Das Interview

„Ich habe nicht so den Karriereplan“

Als jüngstes Ratsmitglied ist Lars-Henrik Haase nun Vorsitzender der größten Fraktion in Langwedel. Im Interview spricht er über das neue Amt und weshalb nur wenig jüngere Menschen in die Kommunalpolitik gehen.
16.10.2019, 16:27
Lesedauer: 4 Min
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„Ich habe nicht so den Karriereplan“
Von Marius Merle
„Ich habe nicht so den Karriereplan“

Natürlich auch Besitzer des klassischen roten SPD-Parteibuchs: Lars-Henrik Haase. Seit einigen Monaten ist der 32-Jährige Vorsitzender der Langwedeler Ratsfraktion der Sozialdemokraten.

Björn Hake

Rund vier Monate ist es nun her, dass Sie zum neuen SPD-Fraktionsvorsitzenden in Langwedel erkoren wurden und Volker Penczek abgelöst haben. Was hat sich seitdem in Ihrer politischen Arbeit verändert?

Lars-Henrik Haase: Einmal wird der Organisationsaufwand mehr, weil ich Termine koordinieren und abstimmen muss sowie die Mitglieder der Fraktion häufiger anspreche. Neu ist aber auch, in der Meinungsfindung im ersten Schritt zurückzutreten und erst die Äußerungen der anderen aufzunehmen, um dann vielleicht eine einheitliche Linie zu finden. Zudem werde ich häufiger von Bürgern angesprochen und die Einladungen, die ich erhalte, sind natürlich andere. Man ist nicht mehr „nur“ ein Ratsmitglied, sondern der Fraktionsvorsitzende.

Wie kam es dazu, dass Sie als jüngstes Fraktionsmitglied den Posten bekommen haben?

Es war definitiv kein Umsturz oder dergleichen. Warum es so kam, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht. Ich habe mich weder zu einer Kandidatur gedrängt, noch irgendwie gesagt, ich würde das gerne mal machen. Wir hatten schon am Anfang der Wahlperiode gesagt, dass wir zur Hälfte mal gucken. Volker Penczek ist auf mich zugekommen, weil ich ja vorher auch schon Stellvertreter war. Das hat ganz gut gepasst und daraus hat sich das nun entwickelt.

Wird es unter Ihnen größere Neuerungen in der Fraktionsarbeit geben?

Ich sehe nicht den Bedarf, etwas wesentlich zu verändern. Natürlich kann man immer gucken, wo noch ein bisschen nachgesteuert werden kann.

Sie sind auch das jüngste Mitglied im gesamten Gemeinderat, aber Vorsitzender der größten Fraktion. Braucht es zukünftig von Ihrer Seite besonders viel Durchsetzungsfähigkeit und Überzeugungsarbeit?

Ja klar, wir müssen in den Ausschüssen dafür sorgen, dass das, was wir vorher in der Fraktion besprochen haben, auch entsprechend dort eingebracht und im Rat entsprechend kommuniziert wird. Das ist natürlich die Aufgabe des Fraktionsvorsitzenden.

Wie würden Sie die Zusammenarbeit der Fraktionen in Langwedel beurteilen?

Natürlich gibt es mal unterschiedliche Auffassungen, aber insgesamt klappt sie super.

Wie sind Sie denn eigentlich zur Politik gekommen?

Der Einstieg war damals sicherlich die Teilnahme am Projekt „Jugend @ Langwedel“. Dadurch bin ich auch beratendes Mitglied im Jugend- und Sozialausschuss geworden. Im Anschluss habe ich bei dem Projekt „10 unter 25“ der SPD mitgemacht und bin mit meinem Vater zeitgleich dadurch zur Parteiarbeit gekommen. Den einen Moment oder Grund, den viele für den Schritt in die Politik haben, den hatte ich eigentlich nicht.

Was glauben Sie, warum so wenig andere aus Ihrer Altersgruppe diesen Weg gewählt haben?

