Handball - Gemeinsame Sache

Der Glanz ist verblasst

Gemeinsame Sache – Teil 3: Die HSG Cluvenhagen/Langwedel hat eine negative Entwicklung durchgemacht
15.05.2020, 09:41
Lesedauer: 4 Min
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Von Jürgen Prütt
Der Glanz ist verblasst

Das Himmelfahrtsturnier in Cluvenhagen war einst eine Traditionsveranstaltung. 2019 wurde es erstmals abgesagt und eine Neuauflage soll es nicht geben.

Jonas Kako

1997 – diese Zahl ist im Logo der Handball-Spielgemeinschaft Cluvenhagen/Langwedel als Gründungsjahr vermerkt. Beim Nachwuchs machen die Handballer aus Cluvenhagen und Langwedel sogar zwei Jahre länger gemeinsame Sache. Bereits 1995 ging die Jugend-Spielgemeinschaft Cluvenhagen/Langwedel an den Start.

Heute – 23 Jahre nach ihrer Gründung – befindet sich die drittälteste Spielgemeinschaft im Landkreis Verden in schwierigem Fahrwasser. Und das nicht allein wegen der Corona-Krise. Mit einer Männermannschaft in der Ober- und Verbandsliga gehörte die von Gerhard Behling und Carl-Heinz Hanke (MTV Langwedel) sowie Werner Stadtlander und Klaus Focke (TSV Cluvenhagen) aus der Taufe gehobene HSG Cluvenhagen/Langwedel in ihren Anfangsjahren zu den Schwergewichten im Kreis Verden. Mittlerweile ist der Glanz verblasst. Mit dem Abstieg der Frauen in der Saison 2018/2019 aus der Landesklasse ist der Name der Spielgemeinschaft aus den Leistungsklassen des Verbandes verschwunden. Auch beim Nachwuchs hat die HSG Cluvenhagen/Langwedel in den vergangenen Jahren keine gute Entwicklung genommen.

Gründe dafür gebe es einige, sagt Karsten Riedel. „Wir sind ein kleiner Verein zwischen den Hotspots Achim und Verden. Es mangelt am Nachwuchs, zudem ist es uns nicht gelungen, engagierte Trainer und Führungskräfte zu ersetzen“, erläutert der erste Vorsitzende der HSG Cluvenhagen/Langwedel. An der Unterstützung durch die Stammvereine und die Trainingsbedingungen liege es hingegen nicht, betont der 33-Jährige. Vier Jahre steht Karsten Riedel nun an der Spitze der HSG Cluvenhagen/Langwedel. Es ist keine einfache Mission, die der Vermessungstechniker von seinem Vorgänger Lutz Hassing übernommen hat. Karsten Riedel schaut realistisch nach vorne: Man wolle den Fokus auf den Mini- und Maxibereich, die E-Jugend sowie den Seniorenbereich richten. Ab der D-Jugend gebe es eine Zusammenarbeit mit dem TSV Daverden. Den Klub aus der Nachbarschaft wollten die Verantwortlichen des MTV Langwedel und TSV Cluvenhagen bereits bei der Gründung mit ins Boot holen. Doch die Grün-Weißen sprachen sich gegen eine große Spielgemeinschaft im Flecken aus. Nach einer kleinen Durststrecke ist der Handball in Daverden inzwischen wieder im Aufwind. Allein 13 Jugendteams hatte der TSV in dieser Saison zum Spielbetrieb gemeldet. Von solch einer Zahl ist die HSG Cluvenhagen/Langwedel aktuell Lichtjahre entfernt.

Einst eine Talentschmiede

Dabei war die Spielgemeinschaft bis vor einigen Jahren eine regelrechte Talentschmiede. Akteure wie Noah Dreyer, Sören Hassing, Niklas Wehrkamp und Sebastian Bohling waren in Jugend-Bundesliga unterwegs. Allerdings nicht im Trikot der HSG Cluvenhagen/Langwedel. Torwart Bohling stand im Tor des HC Bremen. Dreyer, Hassing und Wehrkamp liefen im Jersey des TV Oyten unter Trainer Thomas Cordes gegen große Namen wie die Füchse Berlin, den THW Kiel und die SG Flensburg/Handewitt auf. Auch Sebastian Kohls war bei der Gründung der HSG Cluvenhagen/Langwedel im Boot. Kohls hatte den Posten des Jugendwartes von Klaus Focke übernommen, als Spieler war er ein Teil der zweiten Männermannschaft.

