„Völkser Platt“ auf der Bühne Ruhiges Rentnerleben? Von wegen!

Der Theaterverein „Völkser Platt“ hat mit der Aufführung des Stücks „Mien Fro, mien Hobby und ik“ für viele Lacher im Publikum gesorgt und auch gezeigt, dass das Rentnerleben nicht immer ganz einfach ist.
07.02.2019, 16:47
Lesedauer: 3 Min
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Ruhiges Rentnerleben? Von wegen!
Von Jürgen Juschkat

Mit dem plattdeutschen Dreiakter „Mien Fro, mien Hobby und ik“ von Betti und Karl-Heinz Lind haben die Laien-Schauspieler des Theatervereins „Völkser Platt“ am Mittwochabend ihr Publikum im Waller Dörpshus immer wieder zum Lachen gebracht wurde. Ab dem kommenden Sonntag stehen an gleicher Stelle zehn weitere Vorstellungen auf dem Programm, die allesamt ausverkauft sind.

„Oh, Se sünd ja ok al dor. Alltohoop kamen, 'ne Kummedie to sehn, wat? Deit mit leed, man dor warrt nix ut.“ Mit diesen Worten begrüßte Uwe Behrmann, der Anton Kopp spielt, das Publikum noch bevor der Vorhang aufging. „Dat warrt nämlich 'n Drama. Un wat för een Drama“, fuhr er fort. Und tatsächlich, die Komödie entwickelte sich tatsächlich zu einem Drama mit vielen Missverständnissen.

In dem Sechs-Personen-Stück drehte sich – wie es der plattdeutsche Titel schon aussagt – alles um Helga Kopp (gespielt von Jana Wöhler), das Hobby von Anton Kopp und um ihn selbst. Auf der Bühne mit den drei Türen bildete ein knallrotes Sofa den Mittelpunkt im Wohnzimmer. Der Herr des Hauses, der das Rentnerleben vor Augen hat, freute sich schon riesig auf diese Zeit, weil er dann ausschlafen, den ganzen Tag faulenzen, aber auch schlemmen und seine Bierchen trinken kann. Diese Vorzüge wollte er bereits vorher genießen.

Familie auf Diät gesetzt

Das passte der Gattin aber gar nicht. Sie setzte die Familie auf Diät. Der Mann aber sperrte sich dagegen, denn Salat ist nun wirklich nicht sein Ding. „Freet doch nich de Kaninken ehr Fudder weg“, sagte er. Für Erheiterung sorgte auch der Kleidungswechsel beim Hausherrn, denn Bertha Brede (Stefanie Bokeloh-Brischke) trat als Helgas Freundin oft zu einem ungünstigen Zeitpunkt ins Zimmer. Das Publikum lachte kräftig über diese peinlichen Szenen mit dem Mann in „Reizwäsche“.

Bertha Brede ist an Männern unterversorgt und suchte übers Internet einen passenden Partner. Bereits Nutzername und Passwort sorgten für weitere Erheiterung. Und dann ganz besonders die Antworten im Chat-Room „Doppelherz“, den Kopp-Tochter Sophie (Lisa Mattfeldt-Köster) – oft mit ihrem Handy beschäftigt – für die etwas naive Dame besten Alters öffnete. Dann wurde der offenbar „Richtige“ gefunden und ein Treffen vereinbart. Erkennungszeichen war eine weiße Nelke. Was die Tochter vermutete, ist tatsächlich so. Vater Anton Kopp – eigentlich ein Computer-Hasser – hatte sich auch im Chat angemeldet. Mehr wird an dieser Stelle aber nicht verraten.

Sportlich wurde es dann im zweiten Akt, denn die Pfunde sollten bei Helga und Anton Kopp purzeln, damit Fettpolster und Bierbauch verschwinden. Im schwarz-roten Trainingsanzug und mit rotem Stirnband joggten die beiden durch die Zuschauerreihen und verdienten sich so den Respekt des Publikums. Ein Hobby legte Anton Kopp sich auch zu. Die Trompete sollte es sein. Die nannte er „Klara“. Das hatte Folgen, wie sich im weiteren Verlauf der Aufführung herausstellte. Das Blechblasinstrument wurde nämlich von einer großen Gestalt entführt und deshalb die Polizei eingeschaltet, die in Person von Kommissar Andreas Brahms (Andreas Noltemeyer) erschien. Letzterer brachte seinen stotternden Assistenten Harry Hirsch (Maik Scharnhusen) mit.

Missverständnisse sorgen für Lacher

Reihenweise keimten Missverständnisse auf, zumal Anton Kopp von seinem Instrument „Klara“ sprach und die Polizei von einer weiblichen Person ausging, die verschwunden war. Der Hausherr wollte eigentlich mit einem Freund zusammenspielen, der seine Tuba „Dicke Berta“ nannte. Aber daraus wurde nun nichts mehr, aber es sorgte für weitere Unklarheiten. Auch das floss in die Ermittlungen mit ein. Die Ventile nannte Anton Kopp „drei Nippel“, ohne Scham wurde erzählt, dass „Klara“ sogar nachts im Ehebett in der Besucherritze liege. Als der Kommissar eine passende Formulierung aussprach, da glaubte Kopp-Freundin Bertha, den richtigen Mann aus dem Internet vor sich zu haben. Diese Angelegenheit lief aber in andere Bahnen.

Der Theaterverein „Völkser Platt“, der seit Anfang September geprobt hat und zwei Tage vor dem Auftakt eine Vor-Premiere vor einigen der 90 Mitglieder feierte, landete mit diesem Drei-Akter einen Volltreffer. Neben Meyers Assistentin Ilse Meinken sind Ingrid Heimsoth als Souffleuse sowie Elisabeth Poetukat, Christel Meyer, Christina Fehsenfeld und Almut Aßmann (alle für die Maske) im Einsatz. Für die Bühne ist Hartmut Struhs verantwortlich, Rainer Labrenz und Rainer Scharnhusen kümmern sich um die Technik, Jutta Kastens und Bernd Galensa um die Requisiten.

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