Holtumer Mühle

Die Flügel sollen sich wieder drehen

Bereits 2022 soll die Holtumer Mühle am Deutschen Mühlentag viele Besucher erfreuen. Bis dahin haben die neuen Besitzer allerdings noch viel zu tun. Allein die Außensanierung kostet 300 000 Euro.
06.11.2020, 10:07
Lesedauer: 3 Min
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Von Andrea Kreutzer
Die Flügel sollen sich wieder drehen

Wünschen sich, dass sich die Mühlenflügel bald wieder drehen: Stephan Janke (v. r.), Anton und Claudia Wilbuer.

Björn Hake

Sich eine Mühle zu kaufen ist sicherlich nichts Alltägliches. Sich allerdings eine Mühle zu kaufen, die dringend restauriert werden muss, ist vermutlich noch ungewöhnlicher. Doch Claudia Wilbuer und Stephan Janke haben genau das getan, kümmern sich nun um die Restaurierung und parallel dazu um den Ausbau ihres direkt an die Mühle angrenzenden Wohnhauses, in das sie gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn Anton einziehen werden.

Bereits seit 1864 gehört die zweistöckige Galerie-Holländer-Mühle zum Ortsbild von Holtum Geest dazu. Vier Generationen lang befand sie sich im Besitz der Familie des Müllermeisters Heinrich Norden, musste, ursprünglich von der Galerie aufwärts aus Holz errichtet, nach einem Brand 1908 komplett neu aufgebaut werden. Betrieben wurde sie bis 1984 – zum Schluss nur noch, um grobes Schrot für Pferdefutter zu mahlen. „Da Lisanne Norden und ihr Mann Henner Schulz-Karstens jedoch inzwischen in Hamburg leben, suchten sie nach einem Käufer, der sich um die Instandsetzung kümmern und die Mühle im Anschluss nicht nur für kommerzielle Zwecke nutzen, sondern sie um ihrer selbst Willen erhalten will“, erzählt Janke.

Der Kaufentschluss sei relativ spontan gewesen. Nachdem sie von ihrem Wohnhaus aus jahrelang auf das imposante Baudenkmal geblickt hatten, berieten sie sich mit Eltern und Schwiegereltern, woraufhin die Entscheidung zugunsten dieses „Projekts für ein ganzes Leben“ fiel. Besonders der Vater von Claudia Wilbuer sei hierbei eine treibende Kraft gewesen und habe diese einmalige Chance nutzen wollen.

300 000 Euro wird die Außensanierung in etwa kosten, 200 000 Euro davon kommen von ihnen, 80 000 Euro aus Zuschüssen vom Strukturfonds der Europäischen Union und jeweils 10 000 Euro vom Land Niedersachsen und der Gemeinde Kirchlinteln. „Gerade der Kirchlintler Bürgermeister Wolfgang Rodewald hat sich sehr für unser Projekt eingesetzt“, erzählt Janke. Doch auch seitens der Dorfbewohner, der direkten Nachbarn und natürlich ihrer beider Familien habe es viel positives Feedback und Unterstützung gegeben, betont Wilbuer.

Die alte Galerie ist mittlerweile demontiert und im August dieses Jahres ist die Kappe mithilfe eines Krans herunter gehoben worden. „Nun werden die Kappe und der dazugehörige Rollenkranz, der dafür verantwortlich ist, dass sich die Kappe überhaupt drehen kann, restauriert. In der Zwischenzeit muss die Außenfassade gemacht und die Galerie wieder aufgebaut werden“, erzählen die beiden. Und das alles müsse im Einklang mit dem Denkmalschutz geschehen. Statt der alten Schieferschindeln werde die Außenfassade nun mit Holzschindeln verkleidet, ebenso die Mühlenkappe, um ein einheitliches Gesamtbild zu erzeugen.

„Und dann sind da noch die Flügel, das Herzstück einer jeden Mühle“, sagt Janke. Die Flügel ihrer Mühle seien 2015 einem Sturm zum Opfer gefallen. Für den Herbst kommenden Jahres sei die Montage der neuen terminiert, doch noch sei völlig unklar, ob sie ihren Wunsch verwirklichen können, die ehemals hölzernen Flügel durch stählerne zu ersetzen. „In der Angelegenheit befinden wir uns noch in einer juristischen Auseinandersetzung mit dem Amt für Denkmalschutz in Verden“, erklärt das Paar. Für Stahlflügel spreche aus ihrer Sicht die längere Haltbarkeit und der Wunsch, die Mühle in regelmäßigen Abständen zu betreiben. Seien die Flügel nicht ständig in Bewegung, könne leicht Feuchtigkeit eindringen und das Material marode werden. „Da wir nur wenige Meter entfernt wohnen werden, ist das auch ein Sicherheitsaspekt für uns“, erläutert Wilbuer ihre Bedenken.

Da die Holtumer Mühle Teil der Niedersächsischen Mühlenstraße ist, erwarte man in Zukunft einige interessierte Besucher. „Die Führungen wollen wir selbst übernehmen. Anvisiert ist die Teilnahme am Deutschen Mühlentag für 2022“, kündigt Janke an. Bislang lediglich eine Idee sei ein Café, das es vielleicht einmal geben könnte. Das würde das Paar aber in fremde Hände geben wollen. „Eventuell findet sich jemand, der im Frühjahr und Sommer Lust dazu hat, Holtum um ein allseits erwünschtes Café zu bereichern. Aber nun sind erst einmal andere Aufgaben zu bewältigen.“

Bis Ende nächsten Jahres soll das Äußere der Mühle wiederhergestellt sein. Danach müsse das Innere so ausgebaut werden, dass dort nicht nur ein Trauzimmer eingerichtet werden kann, sondern auch die Voraussetzungen für eine Kunstausstellung geschaffen werden können. „Platz gibt es insgesamt genug, über dem Erdgeschoss befinden sich noch vier weitere Böden.“ Wohin das Trauzimmer kommen werde, stehe bereits fest: auf den dritten Boden, auf dem sich auch die Mahlsteine befinden und von dem aus man hinaus auf die Galerie kommt. „Der richtige Ort, um zu heiraten.“

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