Obelisk für die Reichswehr

Lindhoop-Denkmal soll saniert werden

Zwischen Verden und Kirchlinteln erinnert ein steinernes Schwert an Soldaten, die im Ersten Weltkrieg starben. Das Denkmal bröckelt und ist in einem baufälligen Zustand.
28.02.2020, 17:52
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Lindhoop-Denkmal soll saniert werden
Von Björn Struß
Lindhoop-Denkmal soll saniert werden

Christoph Cordes (links), Vorsitzender des Fördervereins, und Revierförster Michael Müller wollen das Denkmal erhalten.

Fotos: Michael Galian

Über anderthalb Jahre liegt es schon zurück, dass aus dem Lindhoop-Denkmal Steine heraus gebrochen sind. Von der obersten Ecke des Obelisken sind die Findlinge etwa zehn Meter hinab gefallen und haben am Podest sichtbare Spuren hinterlassen. Das im Jahr 1932 errichtete Denkmal zwischen Verden und Kirchlinteln ist offenkundig in einem baufälligen Zustand. Bis heute ist die einzige erkennbare Folge ein Bauzaun, der Besucher vor weiteren Steinschlägen bewahren soll. Doch es tut sich etwas. Ein Restaurator erstellt aktuell ein Gutachten, danach könnte die Sanierung beginnen. Doch wie teuer das wird und wer am Ende zahlt, ist noch unklar.

„Die Denkmalschutzbehörde hat bereits gesagt, dass es von dieser Seite kein Geld geben wird“, sagt Revierförster Michael Müller. Er kümmert sich vornehmlich um den umliegenden Wald. Aber auch das Lindhoop-Denkmal zählt zum Besitz der Niedersächsichen Landesforsten, weshalb sich der Förster auch um den Obelisken mit dem steinernen Schwert kümmert. Die Kosten für das Gutachten, die laut Müller im vierstelligen Bereich liegen, zahlen bereits die Landesforsten. Sie werden wahrscheinlich auch den Löwenanteil der Sanierungskosten tragen. Trotzdem könnte es Unterstützung vom Landkreis geben.

Denn bei einer Begehung des Denkmals haben sich Ende Dezember gemeinsam mit dem Revierförster auch Wilhelm Hogrefe (CDU) und Gerard-Otto Dyck (SPD) vom Verdener Kreistag ein Bild von den Schäden gemacht. Dyck ist zudem Ortsbürgermeister in Verden-Scharnhorst. Das Denkmal führt die Gemeinde Kirchlinteln zwar als „Kultur- und Freizeittipp“ auf der eigenen Website, tatsächlich liegt es aber auf dem letzten Zipfel der Stadt Verden. „Der Erhalt des Denkmals steht für mich außer Frage“, betont Dyck. Die Geschichte der Denkmäler stärker in das Bewusstsein der Menschen zu rücken sei aktuell ein wichtiges Anliegen des Kreistages. Trotzdem sieht Dyck zunächst die Landesforsten in der Verantwortung.

Die Geschichte des Lindhoop-Denkmals ist mit einem Regiment der Reichswehr aus Hamburg-Altona verbunden. Um den gefallenen Kameraden des Ersten Weltkriegs zu gedenken, stellte ein Hauptmann sein Grundstück nahe Verden zur Verfügung. „Hier in Kirchlinteln bestand nun die Möglichkeit, das jährliche Regimentstreffen am Denkmal mit einen Ausflug in die Heide zu verbinden“, schreibt der Sohn des Hauptmanns, Hermann Cordes, in einem erklärenden Text auf www.kirchlinteln.de. Nach der Errichtung im Jahr 1932 vereinnahmten die Nationalsozialisten das steinerne Schwert für ihre Propaganda. Die Heide vor dem Denkmal wurde zu einem Platz für militärische Aufmärsche.

Die Familie Cordes ist mit dem Denkmal noch immer verbunden. Christoph Cordes ist der Urenkel des Hauptmanns, der einst den Bau des Obelisken in die Wege leitete. Der 28-Jährige ist der Vorsitzende eines Fördervereins, der aber zu klein ist, um die Sanierung zu stemmen. „Wir denken aktuell auch über eine Auflösung des Vereins nach“, erklärt Cordes. Die Sanierung des Denkmals ist ihm aber sehr wichtig und auch die beste Lösung. „Der Obelisk hat einen Kern aus Beton. Das kann man nicht so einfach abreißen“, betont er.

Aktuell gibt es am Denkmal wenig, was die Geschichte dieses Ortes erklärt. Das würde Wilhelm Timme gerne ändern. Auch er hat sich im Dezember mit dem Förster und den Vertretern der Kommunalpolitik das Denkmal angesehen. Timme ist Pastor in Kirchlinteln-Wittlohe, hat dort maßgeblich einen Verein für die „Zeitgeschichtliche Werkstatt“ ins Leben gerufen. Diese hat dem historischen Kapitelhaus als Ausstellungsort einen neuen Sinn gegeben. „Auf dem Lindhoop-Denkmal ist in Inschriften von ,siegreichen Schlachten‘ zu lesen. Dieser Heldentum ist heute historisch nicht mehr zu vertreten“, argumentiert Timme. Er würde das Denkmal gerne durch einen interpretierenden Text ergänzen, den Kontext besser erklären. Sein Engagement könnte später wichtig werden, an der Sanierung ist die Zeitgeschichtliche Werkstatt aber zunächst nicht beteiligt.

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