Berufsorientierungsbörse Klappern gehört zum Handwerk

Rund 50 Aussteller wollen bei der Berufsorientierungsbörse in Kirchlinteln geeigneten Nachwuchs akquirieren. In Zeiten des Fachkräftemangels gehört Klappern eben zum Handwerk.
24.01.2023, 15:24
Lesedauer: 3 Min
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Klappern gehört zum Handwerk
Von Jörn Dirk Zweibrock

Aktenberge türmen sich auf dem Schreibtisch von Helmut Rothermel aus Brunsbrock. Seit fünf Monaten bereitet der langjährige Vorsitzende des Vereins Emforce – Schule trifft Wirtschaft – nun schon die  Berufsorientierungsbörse, kurz Bom, an der Oberschule am Lindhoop in Kirchlinteln vor. Ehrenamtlich wohlgemerkt. Doch Rothermel macht es gern. Genau das – dieses Brennen für eine Sache – sei seiner Ansicht nach auch das Erfolgsrezept bei der Berufswahl, ist der Organisator der Bom überzeugt.

Rund 50 Aussteller – darunter auch viele neue – aus der Heidegemeinde Kirchlinteln, dem Landkreis Verden und den umliegenden Gemeinden konnte er wieder für die Börse am Schulzentrum gewinnen. Die Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 8 bis 10 haben am Donnerstag, 16. Februar, also die Gelegenheit, in 85 verschiedene Berufsfelder hineinzuschnuppern – vom Bäcker über den Gesundheitstrainer, Fachangestellten für Bäderbetriebe, Heizungsbauer und Mechatroniker bis zum Straßenwärter. Solch eine Bandbreite an anerkannten Ausbildungsberufen für Absolventen mit Haupt- oder Realschulabschluss bietet sich den Jugendlichen sonst nur auf der Ausbildungsplatzbörse an den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Dauelsen.

Bundeswehr kommt mit Truck

Stichwort anerkannter Ausbildungsberuf: "Neulich sagte mir ein Schüler, dass er Makler werden wolle", erinnert sich Rothermel, "da habe ich ihm erklärt, dass Makler kein anerkannter Ausbildungsberuf ist und er stattdessen lieber eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann machen soll."

Neben dem heimischen Handwerk und Handel sind unter anderem auch die Aller-Weser-Klinik, die Arbeitsagentur, das Finanzamt und die heimischen Banken auf der Bom vertreten. Auch die öffentliche Verwaltung in Form von Gemeinde und Landkreis sind mit einem Messestand dabei, ebenso Versorger wie der Trinkwasserverband oder die Stadtwerke. Die Bundeswehr steht mit einem 15 Meter langen Truck auf dem Schulgelände und informiert über Karrieremöglichkeiten bei der Truppe. Ein Garten- und Landschaftsbauer rollt sogar eigens mit einem Bagger zur Bom an. 

Schirmherr der Berufsorientierungsbörse ist in diesem Jahr übrigens Kirchlintelns Bürgermeister Arne Jacobs. Bevor er am 16. Februar die Börse gegen 8.30 Uhr offiziell eröffnet, gibt es am Vorabend, 15. Februar, einen Vortrag. Rothermel freut sich, dass es Emforce gelungen ist, dafür den Hamburger Glückscoach Sven Bauer zu verpflichten. Das Thema seines Vortrages lautet "Nimm Dein Glück selbst in die Hand". Die Lernenden und ihre Angehörigen erfahren also von ihm, wie sie ihr berufliches, aber natürlich auch privates Glück finden. "Bauers Vorträge sind nicht nur unterhaltsam und lebendig, sondern auch wissenschaftlich fundiert", erläutert Rothermel und weist noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass alle Kirchlintler und Nicht-Kirchlintler, ob mit oder ohne schulpflichtige Kinder, dazu eingeladen sind. Die Teilnahme ist kostenlos. 

Eltern als "Berater"

Für ihn sei es ein großes Glück gewesen, beim Neujahrsempfang im Lintler Krug für sein ehrenamtliches Engagement geehrt worden zu sein, verrät der Organisator der Bom. Der Umgang mit jungen Menschen halte ihn fit, sie wiederum könnten von seiner Lebens- und Berufserfahrung profitieren – also eine Win-win-Situation für beide Seiten. "Jogginghose und Kapuzenpulli sind beim Bewerbungsgespräch ein No Go" – diese und andere Inhalte vermittele er immer wieder an seine Schützlinge.

Im Laufe der Jahre hat Rothermel schon so manchen Praktikums- und Ausbildungsplatz vermittelt und unzähligen Schülern als Wirtschaftspate beim Bewerbungsschreiben geholfen. Für das anstehende Schülerpraktikum im März hat er gerade zwei ukrainischen Schülern Praktikumsplätze besorgt. "Der Junge absolviert eines bei unserer heimischen Landtagsabgeordneten Dörte Liebetruth in Verden und Hannover, das Mädchen schaut sich die Arbeit in einem Friseursalon an", erzählt der Brunsbrocker.

Persönlicher Kontakt

Turnusgemäß findet die Messe alle zwei Jahre in Kirchlinteln statt. "Vergangenes Jahr hatten mein Team und ich schon alles organisiert, dann hat uns Corona mal wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht", bedauert der Emforce-Vorsitzende. Der persönliche Kontakt zu den potenziellen Arbeitgebern sei bei der Berufsorientierung nun einmal das A und O. "Viele Schüler trauen sich nicht, vor der Kamera etwas zu sagen und zu fragen", weiß Rothermel um die Grenzen einer rein digitalen Berufsbörse. Dass in Zeiten des Fachkräftemangels für die Unternehmen Klappern zum Handwerk gehöre, habe sich inzwischen herumgesprochen.

"Emforce als Veranstalter hofft, dass sich auch möglichst viele Eltern für die Bom interessieren, da gerade sie als Berater ihrer Kinder fungieren sollten", erläutert Rothermel. "Ich sage immer, wenn man seinen Beruf nicht mit Leidenschaft ausübt, wirklich dafür brennt, macht man im Endeffekt auch nur halbe Sachen", betont der Ruheständler, der früher nahezu jeden Frankfurter Wolkenkratzer mit Büromöbeln ausgestattet hat.

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