Geschäftsbericht übers Radhaus

Weg vom Saisongeschäft

Seit 1933 gibt es in Langwedel schon Behrmann's Radhaus, Holger Behrmann leitet die Geschicke in dritter Generation. Eine vierte wird es jedoch sehr wahrscheinlich nicht geben.
18.02.2020, 05:49
Lesedauer: 3 Min
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Von Gisela Enders
Weg vom Saisongeschäft

Ruhestand noch nicht in Sicht: Auch mit fast 65 Jahren ist Holger Behrmann noch gerne in seinem Fahrradgeschäft in Langwedel am Arbeiten.

Björn Hake

Gar nicht so selten komme es mittlerweile vor, dass Zweitwagen zugunsten von E-Bikes abgeschafft würden, beschreibt Holger Behrmann einen Trend mit zunehmender Tendenz. Die Gründe dafür seien häufig im wirtschaftlichen Bereich zu sehen; auch der Umweltgedanke mische inzwischen mit. „Zahlreiche Kunden, deren Arbeitsplatz nicht allzu weit entfernt liegt, verbinden daher oft das Notwendige mit dem Nützlichen und strampeln durch die frische Luft ihrem Schreibtisch entgegen – immer mit eingebautem Rückenwind. „Von Schnee und Eis bleiben wir ja zunehmend verschont“, freut sich der Inhaber des Fahrradhauses, zudem schütze hochwertige Wetterbekleidung auch Anzug und Kostüm.

Bis ins Jahr 1933 lässt sich die Geschichte des Langwedeler Traditionsbetriebes zurückverfolgen. Gegründet wurde er von Großvater Heinrich, der, unterstützt von Ehefrau Emmi, gleichzeitig mit Kohle handelte und aus der guten Stube heraus Fahrräder verkaufte. Reparaturarbeiten an den Drahteseln erledigte der gelernte Schmied nach Feierabend und an den Wochenenden.

Heizöl statt Brikett und Co.

Etwa drei Jahrzehnte später übernahm Sohn Horst, stellte von Brikett und Co. auf Heizöl um, und legte die Geschicke der Firma 1989 wiederum in die Hände seines Sohnes, nachdem dieser sich entschieden hatte, seinen Traum vom Architekturstudium zugunsten des elterlichen Geschäftes aufzugeben. Gleichberechtigt mit den Brennstoffen sicherten Fahrradverkauf und -reparatur zu jeder Zeit den Unterhalt der Familie.

„Bis wir uns 1998 wegen Platzmangels zum Kauf des Gebäudes an der Großen Straße entschieden, fanden Handel und Reparaturen im nahen Herrenkamp statt“, erinnert sich der Firmenchef. Waren Lager und Werkstatt im Erdgeschoss untergebracht, dienten die oberen Stockwerke als Wohnraum für drei Generationen. „Der Zusammenhalt war groß, und jeder hat angepackt, wo es erforderlich war.“

Dem Umzug in die neuen Räume gingen Umbauten voran, die durch die vorherige Nutzung des Hauses als Bäckerei erforderlich geworden waren. Im März 1999 gelang dann mit Unterstützung des inzwischen verrenteten Vaters die Neueröffnung, und in den großflächigen Lager- und Verkaufsräumen sowie in der offenen Werkstatt herrscht seitdem geschäftiges Treiben. Obwohl der Brennstoffhandel inzwischen aufgegeben wurde, beschäftigt Holger Behrmann seit einiger Zeit drei Mitarbeiter, die ihrem Chef mit Fachwissen und handwerklichem Geschick zu Seite stehen. „Die Chemie stimmt“, zeigt sich Behrmann froh über das gute Miteinander seiner Leute, von denen zwei in Teilzeit beschäftigt sind. In Kursen, angeboten vom Großhandel, saugen die Männer Spezialkenntnisse auf, die es ihnen ermöglichen, mit der ständigen Weiterentwicklung der Fahrradbranche Schritt zu halten.

Kein Gedanke an Ruhestand

Auf seinen Ruhestand verschwendet Behrmann zurzeit noch keinen Gedanken; er hält sich fit und die Arbeit macht Spaß. Als beklagenswert empfindet der fast 65-Jährige jedoch den enormen Aufwand, den der leider unumgängliche Bürojob inzwischen mit sich bringt. Unterstützt wird er da von Ehefrau Elke, die ihm „die Buchhaltung vom Halse hält“ und darüber hinaus fast alles übernimmt, was mit der Verwaltung zu tun hat.

Wer glaubt, dass bald wiederum einer der Söhne in die Fußstapfen des erfolgreichen Vaters treten wird, der irrt. „Unsere Jungs hatten andere Ziele“, verrät Behrmann, und er könne es ihnen nicht verdenken. Gehe Henning in seiner Arbeit als Spediteur auf, habe Tim sich für den Schiffbau entschieden. So verfolge er weiterhin selbst die Geschäftsentwicklung, die eindeutig weg vom Normalrad (40 Prozent) zum hochtechnisierten Elektromodell (60 Prozent) tendiere. Mindestens 2000 Euro müsse man im Übrigen dafür investieren, und wer Komfort wolle, müsse noch einen Tausender drauflegen. Als interessant in diesem Zusammenhang beschreibt Behrmann ein Leasingmodell, das über den Arbeitnehmer realisiert werden könne. „Das funktioniert so ähnlich wie ein Firmenwagen, und immer mehr meist junge Leute machen inzwischen Gebrauch davon.“

War das Fahrradgeschäft bislang eher ein Saisongeschäft, hat sich das Bild grundlegend gewandelt. Die milden Winter laden zu ganzjährigem Einsatz der E-Bikes ein, deren Reichweite zwischen 60 und 180 Kilometern liegt. Berücksichtige man die unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen, ergebe sich jeweils ein ziemlich hoher Beratungsaufwand, weiß Behrmann. Schade findet er es deshalb, wenn sich die durch ihn Informierten später für eine Bestellung über das Internet entschieden.

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