Handball-Landesliga

„Wir haben einen Glücksgriff gemacht“

Ruben Zeidler wollte vor dieser Saison eigentlich zurücktreten. Jetzt steht er mit TSV Daverden auf Rang eins. Im Interview spricht er über den Erfolg.
27.11.2018, 19:30
Lesedauer: 3 Min
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„Wir haben einen Glücksgriff gemacht“
Von Florian Cordes
„Wir haben einen Glücksgriff gemacht“

Ruben Zeidler wollte eigentlich nicht mehr für den TSV Daverden in der Landesliga spielen, hat sich dann aber doch anders entschieden. Nun liebäugelt er mit einem Abschied als Aufsteiger.

Focke Strangmann
Herr Zeidler, eigentlich wollten Sie in dieser Saison nicht mehr für den TSV Daverden in der Landesliga auflaufen. Jetzt stehen Sie mit dem Team auf Rang eins. Wahrscheinlich sind Sie derzeit ziemlich glücklich, dass Sie sich im Sommer doch für den Rücktritt vom Rücktritt entschieden haben, oder?

Ruben Zeidler: Ja, meine Entscheidung war wohl nicht die schlechteste (schmunzelt). Es macht mir zurzeit sehr viel Spaß, mit unserer jungen Mannschaft zu spielen. Ich bin zwar nicht immer beim Training dabei, aber das hatte ich ja schon vorher angekündigt. Spaß macht es vor allem deshalb, weil wir noch schneller geworden sind. Man muss aber bedenken, dass wir eine junge Mannschaft haben. Es gilt abzuwarten, ob wir das alles bis zum Ende der Saison und gegen jeden Gegner durchziehen können. Derzeit sieht es gut aus. Aber wir haben in einigen Bereichen auch noch großen Nachholbedarf.

Können Sie Beispiele nennen, in denen sich die Mannschaft noch verbessern muss?

Im Angriff können wir im Druckspiel sicherlich noch besser werden. Es muss uns gelingen, dass alle sechs Spieler in der Offensive Lücken reißen. Das würde uns noch gefährlicher machen. Und natürlich gibt es in der Abwehr noch etwas zu tun. Teilweise stehen wir in der Deckung schon richtig gut. Dann gibt es aber auch Partien, in denen man deutlich sieht, dass den jungen Spielern die Erfahrung fehlt. Unser Trainer Ingo Ehlers legt den Fokus schon sehr auf die Abwehr. Das macht er richtig gut. Ich finde es auch toll, dass er nach seinem Antritt zu dieser Saison nicht alles umgeworfen hat.

Daniel Beinker hat sich nicht zum Rücktritt vom Rücktritt entschieden. Sie sind somit der letzte „alte Hase“ im Team. Wir würden Sie Ihre Rolle innerhalb der Mannschaft beschreiben?

Hin und wieder bin ich ja auch noch auf der Platte gefragt (lacht). Aber ich sehe mich schon als einen Ansprechpartner zwischen Trainer und Team. Ich bin auch dafür da, mit den jungen Spielern in brenzligen Situationen zu reden. So häufig muss ich das aber gar nicht tun. Denn mit Simon Bodenstab, Boyke Wilkens oder auch Sören Schmincke sind noch andere Jungs im Team, die schon einiges erlebt haben. Ich habe ihnen gesagt, dass sie seit diesem Jahr auch die Chefs in der Mannschaft sind und in diese Rolle reinwachsen müssen.

Und nach dieser Saison ist dann doch endgültig Schluss für Sie?

Eigentlich schon. Sonst kriege ich irgendwann auch zu Hause Ärger (lacht). Aber ich will mich mit dem Aufstieg verabschieden. Mit diesem Ziel hat mich Ingo auch noch einmal locken können. Wegen des Teams würde ich aber nicht aufhören. Die Stimmung ist bei uns grandios.

Würde ein Aufstieg dem TSV Daverden überhaupt guttun? Derzeit sieht man an der SG Achim/Baden II, die auf dem letzten Platz steht, dass die Verbandsliga eine ganze andere Nummer als die Landesliga ist.

Die Verbandsliga ist sicherlich stärker geworden. Und jetzt im Winter müssten auch die Voraussetzungen geschaffen werden, um in der Verbandsliga bestehen zu können. Mit der SG könnte man unsere Situation allerdings nicht vergleichen, finde ich. Denn dort sind mit dem Aufstieg viele ältere und somit erfahrene Spieler gegangen. Dabei braucht man besonders im Rückraum erfahrene Spieler.

Ist Ihr Team reif für die Meisterschaft?

Das denke ich schon. Wie wir uns aktuell leistungstechnisch und mental präsentieren, haben wir auf jeden Fall das Zeug, um dort oben zu bleiben. Aber wir schauen derzeit nur auf das Jetzt. Aber wenn es klappen sollte, benötigen wir mehr Spieler. Einen kleinen Kader kannst du in der Verbandsliga nicht gebrauchen. Wenn sich bei uns keiner der Leistungsträger verletzt, stehen unsere Chancen gut. In diesem Jahr zahlt es sich aus, dass viele Spieler schon so lange zusammenarbeiten.

Kommen wir noch zu Ihrem neuen Trainer Ingo Ehlers, der zu dieser Saison für Thomas Panitz übernommen hat. Worin unterscheiden sich die beiden Coaches?

Das Training ist schon ein wenig anders. Allerdings verfolgen Ingo und Panne eine ähnliche Spielphilosophie. Unser Fokus liegt weiterhin auf dem Tempospiel, aber auch mehr auf der Abwehrarbeit. Ingo ist an der Seitenlinie zwar auch emotional, aber anders als Panne. Unser jetziger Trainer ist emotional eher in sich gekehrt. Zudem holt er sich auch mal Rat bei den Spielern ein – unter anderem bei mir. Ich war am Anfang der Saison schon nicht skeptisch, weil Ingo zu uns kommt. Ich wurde in den vergangenen Monaten sogar noch positiv überrascht. Mit ihm haben wir einen echten Glücksgriff gemacht.

Das Interview führte Florian Cordes.

Info

Zur Person

Ruben Zeidler

ist Handballer beim Landesligisten TSV Daverden. Über Jahre hinweg ist er beim TSV zum Führungsspieler gereift. Jedoch wollte er eigentlich nach der vergangenen Saison seine Laufbahn beenden, hängte aufgrund des schmalen Kaders aber noch eine Saison dran.

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