Mobilität Alle warten auf die Jungfernfahrt

Der neue Kirchlintler Bürgerbus geht am 1. März an den Start. Er hat einen sechsstelligen Betrag gekostet und wurde in Slowenien gebaut.
25.02.2021, 16:13
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Alle warten auf die Jungfernfahrt
Von Jörn Dirk Zweibrock

Wolfgang Rodewald hatte eine riesige Packung Konfekt zur Präsentation des neuen Kirchlintler Bürgerbusses mitgebracht. Der Bürgermeister weiß, welch wichtigen Dienst die ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrer leisten, gerade in Pandemie-Zeiten, denn im Gegensatz zu vielen anderen Bürgerbus-Vereinen im Kreisgebiet halten die Kirchlintler den Betrieb aufrecht. Sowohl die Fahrgäste als auch die Fahrer selbst warten nun sehnsüchtig darauf, dass der neue Bus endlich an den Start geht. Die Jungfernfahrt ist für diesen Montag, 1. März, geplant. „Ein Kastenwagen – in Slowenien auseinandergeflext und zum fertigen Bürgerbus zusammengebaut“, kam Vereinssprecher Hermann Meyer beim ersten Rundgang um das nigelnagelneue rot-weiße Gefährt gar nicht mehr aus dem Staunen heraus.

„Letztlich hat der neue Bus wegen zusätzlicher Ausstattung fast 105.000 Euro gekostet. Hätten wir nicht die IVU-Box vom Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) geschenkt bekommen, wäre die Gesamtsumme bestimmt auf 110.000 Euro angewachsen“, rechnete Bürgerbus-Vorsitzender Rüdiger Klinge vor. Zu den technischen Daten: Der von einem österreichischen Kleinbus-Spezialisten im ehemaligen Jugoslawien hergestellte neue Bürgerbus ist sechs Meter lang, zwei Meter breit, verfügt über ein zulässiges Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen und hat 150 Pferdestärken. Der Niederflurbus (Stichwort Barrierefreiheit) fährt 120 Stundenkilometer Spitze. Sein Wendekreis beträgt rund 14 Meter. Der High-Tech-Kassenautomat erinnert vielmehr an einen großen Bus.

Drei Busse hat der 2008 gegründete Bürgerbus-Verein nun schon bei dem österreichischen Hersteller bestellt. Das Basismodell bildet dabei stets ein VW-Transporter. Haben die Busse rund eine halbe Million Kilometer „runter“, haben sie nach Aussage von Bürgerbus-Konzessionär Henning Rohde ihren Dienst erfüllt. „Das Vor-Vorgänger-Modell schicken wir jetzt in die wohlverdiente Rente“, erläuterte er.

„Wir freuen uns immer über neue Fahrerinnen und Fahrer“, erzählten Klinges Vize-Vorsitzende Reinhard Ries und Nicole Mannertz. Die Kosten für den erforderlichen Personenbeförderungsschein trage wie immer der Verein. „Es ist der Kontakt zu den Fahrgästen und zu den Fahrern, man kennt sich eben, warum ich so gerne Bürgerbus fahre“, erzählte Renate Hellwinkel. Bereits seit sieben Jahren sitzt sie hinter dem Steuer. Ist es eigentlich schwer so einen Kleinbus zu lenken? „Das Ausholen kannte ich schon vom Pferdeanhänger“, verriet die Bürgerbus-Fahrerin lachend.

Insgesamt vier Linien, die 781, 782, 783 und 784, bedient der Bürgerbus Kirchlinteln. „Früher haben wir auch Holtum (Geest) angefahren“, blickte Hermann Meyer in die Geschichte zurück und betonte, dass der Verein die Verbindung bei Bedarf jederzeit reaktivieren könnte. Spuckschutz und Maske gehören mittlerweile zum Alltag im Bürgerbus. Im Corona-Jahr 2020 und der damit verbundenen mehrwöchigen Zwangspause im Frühjahr hat der Verein laut Statistik rund 4000 Fahrgäste befördert. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Rückgang um gut 50 Prozent.

Klar, dass bei der Vorstellung alle noch einmal das Bürgerbus-Lied anstimmten: „Rollen und rollen, das soll unser Bus nun. Bürger befördern, das ist unser Tun. Pannen sind ärgerlich, mögen wir gar nicht, sind nur auf Bürger im Bus erpicht.“ Wolfgang Rodewald wünschte den derzeit 15 aktiven Fahrern (der Verein hat insgesamt rund 60 Mitglieder) allseits gute Fahrt. Alle hoffen nun, dass die drei mitgelieferten Nothämmer niemals zum Einsatz kommen werden.

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