Es sei ein Start ohne Anlaufschwierigkeiten gewesen, erinnert sich der 43-Jährige an die Anfänge. „Wir hatten einen unfassbar guten Zusammenhalt und riesige Lust etwas voranzubringen“. Nachdem Sebastian Kohls als Trainer mit der weiblichen A-Jugend der HSG in der Saison 2001/2002 die Meisterschaft in der Verbandsliga gefeiert hatte, zog es ihn zum TV Oyten. Beim Nordkreisklub ging es für den in Schülingen wohnenden Trainer zügig voran auf der Karriereleiter – bis in die 2. Bundesliga der Frauen. Derweil leiteten bei der HSG Cluvenhagen/Langwedel Übungsleiter wie Jürgen Beinker, Stefan Seemann, Arvids Tjarve oder auch der viel zu früh verstorbene Thomas Ellendt die Geschicke im Männerbereich. In der Saison 2019/2020 war die HSG Cluvenhagen/Langwedel bei den Männern und Frauen mit zwei Teams auf Regionsebene vertreten.

Große Hoffnungen hätten auf dem starken Jahrgang 1984 geruht, erinnert sich Klaus Focke. Mit Youngstern wie Henning Meyer, Daniel Beinker und Stefan Focke sollte 2002 im Männerbereich ein Platz auf Bezirksebene gehalten werden. Doch es kam anders: Das Ziel wurde verfehlt, die junge Garde zog es zum TSV Daverden. Es sei ein Knackpunkt in der Historie der HSG gewesen, erzählt Klaus Focke. Trainer und Mitstreiter für die Vorstandsarbeit zu finden, sei zu einer großen Herausforderung geworden. Er selber habe teilweise mehrere Posten gleichzeitig innegehabt und dazu noch das Himmelfahrtsturnier organisiert. Heute ist Klaus Focke noch als Passwart dabei.

Schaut man auf die Historie der HSG Cluvenhagen/Langwedel, dann darf das Himmelfahrtsturnier nicht unerwähnt bleiben. Über ein halbes Jahrhundert hatte das Jugend-Event am Vatertag einen festen Platz im Terminkalender vieler Vereine. Zuletzt war der idyllisch gelegene Waldsportplatz in Cluvenhagen Austragungsstätte der Freiluft-Veranstaltung. Teams vom schwedischen Klub Lugi Lund oder aus dem polnischen Morag hatten dem Turnier viele Jahre einen internationalen Anstrich gegeben. 2019 musste das Himmelfahrtturnier erstmals ausfallen. Die Handball-Region Mitte Niedersachsen (HRMN) hatte ihren Tag der Handballjugend nur zwei Tage später angesetzt. Die Meldezahlen seien eingebrochen, erklärt Karsten Riedel. Zumindest habe man im Jahr 2017 noch das 50-jährige Jubiläum geschafft. Eine Wiederauflage sei nicht geplant. Karsten Riedel: „Der Aufwand lohnt sich nicht mehr. Wir werden das Turnier nicht mehr ausrichten.“ Zwei Jahre vor dem 25-jährigen Jubiläum macht die HSG Cluvenhagen/Langwedel keine einfachen Zeiten durch. Handball im Kreis Verden ohne zwei Standorte mit viel Tradition wie Langwedel und Cluvenhagen – das ist kaum vorstellbar. Man kann Karsten Riedel und seinen Mitstreitern nur wünschen, dass bald wieder bessere Tage kommen.

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Spielgemeinschaften gibt es im Handball viele. Manche sind erfolgreich, andere haben sich schon wieder aufgelöst. In unserer Serie „Gemeinsame Sache“ berichten wir über die Geschichten der Handball-Spielgemeinschaften im Landkreis Verden.

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