Klassik im Schloss

Ein Hauch von Elbphilharmonie

Das Amatis Piano Trio hat den Schlusspunkt der diesjährigen Konzertreihe „Klassik im Schloss“ in Etelsen gesetzt. Die Besucher bekamen ein Konzert mit höchstem musikalischem Anspruch geboten.
30.09.2019, 16:21
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Von Susanne Ehrlich
Ein Hauch von Elbphilharmonie

Das Amatis Piano Trio hat den Schlusspunkt der Konzertreihe "Klassik im Schloss" in Etelsen gesetzt.

Jonas Kako

Zum Saisonabschluss der Konzertreihe „Klassik im Schloss“ war das international gefeierte junge Amatis Piano Trio zu Gast im Schloss Etelsen. Auf dem Programm standen drei erlesene Werke der Klaviertrio-Literatur aus Klassik, Romantik und klassischer Moderne, interpretiert von drei jungen Musikern, die gerade mit Leidenschaft, jugendlicher Frische und virtuoser Meisterschaft die Konzertsäle der Welt erobern. Lea Hausmann (Violine), Samuel Shep­herd (Cello) und Mengjie Han (Klavier) gründeten ihr Trio im Jahr 2014 und erleben seitdem eine internationale Erfolgsgeschichte.

Mit Beethovens um 1798 entstandenen Trio in B-Dur op 11 mit dem Beinamen „Gassenhauer-Trio“, dem einsätzigen Trio Nr. 1 in c-Moll des erst 17-jährigen Dmitri Schostakowitsch und dem absoluten Gipfelwerk aller Klaviertrios, dem Trio Nr. 2 in Es-Dur von Franz Schubert, präsentierten sie ein Programm von höchstem musikalischem und virtuosem Anspruch.

Federleichte Virtuosität

Als Beethoven sein Trio op. 11 schrieb, war er genauso alt wie die jungen Musiker, die es hier mit völlig müheloser, federleichter Virtuosität spielten. Auf den zupackend heiteren Kopfsatz, dessen starke Akzentuierung eine kraftvoll strudelnde Wirkung erzielte und mit seinen besonders intensiv ausgespielten Solokantilenen bestach, folgte im Adagio ein inniges Streicherduo von tiefem Ernst, zu dessen tiefen Seufzern die perlend silbrige Leichtigkeit des Pianos im reizvollstem Kontrast stand. Den „Gassenhauer“ mit einem Thema aus einer der vielen Opern des längst vergessenen Josef Weigl nutzten die Musiker zu einer humorvollen Studie der damals üblichen Stile und Klangfarben – mal solistisch oder in verspieltem Duo, mal melodramatisch in Moll und mal virtuos-ekstatisch.

Das Trio in c-Moll war eines der ersten Werke von Dmitri Schostakowitsch. Zu dieser Zeit soll der genial begabte Jugendliche zum ersten Mal verliebt gewesen sein; zudem war sein Vater gerade gestorben, und er selbst war an einer bösen Tuberkulose erkrankt, von der er sich Zeit seines Lebens nie wieder ganz erholte. Das Trio wurde zwar zwei Jahre später aufgeführt, jedoch erst vor 36 Jahren erstmals herausgegeben. In diesem Werk entfaltete sich ein heftiger Widerstreit der Gefühle: Ein klagendes, elegisches Motiv, vom Cello eingeführt, wechselte mit sich immer noch steigernden Ausbrüchen wilder Verzweiflung und taumelndem Schwindel. Mit berührender Innigkeit und warmem, beweglichem Ton gestalteten die Streicher die drängende Zärtlichkeit und Klage; von vollendeter Bogentechnik und bewundernswerter Einfühlung sprachen die trockenen, geschlagenen oder gerissenen Schreie und Eruptionen der inneren Not. Wie sich am Ende, nach dem alles gesagt war, die Atmosphäre klärte und aus jenem schwebenden, gleichsam heimatlosen Kreisen um die Tonalität plötzlich reine, geradezu hymnische Harmonie erstrahlte, das wurde zum kostbarsten Moment des ersten Teils.

Musiker lassen keinen Wunsch offen

Franz Schuberts Es-Dur Trio ist nicht nur nach Auffassung des musikalischen Leiters Johannes Mnich das wohl bedeutendste Werk der Trio-Literatur. Vom leidenschaftlichen Auftakt und den fantastisch klaren, leuchtenden Abwärts-Arpeggien des Pianos, die das sehnsuchtsvolle Seitenthema begleiteten, über den schmerzlich schönen Volksliedton des Andante mit seinem aufwallenden Schmerz und der düsteren Resignation und den spielerisch-leichten Kanon des Scherzando mit seinem spöttischen Trio bis zu dem monumentalen, in Tonart, Klangcharakter und Taktakt stetig changierenden und überwältigend spannenden Finale ließen die jungen Musiker keinen Wunsch offen. Und so durfte das Publikum im Schloss Etelsen eine Musik erleben, wie sie sonst nur in der Elbphilharmonie, dem Concertgebouw oder der Wigmore Hall erklingt.

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