Ich denke, für viele spielt es eine Rolle, Entscheidungen zu beeinflussen, die auch zeitnah eine Auswirkung haben. Wenn ich zum Beispiel in einem Verein tätig bin und die Fußballmannschaft wird sehr erfolgreich, dann kann ich die Verknüpfung zwischen meinem Wirken und dem Erfolg direkt sehen. Wenn ich in der Politik, selbst auf Gemeinderatsebene, tätig bin, habe ich nicht unbedingt diese Verknüpfung. Aber ich habe trotzdem einen regelmäßigen ehrenamtlichen Zeitaufwand und vielleicht ist das im ersten Moment nicht so attraktiv. Außerdem ist es wirklich schwer zu erklären, was Gemeindepolitik macht. Manche stellen sie sich vielleicht als zu umfassend und zu speziell vor. Im Gemeinderat geht es dabei um die Dinge, die vor Ort passieren. Ich muss also nicht alles wissen, das ist eigentlich das schöne. Aber das in die Bevölkerung – vor allem zu den Jüngeren – zu tragen, das ist schwierig.

Nun zeigt die Fridays-for-Future-Bewegung ja, dass jüngere Menschen durchaus Zeit aufwenden, um sich zu engagieren. Glauben Sie, dass diese Generation eventuell auch wieder mehr politisch aktiv sein wird?

Ich hoffe schon, habe aber die Befürchtung, dass es auf dieses eine Thema reduziert bleibt. Und das ist deshalb schade, weil sich jetzt wirklich viele Leute Gedanken darüber machen, wie sich der Klimawandel beeinflussen lässt. Wenn es um das Thema vielleicht ein bisschen ruhiger wird, besteht die Gefahr, die vielen Menschen, die Politik gerade kennengelernt haben, für die politische Arbeit wieder zu verlieren.

Was kann denn der Flecken Langwedel eigentlich in Sachen Klimawandel bewirken?

Die Kommune ist ein großer Anbieter von Infrastruktur. Am Etelser Bahnhof wird gerade die Park&Ride-Anlage ausgebaut, was für mich eine Förderung des öffentlichen Nahverkehrs ist. Die Barrierefreiheit von Bushaltestellen herstellen, ist ein weiterer Schritt. Gleichzeitig haben wir auch viele kommunale Gebäude, von Kindergärten, über Schulen, bis zum Rathaus. Alles Gebäude, die Energie verbrauchen und bei denen man schauen muss, wie man den Verbrauch reduzieren kann. Außerdem kann der Flecken natürlich schauen, wo Ausgleichsflächen geschaffen oder Blühwiesen angelegt werden können. Das sind denke ich die Bereiche, wo die Gemeinde direkt Einfluss nehmen kann.

Gebäude energetisch zu sanieren, kostet natürlich auch einiges an Geld. Nun steht der Flecken Langwedel in den kommenden Jahren vor der Aufgabe, die durch den Schulneubau entstandenen Schulden abzubauen. Steht der Gemeinde ein finanzieller Drahtseilakt bevor?

Natürlich müssen wird den Schulneubau in den nächsten Jahren „verdauen“. Zusätzlich haben wir andere Baustellen, die nicht weniger drängend sind. Wir werden im Krippen- und Feuerwehrbereich etwa noch einiges machen müssen. Das werden Herausforderungen sein, die personell durch das Rathaus, aber auch finanziell umgesetzt werden müssen. Immer vor dem Hintergrund, wie es mit den Steuereinnahmen weiter geht. Wenn es so weitergehen würde wie bisher, würde das wahrscheinlich gut laufen. Wenn nicht, dann sieht es natürlich anders aus. Panik sollte man aber nicht entwickeln.

Kommen wir am Ende noch einmal zu Ihrer Person: Ist mit dem Amt des SPD-Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat auch erst einmal das Ende der politischen Karriereleiter erreicht oder gibt es für die Zukunft noch weitere Ambitionen?

Ich habe nicht so den Karriereplan, den ich verfolge – weder beruflich, noch politisch. Es muss sich alles ergeben und passen. Wenn irgendwann mal die Möglichkeit besteht, zum Beispiel im Kreistag etwas zu machen und ich habe Lust und Zeit dazu, warum sollte man das ausschließen? Aber sich jetzt festzulegen, das halte ich nicht für sinnvoll. Besonders in der Politik nicht, weil man dann vielleicht nicht mehr frei sagt, was man denkt, sondern immer im Hinterkopf hat, ob es mehrheitsfähig ist und gesagt werden sollte. Und diese Freiheit, frei heraus zu sagen, was ich denke, die würde ich mir gerne weiter nehmen.

Das Interview führte Marius Merle.

Info

Zur Person

Lars-Henrik Haase (32)

ist beruflich als Prüfer beim Rechnungshof in Bremen tätig. Er ist verheiratet und lebt mit seiner Frau und einem Kind in Etelsen. Seit 2011 sitzt er für die SPD im Langwedeler Gemeinderat.

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