Kampf gegen Corona bei Stiftung Waldheim

Mitten im „Langstreckenlauf“

Fast 160 Personen haben sich binnen der vergangenen acht Tage im Landkreis Verden nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Alleine rund 40 davon sind Bewohner und Mitarbeiter der Stiftung Waldheim.
23.10.2020, 16:57
Lesedauer: 3 Min
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Mitten im „Langstreckenlauf“
Von Marius Merle

Die Corona-Fallzahlen sind im Landkreis Verden in dieser Woche durch die Decke gegangen. Lag der Inzidenzwert (Fälle der letzten sieben Tage bezogen auf 100 000 Einwohner) Ende vergangener Woche noch bei 27,7, ist er inzwischen auf 97,0 angestiegen – Stand Freitagmorgen, 8 Uhr. Von Donnerstagnachmittag bis Freitagnachmittag verzeichnete das Gesundheitsamt eine Zunahme um 32 Fälle: 18 Frauen und 14 Männer, 20 von ihnen aus dem Nordkreis, 12 aus dem Südkreis. Damit sind im Landkreis insgesamt 580 Personen nachweislich positiv auf das Coronavirus getestet. 140 von ihnen während der vergangenen sieben Tage.

Gut 40 dieser positiv Getesteten sind Bewohner oder Mitarbeiter der Stiftung Waldheim. „Obwohl wir seit sieben Monaten geübt sind, mit Pandemieplan und Hygie­nekonzepten zu arbeiten, wurde das Virus eingetragen – offensichtlich aus einem Wohnbereich über die Tagesförderstätten in wei­tere Wohngemeinschaften“, berichtet Carl-Georg Issing, Vorstandsmitglied der Stiftung Waldheim. Angesichts derzeit noch täglich erfolgender neuer Testreihen rechnet er auch mit weiteren positiven Ergebnissen. Bei der Infektionsbekämpfung in der Einrichtung handele es sich um einen „Langstreckenlauf“. „Realistisch müssen wir bei der Größe der Einrich­tung mit 350 Bewohnern in über 40 Wohngemeinschaften davon ausgehen, dass diese Aufgabe noch über viele Wochen unsere allererste Pflicht ist“, betont Issing. Immerhin handele es sich sowohl bei den Bewohnern als auch bei den Mitarbeitern um eher milde Krankheitsverläufe. Derzeit sind laut Issing eher junge Menschen mit einer Behinderung betroffen.

Arbeitsintensive Tage

Sehr arbeitsintensive und anstrengende Tage liegen hinter und noch vor dem Vorstandsmitglied und seinem Team. „Wir müssen feststellen, dass sich das Pandemiegeschehen in einer Einrichtung für Men­schen mit einer Behinderung anders darstellt als in einer Altenpflegeeinrichtung“, erläutert Issing. Menschen mit einer geistigen Behinderung falle es mitunter schwer, die AHA-Regeln zu verstehen, auch wenn diese über Methoden der unterstützten Kommunikation vermittelt wer­den.

„Ein Weiteres ist es dann, diese Regelungen verlässlich umzusetzen“, merkt Issing an. Denn die Bewoh­ner pflegen in der Regel viele soziale Kontakte. Selbstverständlich verlassen die Bewohner zudem regelmäßig die Einrichtung, um ihre Familien zu besuchen oder einzukaufen. „Für alle diese Aktionen sehen unsere Hygienekon­zepte Verhaltensweisen vor. Insbesondere wird das Verlassen der Einrichtung regelmäßig von Mitarbeitern begleitet“, schildert Issing.

Drei Quarantänebereiche

An der Seite des Gesundheitsamtes des Landkreises Verden wurden von der Stiftung Waldheim in einem „sehr kooperativen Miteinander“ Maßnahmen erarbeitet und umgesetzt, um das Infektionsgesche­hen zu begrenzen und möglichst keine weiteren Infektionsketten entstehen zu lassen. „Im Wohnbereich der Stiftung Waldheim wurden bislang insgesamt drei Quarantänebereiche ausgebildet. Einer davon befindet sich auf dem Stiftungsgelände in Cluvenhagen. Zwei wei­tere sind außerhalb des Geländes“, erzählt Issing. Die Bewohner halten sich momentan konsequent in ihren Wohngemeinschaften auf, es finden keine Werkstatt- oder Tagesförderstätten-Besuche statt. Das Vorstandsmitglied spricht daher von einem „Shutdown in der Einrich­tung“.

„Wir haben allerhöchsten Respekt vor den Mitarbeitern, die in Infek­tionsbereichen arbeiten“, möchte Issing weiter betont haben. Personalengpässe seien aber nicht zu verhindern. Denn positiv getestete Mitarbeiter müssen ihre Arbeitsplätze verlassen. Andere haben Vorerkrankungen oder gehören zu Risikogrup­pen. Für sie müssen möglichst betreuungsferne Tätigkeiten gefunden werden. Täglich müssen Dienstpläne neu abgestimmt werden. „Aber wir erleben auch Mitarbeiter, die freie Tage oder Urlaube verschieben, um die Lücken im Dienstplan zu schließen“, zeigt sich Issing erfreut. Diese Bereitschaft im Team und die gute Unterstützung des Gesundheitsamtes stimmt ihn zuversichtlich: „Gemeinsam schaffen wir das!“

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