Daverdener verfasst Blog

Das Wandern ist des Ingenieurs Lust

Sascha Sonnemeyer aus Daverden ist von München aus über die Alpen zum Gardasee gewandert. Ganze 590 Kilometer hat er dabei zu Fuß zurückgelegt und seine Wanderung in einem Blog festgehalten.
29.09.2020, 17:06
Lesedauer: 4 Min
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Von Philipp Zehl

„Der Weg ist das Ziel – meine Alpentour 2020“ so heißt der Blog des Daverdeners Sascha Sonnemeyer. Während einst Hannibal mit seinen Kriegselefanten das Hochgebirge überquert hatte, tat Sonnemeyer dies ganz allein und zu Fuß. Binnen vier Wochen legte der Daverdener rund 590 Kilometer zurück – circa die Strecke von Verden nach Stuttgart.

Sein Ziel war es, von München aus über die Alpen den Gardasee zu erreichen. „Es war eine schöne Tour. Insgesamt bin ich 29 Tage weggewesen und 26 Etappen gewandert“, erzählt Sonnemeyer. Die längste Strecke habe er direkt am ersten Tag zurückgelegt – satte 38 Kilometer.

Doch wie kommt jemand auf solch eine Idee? „Ich laufe unheimlich gern“, antwortet Sonnemeyer mit einem Grinsen. Schon sein Leben lang sei er mit Österreich sowie Italien und dem Wandern verbunden gewesen. „Ich wollte unbedingt im Gebirge laufen. Mein Ziel war der Gardasee“, erzählt er. Mindestens die Stadt Meran zu erreichen, hatte sich Sonnemeyer zuvor als Pflicht gesetzt. In der nahegelegenen Gemeinde Schenna (Südtirol) war er vor rund 35 Jahren gemeinsam mit seinen Eltern im Urlaub gewesen.

Aus diesem Grund setzte sich der Familienvater kurz nach der Rückreise aus dem gemeinsamen Familienurlaub, der natürlich in Österreich stattgefunden hatte, Mitte August in den Zug nach München, um sein Wander-Abenteuer zu starten. Da die offiziellen Wandertouren in Büchern auch immer am Marienplatz in München starten, tat der Daverdener dies auch.

Apropos Bücher. Um sich auf die Tour vorzubereiten, habe Sonnemeyer diverse Literatur über das Wandern gelesen und auch den Film „Zu Fuß über die Alpen – Traumpfad München-Venedig“ gesehen. Zudem ist er in den Alpenverein eingetreten und hat sich mit einen Satz Karten eingedeckt. „Ein Wanderführer hatte mir vor Reiseantritt auch eine App empfohlen, die die tägliche Strecke sowie die zurückgelegten Höhenmeter misst“, schildert Sonnemeyer und ergänzt, dass er am Ende seiner Tour auf rund 42 000 zurückgelegte Höhenmeter kam.

„Wenn du was machst, dann was Eigenes“, erklärt Sonnemeyer und ergänzt, dass es zwar eine bereits fertige Route München-Gardasee gibt, diese für ihn aber nicht in Frage kam. Dementsprechend hatte er vor Reiseantritt sich einen eigenen Weg zusammengestellt.

Diese Spontanität beim Einschlagen neuer Wege brachte den Wanderer auch in gefährliche Situationen. „Beispielsweise war manchmal ein Weg durch Unwetter und Erdrutsche einfach weg“, erzählt er. Aus diesem Grund hätte er des Öfteren kurzfristig umplanen und alternative Routen wählen müssen. Kritisch sei es während seiner Wanderung geworden, als er ein halbes Reh in einer Braunbär-Gegend sah. „Da kamen Gedanken zum Abbruch auf. Auch war es nicht immer ein angenehmes Gefühl, wenn man unterwegs war und drei bis fünf Stunden keine anderen Wanderer mehr sah“, berichtet Sonnemeyer.

Zuvor hatte der begeisterte Wanderer schon einige Tagestouren in Österreich entweder allein oder gemeinsam mit der Familie gemacht. Während andere sich ihr Gepäck von Station zu Station liefern lassen haben und mit leichtem Gepäck wanderten, habe er sich entschlossen, seinen 16 Kilogramm schweren Rucksack stets mitzunehmen und auf die komfortablere Möglichkeit zu verzichten. Mit dem Rucksack musste ich auch zwei Tage lang um einen Berg herumgehen, sagt das Mitglied des Daverdener Schützenvereins.

„Die ersten zwölf Tage hatte ich vorab jeweils eine Unterkunft gebucht“, erzählt Sonnemeyer und ergänzt, dass er die Hütten für die darauffolgenden Nächte leicht von unterwegs aus buchen konnte. „Die Seniorenwirte aus der einen Hütte in Schenna kannten tatsächlich meine Eltern noch, mit denen ich vor Jahrzehnten dort im Urlaub gewesen bin“.

Dabei seien in ihm Erinnerungen wieder aufgekommen. „Ein bis zwei Tage habe ich kurz nachgedacht, ob nicht jetzt schon Schluss ist – vor Meran“, gibt Sonnemeyer zu. Neben dem Wetter machte auch die wochenlange Trennung von der Familie dem zweifachen Vater zu schaffen. Trotz der Distanz waren sie aber immer bei ihm. „Hier – das Lederarmband habe ich von meiner Frau“, erzählt er und zeigt auf sein Handgelenk. Auf drei befestigten Metallringen stehen die Namen Insa, Paula und Anni. Letztendlich entschloss er sich, seine Tour fortzusetzen und erreichte am 26. Tag den Gardasee.

Die Idee mit dem Blog, den er täglich während seines Trips verfasste, hatte er von einer Arbeitskollegin bei Airbus bekommen. „Da andere Arbeitskollegen auch Bilder von unterwegs sehen wollten, habe ich einen befreundeten Radiomoderator gefragt“, erzählt der Ingenieur. Dieser habe ihm daraufhin ein Programm empfohlen. „Ein bis zwei Tage vor der Abreise habe ich damit begonnen, dieses auszuprobieren. Danach war es dann ein Selbstläufer“.

Sonnemeyer selbst konnte so lange von der Arbeit fernbleiben, da er das Programm „Care4Live“ seines Arbeitgebers Airbus in Anspruch nahm. Viele der Arbeitskollegen würden es nutzen, um Angehörige zu pflegen oder auf Reisen zu gehen – sozusagen unbezahlter Urlaub. Anstatt einen Monat gar kein Geld zu erhalten, bekommt man die Folgemonate 75 Prozent des Gehalts ausgezahlt, rechnet der Familienvater vor.

„Viele Leute haben mir schon während der Reise durch meinen Blog Feedback gegeben. Bisher sind es über 10 000 Aufrufe“, erzählt Sonnemeyer, „jedoch lässt sich so etwas nicht wiederholen. Das macht man ein Mal im Leben“. Eine ähnliche Tour würde der Daverdener nur machen, wenn seine Kinder ihn fragen würden. Den gesamten Blog mit Bildern und Tagesberichten seiner Reise gibt es unter www.sunnyonalps.com.

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