Kulturverein Langwedel

Auszeichnung für das Häuslingshaus

Das Langwedeler Häuslingshaus gehört zu den Preisträgern des Bundespreises für Handwerk in der Denkmalpflege. Diese freudige Nachricht erhielt der Kulturverein in dieser Woche.
14.08.2020, 16:24
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Auszeichnung für das Häuslingshaus
Von Marius Merle
Auszeichnung für das Häuslingshaus

In sehr schlechtem Zustand war das Häuslingshaus noch 2012.

Kulturverein Langwedel

Fast sieben Jahre ist es inzwischen her, dass das sanierte Häuslingshaus in Langwedel eröffnet werden konnte. Nur ein Jahr später erhielt der Kulturverein für die Restaurierung des aus dem 18. Jahrhundert stammenden Gebäudes den Preis für Denkmalpflege der Niedersächsischen Sparkassenstiftung. Nun gibt es die zweite Auszeichnung für das Projekt: Das Langwedeler Häuslingshaus gehört zu den Preisträgern des Bundespreises für Handwerk in der Denkmalpflege, der von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz vergeben wird.

Von einem „freudigen Ereignis“, spricht Wolfgang Ernst, Kassenwart des Kulturvereins und bei dem Sanierungsvorhaben damals treibende Kraft. Er hatte Anfang des Jahres auch die Bewerbung eingereicht. Vor einigen Wochen habe es zunächst die Rückmeldung gegeben, dass das Häuslingshaus in der näheren Auswahl wäre, Anfang dieser Woche sei dann die Nachricht gekommen, dass die Fachjury dem Kulturverein für die „Qualität des denkmalgeschützten Handwerks“ einen Preis zuerkennt.

Preisverleihung im November

Wie genau dieser aussehen wird, das werden Ernst und seine Mitstreiter aber erst am 3. November erfahren. Denn dann findet in Hannover die Preisverleihung statt, an der auch Ministerpräsident Stephan Weil teilnehmen wird. Insgesamt 15 000 Euro werden an die drei vorderen Plätze ausgeschüttet. Viel wichtiger aber ist Ernst das allgemeine Renommee. „Es zeigt, dass dieses Haus kein Privatvergnügen einiger Leute ist, sondern ein anerkannter Bau.“

Eigentlich hätte es das Wettbewerbsprozedere vorgesehen gehabt, dass sich die Fachjury auch vor Ort einmal selbst ein Bild des Bauwerks macht. „Das ist wegen Corona aber ausgefallen“, erzählt Ernst. Damit sich die Experten aber dennoch eine fundierte Meinung bilden konnten, habe er ein sehr ausführliches Text- und Bildmaterial zusammenstellen müssen. Mühen, die sich nun mit der positiven Nachricht ausgezahlt haben. Wobei sich sowieso die gesamten Mühen, die mit dem Projekt in Verbindung stehen, rentiert haben, wie sich nun einige Jahre nach der Sanierung festhalten lässt.

Anerkannter Veranstaltungsort

Denn dem Kulturverein ist es gelungen, das Häuslingshaus mit dem Außengelände als einen regional anerkannten Veranstaltungsort zu etablieren. Denn es sei nie das Ziel gewesen, dass aus dem denkmalgeschützten Bauwerk ein Vereinsheim wird, betont Ernst. Neben dem Ziel, den besonderen Wert des Hauses aus gesellschaftsgeschichtlicher Sicht durch die zeitintensive und kostspielige Restaurierung zu erhalten, war es dem Verein ein Anliegen gewesen, dass das Gebäude dem Gemeinwesen dient.

Und so bekommen die Menschen dort seit der Eröffnung ein vielfältiges kulturelles Programm geboten, unter anderem zählen Konzerte, Lesungen, Vorträge, Kabarett und Ausstellungen dazu. „Aber immer behält das Häuslingshaus durch die Art seiner Restaurierung sein Eigengewicht als Denkmal einer Wohn- und Arbeitsstelle der niederbäuerlichen Gesellschaftsschicht, das bei Besuchern immer wieder großes Interesse weckt und zu einer Vielzahl von Führungen führt“, heißt es in der Bewerbung des Kulturvereins, die die Fachjury des Bundespreises für Handwerk in der Denkmalpflege letztlich überzeugen konnte.

Info

Zur Sache

Häuslinge

Häuslinge gehörten zur untersten Schicht der Bevölkerung. Es handelte sich um Saisonarbeiter mit mehr oder weniger fester Anstellung bei Landwirten. Sie verrichteten auch handwerkliche Arbeiten im Dorf. Das Haus in Langwedel, welches in Verdener Höfeakten ab 1843 als Anbauerstelle geführt wurde, wurde bis in die 70er Jahre des 19. Jahrhundert von Häuslingsfamilien bewohnt. Der besondere Wert dieses Hauses ergibt sich laut Kulturverein daraus, dass die Wohnstätten der unteren sozialen Gesellschaft aus der Vergangenheit oft das einzige „Dokument“ darstellen, aus denen deren Lebenswelt noch abzulesen ist.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+