Palliativ-Versorgung im Landkreis Verden „Ein Schritt in die richtige Richtung“

Die Versorgung sterbender Menschen wird immer mehr zu einer Kernaufgabe in Pflegeeinrichtungen. Doch im Landkreis gibt es diesbezüglich Engpässe. Im Kampf dagegen wurden nun ein Dutzend Fachkräfte fortgebildet.
17.02.2019, 16:27
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
„Ein Schritt in die richtige Richtung“
Von Marius Merle

Die Zahlen, die das Institut für Berufs- und Sozialpädagogik (IBS) mit Sitz in Bremen in seinem Flyer über Palliativ-Versorgung mitteilt, sind erschreckend: Demnach sterben in deutschen Pflegeheimen 30 Prozent der Bewohner innerhalb der ersten drei Monate nach der Aufnahme ins Heim und 60 Prozent innerhalb des ersten Jahres. Die Versorgung sterbender Menschen wird somit immer mehr zu einer Kernaufgabe der Mitarbeiter in Pflegeeinrichtungen. Doch längst nicht alle von ihnen sind für diese Aufgabe geschult. „Auch im Landkreis Verden ist die Versorgung problematisch und es gibt immer wieder Engpässe“, sagt Barbara Körtje vom Senioren- und Pflegestützpunkt des Landkreises. Der Bedarf sei daher groß und zuletzt habe es im Landkreis leider keine Weiterbildungsangebote gegeben. Umso glücklicher ist sie, dass nun erstmals in Kooperation mit dem IBS eine Fachweiterbildung „Palliative Care“ in der vom IBS betriebenen Altenpflegeschule in Langwedel stattfinden konnte.

Insgesamt zwölf Frauen aus dem gesamten Landkreisgebiet haben dabei in insgesamt 40 Unterrichtseinheiten ihre fachliche Kompetenz im Feld der Palliativ-Versorgung erweitert und sich mit Sterben, Tod und Trauer in Einrichtungen der Altenhilfe auseinandergesetzt. Themen waren unter anderem „Stressmanagement“, „Essen und Trinken in der letzten Lebensphase“, „Schmerz und Schmerztherapie“ oder „Sterbehilfe und Sterbebegleitung“. Die Teilnehmerinnen entstammen aus unterschiedlichen beruflichen Bereichen, etwa aus der Pflege, der Betreuung und auch aus der Leitung. Solch eine Mischung sei für eine Weiterbildung laut Körtje auf jeden Fall eine Besonderheit.

Anne Cordes etwa arbeitet im Krankenhaus und weiß aus eigener Erfahrung, dass „die Situation von todkranken Menschen dringend verbesserungswürdig ist“. Die Palliativ-Versorgung erhalte aber glücklicherweise einen immer größeren Stellenwert. Sie lobt an der Weiterbildung, die von Annet Boye, freiberufliche Kursleiterin von der Deutschen Gesellschaft für Palliativ-Medizin, geleitet wurde, vor allem den praxisnahen Bezug. Cordes ist sich sicher, vieles von dem Gelernten in den Arbeitsalltag integrieren zu können. Beim Kursus habe sie auch die positiven Seiten dieser Arbeit mit eigentlich traurigem Hintergrund kennengelernt.

Schließlich gehe es darum, Lebensqualität zu schaffen, wie Boye betont. „Die letzte Zeit im Leben eines Menschen soll positiv genutzt werden.“ Seminarteilnehmerin Joana Herbst findet, dass durch die Fortbildung ein Stück weit die Angst vor dem Thema genommen werde. „Vorher habe ich diese Arbeit intuitiv gemacht, nun werde ich sie bestimmt bewusster machen“, erzählt Herbst. Wichtig sei dabei stets, sich die Zeit zu nehmen. „Und die nehmen wir uns auch“, sagt sie und ist überzeugt, dies nun zukünftig mit einem noch sichereren Gefühl machen zu können.

Zwölf fortgebildete Fachkräfte werden die Probleme in der palliativen Versorgung im Landkreis Verden natürlich noch nicht lösen können. „Aber das ist ein super Schritt in die richtige Richtung“, befindet Körtje. Der Landkreis habe auch den gesetzlichen Auftrag, die Ausbildung in diesem Bereich zu stärken. Und so ist ein weiteres Fortbildungsseminar schon in Planung. Dieses soll dann sogar mehr als nur ein Anfängerkurs sein und insgesamt über 160 Stunden gehen. Der Beginn ist für Herbst geplant, in der Hoffnung, dass sich wieder motivierte Teilnehmerinnen finden – und vielleicht ja auch mal ein Mann.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+