Kunst von Schülern

Wie einst Max Ernst und Van Gogh

Zwanzig Jahre ist es her, dass Nachwuchskünstler der Schule am Lindhoop ihre Werke im Müllerhaus ausstellten. Seitdem gibt es jedes Jahr neue Kunst-Schwerpunkte.
19.08.2019, 16:15
Lesedauer: 3 Min
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Von Hermann Meyer
Wie einst Max Ernst und Van Gogh

Jona Tietje gewinnt den Publikumspreis mit seinem Bauzaunbild und erhält dafür 25 Euro als Preisgeld.

Hermann Meyer

Vor zwanzig Jahren fand die erste Ausstellung von Kunstwerken der Schüler aus dem Kirchlintler Schulzentrum im Müllerhaus statt. Michael Rudek, der sich um die künstlerischen Belange des Kulturkreises Lintelner Geest im Müllerhaus kümmert, stellte bei der Vernissage der diesjährigen Ausstellung am Sonntag zu seinem augenzwinkernden Bedauern fest, dass keiner der damaligen ausstellenden Schüler während der Vernissage am Sonntag anwesend war. Trotzdem konnte er viele junge Künstler, deren Eltern, Lehrer und Interessierte in der großen Diele begrüßen. Gerd Spieckermann, der zusammen mit Rudek die Idee für diese Ausstellung hatte, erinnerte sich: „Wir wollten die künstlerischen Aktivitäten unserer Schüler nicht nur in der Schule zeigen. Darum bot sich das Interesse des Kulturkreises Lintelner Geest an, die Räumlichkeiten hierfür zur Verfügung zu stellen.“

Bilder als Schwerpunkt

Und es gibt jedes Mal etwas anderes und andere Schwerpunkte zu sehen. „In diesem Jahr werden mehr Bilder als Skulpturen präsentiert“, sagte Schulleiterin Judith Fahlbusch-Schmidt. Sie bedankte sich bei Dirk Stichweh, dem Fachleiter Kunst in der jetzigen Oberschule Kirchlinteln, für sein großes Engagement zur Realisierung der Kunstausstellung.

„Es gibt unheimlich viele tolle Arbeiten hier zu sehen“, sagte Stichweh. Die Ausstellung gelte als Anerkennung für die Schüler. „Was die Schüler geleistet haben, soll mit dieser Präsentation wertgeschätzt werden.“ Im vergangenen Schuljahr wurden während des Unterrichts rund 400 Werke geschaffen, von denen circa 70 in den Räumlichkeiten des Müllerhauses zu sehen sind. Eine Jury aus Kunstlehrern, Schulleitung und den Vertretern des Vereins „Emforce – Schule trifft Wirtschaft“ hatte die schwierige Aufgabe, eine Auswahl für die Präsentation zu treffen.

Die Schüler der 5. bis 10. Klassen befassten sich in ihrem Schuljahr mit Malerei, Grafik, Illustration, Druckgrafik, Typografie, Skulptur, Architektur. Eine besondere Technik wurde mit der Frottage angewandt, erklärte Dirk Stichweh eine der Methoden. Als Frottage wird eine zeichnerische Methode sowie eine traditionelle Drucktechnik, mit deren Hilfe die Oberflächenstruktur eines Objektes auf einen Bildträger übertragen werden kann, bezeichnet. „Jeder hat bestimmt schon mal auf ein Geldstück ein Blatt Papier gelegt und dann durch Reiben mit einem weichen Bleistift den Abdruck hinbekommen.“ Der deutsche Maler und Grafiker Max Ernst entdeckte ab 1925 diese Darstellungsform für die Bildende Kunst neu und entwickelte sie weiter. Aber auch Bilder des niederländischen Malers Vincent van Gogh waren beliebte Vorlagen für die Kirchlintler Schüler. Durch eine Spachteltechnik wurden unter anderem in der sogenannten Fälscherwerkstatt Kunstwerke von ihm imitiert. Besonders schön und in kräftigen Farben ist dabei das bekannte Bild „Mohnfeld“ gelungen. 1911 wurde dieses Bild von der Kunsthalle Bremen erworben.

Wortkünstler Karl Valentin

„Kunst ist schön, macht aber auch viel Arbeit", sagte Helmut Rothermel, Vorsitzender von Emforce. Und so lautet auch ein Zitat des Wortkünstlers Karl Valentin. "So sehen das vermutlich auch die einen oder anderen jungen Künstlerinnen und Künstler, die heute ihre Werke vorstellen." Er empfinde die ausgestellten Bilder und Exponate als eine Brücke zur Aufgabe des Vereins und dessen Arbeit in der Schule. „Emforce und die Kunst vermitteln Freiräume, vermitteln Kreativität, Weitblick und Offenheit im Hinblick auf die weitere Entwicklung und Zukunft der jungen Menschen.“ Um diese Brücke zu festigen und zu stabilisieren, beteilige sich Emforce daher zum ersten Mal mit einem Preisgeld für zwei der im Müllerhaus ausstellenden Schüler. Zum Schluss ergänzte er das Valentin-Zitat vom Anfang noch mit der Aussage "sie bildet aber auch, die Kunst".

Die beiden Preise des Emforce-Vereins gingen an Indira Hoffmann und Janik Hoops, die Preise des Fördervereins der Oberschule erhielten Moritz Grotum und Lauritz Hellmann und der Publikumspreis wurde Jona Tietje von den anwesenden Besuchern der Vernissage verliehen. Alle fünf Gewinner durften sich über einen Geldpreis im Wert von 25 Euro freuen.

Die Ausstellung „Kunst aus der Schule am Lindhoop“ kann bis Sonntag, 15. September, immer sonntags ab 14.30 Uhr im Müllerhaus in Brunsbrock besucht werden. Interessierte können die Kunstwerke dort auch käuflich erwerben.

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