Konzert in Daverden

Überzeugend trotz Nervosität

Sie gaben zu, dass sie etwas nervös waren. Dennoch wusste das Benny Grenz Trio mit Sängerin Gabriela Koch in der Daverdener Kirche zu überzeugen.
18.10.2020, 16:39
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Von Susanne Ehrlich
Überzeugend trotz Nervosität

Musik in besonderer Atmosphäre: Das Benny Grenz Trio mit Sängerin Gabriela Koch gab ein Konzert in der Daverdener Kirche.

Björn Hake

Mit einem Konzert des „Benny Grenz Trios“ in der Daverdener Kirche St. Sigismund am Freitagabend trotzten die Organisatoren vom Verein für Kultur und Geschichte Daverden dem kulturfeindlichen Virus. Mitreißender Sound bei gebotenem Abstand, wippende Füße und gute Laune im Publikum bestätigen den Veranstaltern, dass es jede Mühe wert ist, dieser unfreundlichen Zeit ein paar unbeschwerte musikalische Momente abzuringen.

„Wir sind sehr aufgeregt“, bekannte der Fischerhuder Jazzpianist Benny Grenz, „unser letztes Konzert war im Februar!“ Und auch Sängerin Gabriela Koch aus Detmold, die das Trio seit etwa 15 Jahren in ungezählten Auftritten zum Quartett werden ließ, erklärte, dass sie „ein bisschen aus der Übung“ sei. Das Trio, das neben Benny Grenz am Keyboard aus dem Bassisten Marion Emde und dem Drummer Julian Nicolaus besteht, spielte eine kleine instrumentale Ouvertüre, bevor es mit Sinatras „Emily“ zum ersten Mal sehr emotional wurde.

Kochs weiche, bewegliche Stimme ergänzte das ausgefeilte Jazz-Arrangement ganz ideal. „Ich freue mich über viele bekannte Gesichter vom Bandworkshop“, freute sich die Jazzgesangs-Dozentin, die ebenso wie das Trio regelmäßig bei den „Jugend jazzt“-Workshops im Verdener Domgymnasium dabei ist. Mit dem Fitzgerald-Song „The Nearness of You“ ließ sie dann das Publikum zumindest innerlich schön nahe zusammenrücken, bevor sie zu ihrer Flöte griff und sich mit Carlos Antonio Jobims Song „Chega de Saudade“ als ebenso großartige Flötistin erwies.

Abwechselnde Gesangs- und Instrumentalstrophen mit wunderschön weit geschwungenen melodischen Bögen zauberten das erregende Flair einer brasilianischen Sommernacht hervor. Mit Benny Goodmans „Stomping at the Savoy“ wurde der Sängerin eine kleine Auszeit gegönnt, während sich das Trio mit jeder Menge solistischer Feinarbeit umso mehr ins Zeug legte und das Publikum, das auf den Kirchenbänken nur so leidenschaftlich wippte, zu jubelndem Beifall brachte.

Immer wieder faszinierte die Kunst der Musiker, einen winzigen Bruchteil eines Intervalls unter der Harmonie hindurchzusegeln, womit sie aufregende, schmetterlingsflügelzarte Reibungen erschufen. Mario Emde ließ seinem Bass gedämpfte, virtuose Klangkaskaden entströmen, schlug ihn wie ein Percussion-Instrument oder ließ ihn artikuliert und ein wenig heiser zu einer menschlichen Stimme werden. Julian Nicolaus brachte die Kunst, das Schlagzeug zu streicheln, zur Perfektion. Er erschuf einen gleichbleibend lebendigen, pulsierende Groove ohne jede Hektik und Schärfe.

Auch mit mehreren Eigenkompositionen von Benny Grenz, wie zum Beispiel der düsteren Ballade „La mer“ nach dem gleichnamigen Gedicht von Oscar Wilde, konnte das Ensemble die Besucher rundum überzeugen. Mit einer langen Solopassage in Kurt Weills „This is New“ ließ Gabriela Koch ihre Flöte in bruchlos weichem Melodiefluss wie ein Saxofon klingen, und mit Ella Fitzgeralds „Taking a Chance on Love“ und Nat King Coles „Orange Coloured Sky“ wurden die Zuhörer dann ein letztes Mal mit großem Jazz-Evergreen-Sound verwöhnt. Mit begeistertem Beifall dankte das Publikum für diese trotz Corona-bedingter Kürze prall gefüllte, swingende Jazz-Wundertüte.

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