Neue Orgel

Schöne Töne in der Kapelle

40 Jahre alt war die Orgel, die in der Holtumer Friedhofskapelle gelegentlich für Misstöne sorgte. Kurzerhand haben die Holtumer nun für ein neues Instrument zusammengelegt.
07.01.2020, 16:36
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Marie Lührs
Schöne Töne in der Kapelle

Freuen sich über die Neuanschaffung: Hennig Rutsatz von Abschied Bestattungen (v. l.), Ortsvorsteherin Helma Rippe und Sandra Schulz vom Heimat- und Kulturverein.

Karsten Klama

Besuchern von so mancher Trauerfeier in der Friedhofskapelle Holtum-Geest ist die alte Orgel schon negativ aufgefallen. Vierzig Jahre hat das gute Stück bereits auf dem Buckel, und der Zahn der Zeit hat trotz Wartungen unerbittlich an ihr genagt. Nun hat sie ihr letztes Tönchen gespielt. Dank einer kurzfristigen Spendenaktion steht seit dieser Woche bereits ein neues Modell in der Kapelle.

Auch wenn die Vorgängerin nun vorerst im Nebenraum der Kapelle steht, wird sie vielen Holtumern in Erinnerung bleiben. Regelmäßige Gottesdienste gibt es schon seit einigen Jahren nicht mehr in der Kapelle, stattdessen kam das Instrument vor allem bei Bestattungen zum Einsatz. Gerade da habe der Missklang der Orgel für Verärgerung gesorgt, erzählt Henning Rutsatz vom Holtumer Bestattungsunternehmen. Als die Verdener Sängerin Christiane Artisi einmal in der Kapelle zum Singen ansetze, drehte sie sich bei den ersten Orgelklängen erschrocken zu dem Instrument um, lautet eine Anekdote über die alte Elektro-Orgel. Eine weitere besagt, dass sich Zuhörer über die mangelnden Fähigkeiten des Organisten wunderten, nicht ahnend, dass die Orgel selbst für die unpassenden Klänge sorgte.

Künftig werden sich die Holtumer andere Geschichten über die Musik in der Friedhofskapelle erzählen. Denn dort gibt die Gloria Optimus 231 künftig den Ton an. Das Instrument stammt von einem Orgelbauer aus Kassel, der im November zwei Exemplare vor Ort vorgestellt hat. Während Gerd Kisselbach die Besucher über die technischen Details und Vorteile der neuen Modelle informierte, spielte Organistin Silvia Engwicht zum Vergleich auf der alten Orgel. Dass die Holtumer Orgel nicht mehr so klang, wie sie sollte, war selbst für die Laien unüberhörbar, erzählt Ortsvorsteherin Helma Rippe. „Es ist wie der Unterschied zwischen Röhren- und Flachbildfernseher“, zieht sie den Vergleich der Technik. Die neue Orgel halte Temperaturschwankungen stand, das Innenleben sei zudem staubdicht verbaut. „Die Technik selbst ist ganz anders – sie passt in einen Schuhkarton“, sagt Rippe. Dennoch ist das Instrument größer als seine Vorgängerin. „Heute ist natürlich alles genormt“, erklärt Sandra Schulz vom Heimat- und Kulturverein Holtum. Der hatte sich ebenso tatkräftig an dem Projekt „Neue Orgel für Holtum“ beteiligt.

Nachdem das Bestattungsinstitut die Idee angestoßen und der Orgelexperte seine Modelle vorgeführt hatte, ging alles ganz schnell. Bereits Ende November lief die Spendensammlung an, und die Holtumer gaben gerne Geld für ihre Orgel. „Wir sind jetzt bei 4800 Euro“, gibt Sandra Schulz Einblick in den Spendenstand. Für die Gloria Optimus reicht das allerdings noch nicht. Trotzdem steht das Instrument schon in der Kapelle. Zu verdanken ist das dem Heimatverein, der den fehlenden Betrag ausgelegt hat. Die Spendensammlung geht also noch weiter. Wer sie unterstützen möchte, kann sich an den Heimat- und Kulturverein oder an die Ortsvorsteherin wenden. Fast alle Spenden kamen bisher aus dem Ort selbst. Zwei Geldgeber haben zumindest eine enge familiäre Bindung zum Dorf.

Nahezu wartungsfrei sei Gloria, erklärt Rico Hübner, der mit einem Kollegen das Instrument aufgestellt hat. Sie vereint gleich drei Intonationen: norddeutscher Barock sowie mitteldeutscher Barock, deutsche und französische Romantik. Zudem hat das Pedal eine Automatikfunktion für jene, die nur mit dem Tastenspiel vertraut sind. Pfeifen sucht man bei ihr vergeblich: Es ist eine Digitalorgel.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+