Bürgermeisterwahl

Er geht seinen ganz eigenen Weg

Frank-Peter Seemann tritt nicht für die Grünen, sondern als Einzelbewerber an. Er will Gutes bewahren und darauf aufbauen.
23.07.2021, 17:26
Lesedauer: 3 Min
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Er geht seinen ganz eigenen Weg
Von Jörn Dirk Zweibrock
Er geht seinen ganz eigenen Weg

Fährt mit dem Rad seinen alten Schulweg ab. Vor 54 Jahren wurde Frank-Peter Seemann aus Weitzmühlen in Kirchlinteln eingeschult.

Björn Hake

Frank-Peter Seemann (60) polarisiert. Das weiß er auch. Niemand hat in der vergangenen Ratsperiode so viele Anträge eingebracht wie er und niemand hat sich so offensiv mit der Verwaltung angelegt wie er. Obwohl er sich bei der Kirchlintler Bürgermeisterwahl am 12. September selbst nur "Außenseiterchancen" ausrechnet, wirft er dennoch seinen Hut in den Ring, wetteifert mit Arne Jacobs (CDU) und der von SPD und Grünen unterstützten Sabine Mandel um den Chefposten im Rathaus. Seemann tritt als Einzelbewerber an, genießt aber nach eigener Aussage auch Unterstützung von der Öko-Partei. Weil er sich auch um ein Mandat für den Kirchlintler Gemeinderat bewirbt, musste er in den vergangenen Wochen insgesamt 56 Unterstützungsunterschriften sammeln. Seine Mappe hat er bereits beim stellvertretenden Wahlleiter im Rathaus abgegeben.

Der Volljurist – Jura-Studium in Hamburg – und Diplom-Verwaltungswirt (FH) ist seit über vier Jahrzehnten als Polizeibeamter tätig, hat somit also jede Menge Führungserfahrung im öffentlichen Dienst und in der Verwaltung gesammelt. "Ich bin zweisprachig aufgewachsen", erzählt der Mann aus Weitzmühlen. Sowohl im Elternhaus als auch in seiner unmittelbaren Luttumer Nachbarschaft sei Plattdeutsch gesprochen worden. "Das bietet nicht nur Vorteile auf dem Kerklintler Rövmarkt, wenn er denn hoffentlich zukünftig wieder stattfindet, sondern auch in anderen Lebenssituationen", ist er überzeugt. Sein Abi hat er am Gymnasium am Wall in Verden gebaut.

"Ich war viele Jahre lang als Fachhochschuldozent für Rechtsfächer in Oldenburg tätig", erzählt Seemann. Seit 2007 lehrt er an der Polizeiakademie in Nienburg, aktuell ist er dort im Bereich Wissensmanagement eingesetzt. Mit seiner Frau Elke ist er mittlerweile seit über 30 Jahren verheiratet, die beiden Söhne studieren. "Meine Mutter Hilde ist mit ihren 91 Jahren inzwischen die älteste Einwohnerin von Weitzmühlen", erzählt der Sohn. Zur Familie gehören außerdem Pferde, Hunde und Katzen.

Seit einer Dekade sitzt Frank-Peter Seemann nun schon für die Grünen im Kreistag. Im Kirchlintler Gemeinderat ist er Fraktionsvorsitzender. Auf der Kreistagsliste tritt er auch weiterhin für die Grünen an. "Sowohl für das Bürgermeisteramt als auch für den Gemeinderat trete ich konsequenterweise jeweils als Einzelbewerber an, weil der Bürgermeister als Hauptverwaltungsbeamter den Bürgern zu dienen hat und nicht einer Partei. Er ist also verpflichtet, unparteiisch zu sein. Als Bewerber werde ich mich daher schon im Vorfeld so verhalten, wie ich mich als Amtsinhaber verhalten muss", erklärt der 60-Jährige.

Als Bürgermeister wolle er Gutes bewahren und darauf aufbauen. Seemann setzt sich für eine verlässliche Kinderbetreuung und eine Verbesserung im Bereich Bildung und Jugend ein. Des Weiteren hat er sich die Aufrechterhaltung der Gesundheitsvorsorge, die Stärkung des Wirtschaftstandortes Kirchlinteln sowie eine moderate Wohnraumentwicklung auf die Fahnen geschrieben. "Mir geht es insbesondere darum, frühzeitig in Ortsversammlungen über raumbedeutsame Angelegenheiten, beispielsweise die Planung von Baugebieten und Windenergievorhaben zu informieren", erläutert er. Ihm sei es wichtig, rechtzeitig das Stimmungsbild aus der Bevölkerung zu berücksichtigen und sozialverträgliche Entscheidungen zu treffen. Die Förderung der Kultur- und Freizeitmöglichkeiten sowie des sanften Tourismus stehen ebenfalls auf seiner Agenda.

Seemann, der im Gemeinderat oftmals allein auf weiter Flur stand, wertet beispielsweise die Reaktivierung des Bahnhaltepunktes Kirchlinteln oder den Erhalt des Buchenwäldchens als einen großen politischen Erfolg.

Nein, er sei nicht für alle Gemeindebediensteten ein rotes Tuch, es gebe durchaus Unterstützer in der Verwaltung, ist der 60-Jährige überzeugt. Dass er in den vergangenen Jahren im Gemeinderat so angriffslustig aufgetreten sei, liege an den dortigen Mehrheitsverhältnissen. Im Kreistag habe er wesentlich zurückhaltender agiert, sagt er mit einem verschmitzten Lächeln.

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