ist“, beschreibt Berger die Schwierigkeit. Diese Aufteilung in kleine Einheiten sei historisch bedingt, da das Gebiet früher auf viele Kleinbauern aufgeteilt war, die dort ihr Vieh beweideten. Die einzige Möglichkeit, um größere Einheiten herzustellen, sei – neben dem Erwerb – der Tausch von Flächen. Hier setzt der Nabu Hoffnungen auf das geplante Flurbereinigungsverfahren, das 2022 beginnen soll. Ob das für eine Verbesserung der Situation sorge, sei aber völlig offen, da die zuständige Behörde verschiedene Interessen abwägen und in Einklang bringen müsse.

Einen offiziellen Status als Schutzgebiet hat das Holtumer Moor nicht, und den strebt der Nabu auch nicht an. „Das ist nicht Sinn und Zweck, weil wir hier eine Kulturlandschaft haben, die durch extensive Bewirtschaftung entstanden ist“, betont Heike Vullmer. Diese gelte es zu erhalten.

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