Trecker-Treff

„Wie eine Kreuzfahrt zu Lande“

Fans von alten Treckern sind in Armsen wahrlich auf ihre Kosten gekommen. Zahlreiche Schmuckstücke gab es beim Oldtimer-Trecker-Treff zu bestaunen.
02.09.2018, 15:07
Lesedauer: 3 Min
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Von Hermann Meyer
„Wie eine Kreuzfahrt zu Lande“

Fans von Oldtimern sind in Armsen voll auf ihre Kosten gekommen. Die Besitzer der alten Traktoren hatten meist auch interessante Geschichten zu ihren Fahrzeugen parat.

Björn Hake

Kirchlinteln-Armsen. Neben Bulldogs und Dieselrössern war auch ein Bär in Armsen auf dem Platz beim Dorfgemeinschaftshaus zu bestaunen. Der erste Oldtimer-Trecker-Treff am Sonnabend war ein voller Erfolg. Unter den mehr als einhundert vorgestellten Fahrzeugen und Gerätschaften waren mehr als 80 Oldtimer-Trecker. Und sie kamen teilweise von weit her: Rehburg-Loccum, Eystrup, Dorfmark, Uphusen, Thedinghausen, Oyten, Völkersen und natürlich aus Armsen.

Die Idee dazu hatte Armsens Ortsbrandmeister Stephan Nullmeier bereits vor zwei Jahren. Während der Zehnjahresfeier des Dorfgemeinschaftshauses Ende Juli 2016 sagte er: „Lasst uns doch mal mit ein paar Treckern durch den Ort fahren, es gibt noch so viele alte Schätzchen, die man präsentieren sollte.“ Das wurde damals umgesetzt. Statt der angedachten zehn landwirtschaftlichen Fahrzeuge nahmen insgesamt fast 30 am Umzug teil. Der Startschuss für den ersten Oldie-Trecker-Treff in Armsen zwei Jahre später war gefallen.

Werner Rosenhagen aus Schwarme war mit einem Bären aus dem Jahr 1952 vertreten. Sein Schmuckstück ist ein Trecker aus Polen, den er teilrestauriert übers Internet erstand. Ein Blick in die Geschichte ergab, dass die im Zweiten Weltkrieg größtenteils zerstörten Produktionsstätten (Zaklady Mechaniczne) in Warschau nach 1945 wieder vollständig aufgebaut wurden; der Schwerpunkt lag nun auf dem Bau von Traktoren. Das bekannteste Produkt des Unternehmens ist der Ursus C-45, ein zwischen 1947 und 1959 in Lizenz hergestellter Nachbau des Lanz Bulldog D 9506. Er entsprach in nahezu allen Einzelheiten dem Original: Einzylinder-Glühkopfmotor, Hubraum 10 338 Kubikzentimeter, 45 PS.

Für Rosenhagen macht langsames, genussvolles Fahren am meisten Spaß. „Mit dem Bulldog-Bären zu fahren ist für mich wie eine Kreuzfahrt zu Lande.“ Er weiß nicht, wie lange die Renovierungsarbeiten an dem neu lackierten Fahrzeug gedauert haben. Um an das Holzlenkrad fassen zu können, müssen zwei Stufen auf dem Schutzblech erklommen werden. „Aber Vorsicht, bitte keine Kratzer in den Lack.“

Früher seien diese Traktoren von Bremen aus ins Ruhrgebiet gefahren, mit zwei Anhängern dahinter, als Spedition, wusste Rosenhagen zu erzählen. Schnell bildete sich eine Traube von interessierten Besuchern, meistens Männer, die weitere Geschichten zu erzählen wussten und auch viele Fragen hatten. „Den Bulldog hast du morgens angemacht und abends wieder aus, Sprit kostete damals ja nicht viel.“ Rund 20 Ausstellungen im Jahr besucht Rosenhagen.

Auch der 69-jährige Günter Heuer aus Uphusen ist in den Sommermonaten fast jedes Wochenende mit seinen Oldtimer-Fahrzeugen auf Reisen. Am Sonnabend ist er um zehn Uhr von zu Hause losgefahren und kam nach knapp drei Stunden in Armsen an. „Am Sonntag geht es nach Godenstedt bei Bremervörde. In Tarmstedt treffe ich mich mit Bekannten, und dann fahren wir gemeinsam dort hin.“ Die Regenklamotten für den Notfall hat er immer dabei. „Wenn es morgens schon regnet, fahr ich mit dem alten Unimog 4016 zur Ausstellung.“ Regen auf der Rückfahrt sei nicht so schlimm. Nach Armsen ist er mit seinem Lanz-Bulldog, Baujahr 1949, 20 PS, 5467 Kubikzentimeter und Original-Holzlenkrad gekommen. Der ehemalige Landmaschinenmechaniker hat seinen Traktor vor rund 20 Jahren für 15 000 Mark gekauft. „Bei der Ausstellung in Vethem wollte mir ein Interessent für den generalüberholten Bulldog 40 000 Mark geben“, erinnert sich Heuer. Er lehnte aber ab. „Ich bin schon als kleiner Junge beim Landwirt gewesen und binTrecker gefahren, das bleibt hängen.“ Und daraus ist ein Hobby geworden. Momentan habe er drei Fahrzeuge: Neben den beiden genannten noch ein Fendt-Dieselross mit 12 PS. In Arbeit hat er noch vier weitere: einen Cormick 324 und 17 einen Hatz und einen Kramer-Allesschaffer, Baujahr 1929.

Die Organisatoren des ersten Armser Trecker-Treffs zeigten sich zufrieden. Im Organisationsteam waren Vertreter aus allen vier Vereinen der Ortschaft. Knapp zehn Vorbereitungstreffen waren für diese Präsentation notwendig. Stephan Nullmeier: „Wir haben nie mit so viel Resonanz gerechnet; wenn 40 gekommen wären, hätten wir unser Ziel schon hundertprozentig erreicht.“

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