Nach Ankündigung von Wintershall Dea

Politiker gegen Fortsetzung der Erdgasförderung bis 2036

Der Entschluss der Firma wird von vielen Politikern als positiv bewertet. Trotzdem fordert die CDU weiterhin einen schnelleren Ausstieg aus der Erdgasförderung im Raum Verden.
06.12.2019, 21:36
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Politiker gegen Fortsetzung der Erdgasförderung bis 2036
Von Jörn Dirk Zweibrock
Politiker gegen Fortsetzung der Erdgasförderung bis 2036

Das rote X: Mit dem Protestsymbol demonstrieren Anwohner gegen die Erdgasförderung.

Björn Hake

Nach der Ankündigung des Energieversorgers Wintershall Dea, die Produktion aus den beiden Erdgasfeldern Völkersen und Völkersen-Nord nicht weiter auszubauen, melden sich nun zahlreiche Landes- und Kommunalpolitiker zu Wort. Tenor: Sie werten den Vorstoß des Hamburger Unternehmens zwar als ersten Schritt in die richtige Richtung, allerdings geht ihnen dieser nicht weit genug.

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So plädiert Christdemokrat Axel Miesner, der als Osterholzer Landtagsabgeordneter auch für den Verdener Nordkreis zuständig ist, gleich für einen kompletten Ausstieg aus der Erdgasförderung im Raum Verden. Er stört sich daran, dass die Dea die bestehende Förderung bis zum Jahr 2036 fortführen will. „17 Jahre sind eine lange Zeit, in der viel passieren kann“, verweist der Parlamentarier auf die Folgen der Erdgasförderung. Er führt in diesem Zusammenhang neben den Erdbeben auch Krebsfälle und Umweltverschmutzungen an. „Die Dea wäre gut beraten, gegenüber den Menschen einzugestehen, dass die Erdgasförderung in unseren Regionen keine Zukunft mehr hat“, betont Miesner.

SPD-Landtagsabgeordnete fordert Bohrung aufzugeben

Der Verdener Landtagsabgeordneten Dörte Liebetruth (SPD) liegt vor allem der Trinkwasserschutz am Herzen: „Das Unternehmen muss endlich seine Pläne für die neue Bohrung Z 12 im Verdener Wasserschutzgebiet Panzenberg ersatzlos aufgeben. Alles andere wäre unglaubwürdig. Denn bei der geplanten neuen Bohrung handelt es sich zweifellos um ei­nen weiteren Ausbau der Erdgasproduktion im Erdgasfeld Völkersen.“ Die Sozialdemokratin erinnert daran, dass im Panzenberg be­reits große Mengen Lagerstättenwasser unweit eines Trinkwasserbrunnens verpresst wurden. Auf ihre Anregung hin haben die Regierungsfraktionen SPD und CDU im Niedersächsischen Landtag einen Antrag eingebracht, demzufolge die Große Koalition in Hannover wirksame Vorhaben gegen Erdbeben vorlegen soll.

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Wilhelm Hogrefe, Vorsitzender der CDU-­Fraktion im Verdener Kreistag, will sich im Kreistag für einen geregelten Ausstieg aus der Gasförderung einsetzen. Die entsprechende Kreistagsentschließung solle möglichst noch in diesem Jahr beschlossen werden. Dem Konservativen schwebt ein Ausstiegsszenario nach Groninger Modell vor. Nachdem es in der niederländischen Provinz – bedingt durch die Gasförderung – zu immer stärkeren Beben gekommen ist, hat die Regierung in Den Haag beim Ausstieg aufs Tempo gedrückt. Anvisiert wird dort mittlerweile 2022 statt, wie ursprünglich geplant, erst 2030. Allerdings hatte Andreas Sikorski, Präsident des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (Genehmigungsbehörde), beim Termin in Kirchlinteln einen Vergleich mit dem Nachbarland ausgeschlossen.

100 Erdbeben seit 1977 in Niedersachsen

Bei der Informationsveranstaltung zur Schadensregulierung – Kirchlinteln lag im Epizentrum der beiden jüngsten Beben – hatte Monika Bischoff vom Niedersächsischen Erdbebendienst am Donnerstagabend erläutert, dass es seit 1977 rund 100 Erdbeben im Bundesland gegeben habe. Die stärksten haben sich ihr zufolge bei Rotenburg (Lokalmagnitude 4,5) und Soltau (4,0) ereignet.

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Gut ein Drittel der gemeldeten rund 500 Schäden hat der Versorger nach Worten seines Deutschland-Chefs Dirk Warzecha bereits reguliert. Dass weitere Erdstöße in der Region Verden folgen könnten, kann Seismologin Monika Bischoff nicht verneinen.

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