Feuerwehrbedarfsplan Langwedel

Aus sechs macht drei

Der Flecken Langwedel hat einen Feuerwehrbedarfsplan erarbeiten lassen. Als Kernziel regt dieser die Halbierung der Standorte in der Gemeinde an. Derzeit gibt es noch sechs Ortsfeuerwehren.
27.06.2020, 09:40
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Aus sechs macht drei
Von Marius Merle
Aus sechs macht drei

Für die Ortsfeuerwehr Langwedel sieht die Analyse die Gefahr, dass die Leistungsfähigkeit zukünftig nicht mehr gegeben sein könnte.

Björn Hake

Wie kann die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren im Flecken Langwedel zukünftig gesichert werden? Um Antworten darauf zu finden, hat die Verwaltung die Erarbeitung eines Feuerwehrbedarfsplanes in Auftrag gegeben. Eigentlich hätte das Ergebnis des knapp 180 Seiten langen Planes schon vor einigen Wochen im Rahmen einer Bürgerinformationsveranstaltung vorgestellt werden sollen, doch das Coronavirus machte dies nicht möglich. Somit wird auf eine öffentliche Vorstellung verzichtet, der Plan ist nun aber im Ratsinformationssystem der Gemeinde einsehbar und wird von der Politik in der Sitzung des Feuerschutzausschusses am kommenden Dienstag, 30. Juni, beraten und dann bestenfalls auch beschlossen.

Mit dem Ergebnis, zu dem die beauftragte Firma Orgakom Analyse und Beratung GmbH gekommen ist, hätte im Vorfeld so wohl niemand gerechnet, lässt Bürgermeister Andreas Brandt wissen. Denn die Grundaussage der Bestandsaufnahme lautet: Statt der aktuell sechs Ortsfeuerwehren sollte es mittel- bis langfristig nur noch drei geben. Eine Schwerpunktfeuerwehr Daverden-Langwedel sowie die Stützpunktfeuerwehren Cluvenhagen-Etelsen und Holtebüttel-Völkersen. Derzeit fungiert die Ortsfeuerwehr Langwedel als Stützpunktfeuerwehr, die anderen fünf sind Feuerwehren mit Grundausstattung. Alle haben ein eigenes Feuerwehrhaus.

Idee der Fusion

Und genau darin liegt einer der Hauptgründe für die Fusionsidee. Denn „die Feuerwehrhäuser des Fleckens Langwedel entsprechen nicht mehr dem Mindeststandard nach Norm, sodass Neubauten erforderlich sind, um die Unterstellung von Feuerwehrfahrzeugen der heutigen Generation sicher zu stellen“, heißt es in dem Bedarfsplan. Zudem sei es mit Blick auf die Personalsituation notwendig, „zur langfristigen Sicherstellung des Brandschutzes leistungsfähige Standorte zu realisieren“. Denn auch wenn die Mitgliederstärke insgesamt im Wesentlichen konstant sei, lasse insbesondere die Altersstruktur der Ortsfeuerwehr Langwedel erwarten, dass die Mindeststärke zukünftig nicht mehr erreicht wird. Denn der Anteil der über 50-Jährigen dort beträgt nahezu 50 Prozent.

Die beauftragte Firma kommt daher zu dem Schluss, „die Struktur der Feuerwehr Langwedel unter dem Druck der demografischen Entwicklung so zu verändern, dass die Leistungsfähigkeit erhalten bleibt“. Somit sollen drei komplett neue Standorte geschaffen werden. Im Falle der Feuerwehr Daverden-Langwedel verdoppele sich die personelle Verfügbarkeit, „sodass ein solcher gemeinsamer Standort einen erheblich höheren einsatztaktischen Wert besitzt“. Für die neue Stützpunktfeuerwehr Cluvenhagen-Etelsen wird als optimaler Standort einer an der Bremer Straße benannt, für die Wehr Holtebüttel-Völkersen sollte dieser im Bereich Dahlbrügge liegen.

Grundstückserwerb ist Grundlage

Wann diese Pläne jedoch nach einem positiven Beschluss der Politik in die Realität umgesetzt werden können, ist laut Brandt „von vielen Umständen abhängig“. Insbesondere würde es darum gehen, überhaupt Grundstücke für die neuen Standorte zu erwerben. „Ohne die Grundstückseigentümer werden wir es nicht schaffen, den Plan umzusetzen“, betont das Gemeindeoberhaupt.

Doch auch so fördert der Bedarfsplan viele notwendige Maßnahmen zu Tage, die es nun kurz- bis mittelfristig erst einmal abzuarbeiten gilt. So gebe es bei den Fahrzeugen einen „erheblichen Investitionstau“. Im Durchschnitt müssten zur Gewährleitung eines qualifizierten Fahrzeugbestandes innerhalb der kommenden zehn Jahre jährlich rund 260 000 Euro investiert werden. Und auch in die derzeitigen Feuerwehrhäuser muss – bevor sie zukünftig dann vielleicht aufgegeben werden – noch einmal Geld gesteckt werden. Insbesondere folgende Maßnahmen sind laut dem Plan notwendig: Nachrüsten der Abgasabsauganlagen, Kennzeichnung der einengenden Gebäudeteile, Sicherstellung des Brandschutzes und Kennzeichnung der Flucht- und Rettungswege.

Noch einmal deutlich aufwendigere Arbeiten sind in Cluvenhagen nötig. Das Feuerwehrgerätehaus entspricht nicht mehr den gesetzlichen Bestimmungen und muss nun möglichst zeitnah erweitert werden. Der Flecken Langwedel rechnet dafür mit Baukosten von rund 850 000 Euro. Auch darüber werden die Mitglieder des Feuerschutzausschusses am 30. Juni diskutieren. Beginn der öffentlichen Sitzung im Sitzungsraum des Rathauses ist 18 Uhr.

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