Sommerkonzerte in Etelsen

Von verlorener Liebe

Theresa Pilsl und Daniel Gerzenberg sorgten für einen überzeugenden Auftakt der diesjährigen Sommerkonzerte im Schloss Etelsen. Das Duo präsentierte Lieder rund um Themen wie Abschied und verlorene Liebe.
26.05.2019, 16:56
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Von Wilfried Adelmann
Von verlorener Liebe

Dreifacher Auftritt am Wochenende im Schloss Etelsen: Sopranistin Theresa Pilsl begeisterte mit ihrer Stimme, für die Klänge sorgte Daniel Gerzenberg am Klavier.

Björn Hake

Es war ein Erlebnis, das Duo Theresa Pilsl und Daniel Gerzenberg zur Auftaktveranstaltung der diesjährigen Sommerkonzerte im Etelser Schloss mit seinem Liederabend zu hören. Der kleine Saal im Schloss war fast um einige Nummern zu klein, um solch eine Stimme wie die von Theresa Pilsl aufzunehmen. Ihr Sopran ließ förmlich die Lüster an der Decke erzittern. Mit ihrem zarten Vibrato konnte die Künstlerin aber auch die Facetten der Kristallleuchter zum Strahlen bringen.

Johannes Mnich, der Organisator der Klassikreihe, sprach ein paar einleitende Worte und verwies, vielleicht etwas deplatziert, auf die Konkurrenz durch das DFB-Pokalfinale an diesem Abend. Er machte auf die Möglichkeit aufmerksam, dass nach dem Konzert noch die Chance bestände, wenigstens die zweite Halbzeit erleben zu können. Sein humorvoll gedachter Eventvergleich stieß bei den Konzertbesuchern jedoch kaum auf Verständnis, da bei einem klassischen Liederabend die Besucher sicherlich selten die Qual der Wahl empfinden.

Eine kleine Zeitreise

Die kammerorchestrale Atmosphäre des Saales im Schloss Etelsen war eine kleine Zeitreise ins 19. Jahrhundert. Mit Stuckfiguren an der Decke und dezenten Goldapplikationen unterstützt dieser kleine Aufführungsort mehr das stille, behutsame Lied. Und so kamen dann auch die differenzierten, gefühlvollen Töne von Theresa Pilsl am eindringlichsten bei den Gästen des Auftaktkonzertes an. Die „weiche Hand“ des Pianisten Gerzenberg unterstrich den Charakter der Kunstlieder, konnte aber auch „hart zuschlagen“, wenn es darum ging, den klaren, kräftigen Sopran von Pilsl mit dramatischer Lautstärke noch zu steigern.

Wie von Mnich am Anfang erläuterte, ging es in den ausgewählten Liedern des Duos um Themen wie Abschied und verlorene Liebe, die durch die verschiedenen Komponisten bearbeitet wurden. Den Anfang machte Claude Debussy mit „Nuit d'etoiles“. Es folgten Robert und Clara Schumann mit ihren eindringlichen Liedern. Das Konzert war in drei Blöcke unterteilt, die unter anderen mit Franz Schubert und Vaughan Williams gefüllt wurden. Mnich gab zwischen den Blöcken unterhaltsame Erläuterungen zum Besten und wies darauf hin, dass die Stücke nicht nach Liste abgesungen würden, sondern eine Mischung von den beiden Interpreten erstellt worden war, die auch Improvisationen zuließen. So gab es ein Gedicht von Gerzenberg, der auch als Schauspieler und Rezitator arbeitet, das von ihm selbst vorgetragen und danach durch Pilsl neu interpretiert wurde.

Intensives Mitgehen der Künstler

Diese Form der Darbietung, klassische Kunstlieder mit zeitgenössischen Ansätzen zu ergänzen, machte diesen Liederabend zu einer spannenden Veranstaltung. Das intensive Mitgehen beider Künstler mit den Musiken und den Inhalten der Lieder berührte die Zuhörer sichtlich und ein lebhafter Applaus veranlasste das Duo, eine kleine Zugabe als Schlusspunkt des Abends zu setzen, um dann hinterher bei einem Glas Wein den Gästen für Gespräche zur Verfügung zu stehen.

Das Auftaktkonzert der Sommerkonzerte in Etelsen war gelungen und von den teils melancholischen Liedern wehte noch ein Nachklang um die prächtigen Kristallleuchter des kleinen Saales, die zwar an diesem Liederabend manchmal gezittert hatten, aber ganz geblieben waren und weiterhin in ihren Facetten die Vielschichtigkeit der klassischen Kunstlieder zeigen werden. So wie auch das beeindruckende letzte Lied des Abends von Gustav Mahler, „Ich bin der Welt abhandengekommen“, zwar einen Künstler in seiner selbst gewählten Einsamkeit beschreibt, aber die Traurigkeit zum Himmel der Hoffnung emporsteigen lässt, in dem sich der Regen sammelt, um auf die Erde zu tropfen und sie neu zu befruchten.

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