Das Interview: Andreas Brandt „Die Haushaltslage ist positiv“

Bürgermeister Andreas Brandt spricht im Interview über die wirtschaftliche Situation des Fleckens Langwedel und anstehende Herausforderungen.
22.01.2020, 16:28
Lesedauer: 4 Min
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„Die Haushaltslage ist positiv“
Von Marius Merle

Herr Brandt, von Ihrem Büro aus können Sie stets den Baufortschritt des neuen Oberschulgebäudes verfolgen. Nun kam es bei dem Projekt bereits zu einigen zeitlichen Verzögerungen und auch die Kosten sind um einige Millionen Euro angestiegen. Haben Sie die Entscheidung für den Neubau angesichts dessen schon bereut?

Andreas Brandt: Nein, es gab auch schlichtweg keine andere Möglichkeit. Wir mussten etwas machen und bauen die Schule ja nicht alleine aus optischen Gründen neu. Die Alternative wäre eine Sanierung gewesen – im laufenden Betrieb. Kostenmäßig wäre dies nach der damaligen Machbarkeitsstudie etwa vergleichbar gewesen zum Neubau. Der Neubau ist die richtige Entscheidung gewesen. Es konnte ein optimales Schulgebäude entwickelt werden. Aber klar ist: Alles was schön ist, ist auch teuer.

Lässt sich denn prognostizieren, wann im neuen Gebäude der Unterricht beginnen kann?

Das kann man so nicht sagen. Es sind momentan eine Menge Arbeiten am Gebäude im Gange. Aber einen Termin kann man aktuell nicht nennen. Wir hoffen, dass wir kurzfristig Ergebnisse vermelden können.

War und ist es denn schwierig, die Schule immer wieder zu vertrösten?

Wir haben von Beginn an Respekt vor diesem Projekt gehabt und auch die Schule wusste, was auf uns zukommt. Wir sind natürlich dankbar für das Verständnis der Schule. Was gut ist, dass der Betrieb während der Arbeiten ohne Containerlösung oder dergleichen weiterlaufen kann.

Wenn die Schule denn dann irgendwann in Betrieb ist, werden die Nachwirkungen für den Flecken Langwedel noch länger zu spüren sein. Derzeit liegt der Schuldenstand der Gemeinde durch das Projekt bei rund 14 Millionen Euro. In den nächsten acht Jahren soll er laut derzeitiger Finanzplanung halbiert werden. Ist das wirklich realistisch?

Aus heutiger Sicht halte ich das durchaus für realistisch, denn die Tilgungsleistungen werden ab 2021 beträchtlich ansteigen. Außerdem beabsichtigen wir, innerhalb dieses Zeitraums voraussichtlich zwei laufende Kredite nach Ablauf der Zinsbindungszeiträume zurückzuzahlen.

Aber in den Planungen sind viele zu erwartende Kosten noch gar nicht berücksichtigt. Die Grundschulen sollen auf Ganztagsbetrieb umgestellt werden. Zwei neue Kitas müssen gebaut werden. Klimaschutzmaßnahmen an den kommunalen Gebäuden sind angestrebt. Wie soll das alles umgesetzt werden, wenn gleichzeitig die Schulden in dieser Höhe abgebaut werden müssen?

Die Haushaltslage des Fleckens Langwedel ist positiv. Wir haben zwar für den Neubau der Oberschule Schulden aufgenommen, auf der anderen Seite verfügen wir aber über Sachvermögen und Liquidität. Die Liquidität ist auch auf höhere Steuererträge zurückzuführen, die sich in den letzten Jahren dank der guten Konjunktur ergeben haben. Natürlich müssen wir darauf achten, dass künftige Maßnahmen im Rahmen der zur Verfügung stehenden wirtschaftlichen Möglichkeiten umgesetzt werden.

Wenn das Schulneubauprojekt endlich abgeschlossen sein wird und Ressourcen frei werden. Was hat dann Priorität?

Wir haben einige Pflichtaufgaben zu erfüllen: Wir müssen für rund 60 Krippenkinder noch zusätzliche Plätze bereitstellen. Seit vorletztem Jahr haben wir in diesem Bereich ein Versorgungsproblem. An dem Thema arbeiten wir schon seit längerem, zum Beispiel in Form des sich im Bau befindlichen Anbaus an der Kita Völkersen. Wäre alles gut gelaufen, hätten wir vielleicht auch schon den ersten Kubikmeter Beton für einen Neubau an anderer Stelle in der Erde. Aber so einfach ist das nun einmal alles nicht.

Wo ist im Flecken Langwedel außerdem in naher Zukunft erhöhter Handlungsbedarf?

Wir sind dabei, einen Feuerwehrbedarfsplan aufstellen zu lassen. Auch da werden Baumaßnahmen die Folge sein. Momentan befinden wir uns in der Ersatzbeschaffung von Fahrzeugen. Doch die neueren Modelle passen nicht mehr in die vorhandenen Hallen. Deswegen müssen wir in diesem Jahr schon zwingend einen zusätzlichen Stellplatz am Feuerwehrhaus Cluvenhagen anbauen. Und das, obwohl wir den Feuerwehrbedarfsplan noch gar nicht beraten haben.

Es wurde bereits angesprochen, wie sich die gute Konjunktur in Form der Gewerbesteuereinnahmen zuletzt positiv auf den Haushalt ausgewirkt hat. Aktuell hat die Gemeinde keine Flächen mehr zum Vermarkten. Wie gut stehen die Chancen, dass sich das in den nächsten Jahren ändern wird?

Das Thema haben wir natürlich immer im Fokus. Im vergangenen Jahr haben wir mit Vertretern der Landwirtschaft über die Umnutzung der landwirtschaftlichen Flächen, die als Gewerbeland zwischen der Ortschaft Daverden und der Autobahn vorgesehen sind, beraten. Vor mehreren Jahren hatten bei einer Eigentümerbefragung nur einzelne Grundstücksbesitzer ihre Verkaufsbereitschaft erklärt, so dass lediglich ein Flickenteppich dabei herauskam. In diesem Punkt sind wir leider bis heute keinen Schritt weitergekommen.

Keine zusätzlichen Gewerbeflächen in Sicht. Anstehende teure Investitionen trotz Sparplan zur erheblichen Schuldenreduzierung. Warum sollte man in Langwedel trotzdem optimistisch in die Zukunft blicken?

Weil wir die grundlegende Infrastruktur schon in den vergangenen Jahren zukunftsfähig aufgestellt haben. Unsere Kindergärten, Krippen und Schulen sind alle modern und gut ausgestattet. Wir liegen strategisch günstig, um die Leute zu motivieren, vermehrt die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Der Flecken Langwedel bietet viel, zum Beispiel Erholungsbereiche, und hat ein starkes Vereinswesen. Wir haben eine gute Nahversorgung, auch was das ärztliche Angebot betrifft. Zudem gibt es die Krankenhäuser in Verden, Achim und Rotenburg. Das ist in der heutigen Zeit optimal. Leute die zu uns kommen, sind sehr zufrieden und wohnen gerne hier. Der dörfliche Charakter Langwedels ist trotz zahlreicher Veränderungen nicht verloren gegangen.

Das Interview führte Marius Merle.

Info

Zur Person

Andreas Brandt (48)

ist seit 2010 Bürgermeister des Fleckens Langwedel. Der Sozialdemokrat lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern (neun und zwölf Jahre) in Völkersen.

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