Schulchronik Narthauen

Auf Zeitreise durch Narthauen

Viereinhalb Jahre hat Autorin Marliese Versemann gebraucht, um die Schulchronik Narthauen neu zu übersetzen und als 320 Seiten umfassendes Buch auf den Markt zu bringen. Leser können damit auf Zeitreise gehen.
25.10.2018, 17:02
Lesedauer: 3 Min
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Auf Zeitreise durch Narthauen
Von Lars Köppler
Auf Zeitreise durch Narthauen

Stolz und zufrieden präsentieren Agnes Rosenbrock, Marliese Versemann und Ronald Blome (von links) die gedruckte Chronik.

Viola Heinzen

Zwar trägt das üppige und 320 Seiten umfassende Druckwerk den Namen „Schulchronik Narthauen“, als reine Chronik – das betont Autorin Marliese Versemann – sei die Lektüre allerdings nicht zu verstehen. Leser könnten in dem reich bebilderten Buch, das zunächst in einer Auflage von 100 Stück gedruckt und aufgrund der großen Nachfrage noch einmal nachgedruckt worden ist, eher auf eine chronologisch geregelte Zeitreise gehen. In den vergangenen viereinhalb Jahren hatte Versemann jede freie Minute in ihr Projekt gesteckt, um in akribischer Feinarbeit ein informatives und lesbares Nachschlagewerk für alle Narthauener zu kreieren. Sogar Nachtschichten hatte sie eingelegt, wenn offene Fragen ihr einfach keine Ruhe ließen. „Ich habe mich immer rückversichert, denn es sollte ja kein Märchenbuch werden“, erklärt die Autorin von der herausgebenden Dorfgemeinschaft den an sich selbst gestellten Anspruch.

Für die Idee des Ortsvorstehers Reinhard Schloo, die bisher nur in Sütterlin (Deutsche Schrift) gefasste Schulchronik in die jetzige Schreibweise zu übersetzen, war Versemann schnell zu begeistern. „Mich hatte sofort das Fieber gepackt nach dem Lesen der ersten Seiten. Ich wollte stets wissen, wie es weiterging, weil es einfach spannend war, in die Zeitgeschichte unserer Schul- und Dorfgeschichte einzutauchen“, erinnert sich Versemann, die vor ihrem Ruhestand viele Jahre im visuellen Marketing tätig war. Das Sichten der Unterlagen, die Gespräche mit den Menschen und letztlich auch das Schreiben hatte Versemann zwar selbst übernommen, doch in Kreisarchivar Rolf Allerheiligen, dem Druckhaus Rosebrock in Sottrum und vielen Helfern aus dem Dorf hatte sie Unterstützer, auf die sie sich jederzeit verlassen konnte.

Ins Detail verliebt

Besondere Freude bereitete es der äußerst sorgfältigen und in jedes Detail verliebten Autorin, wenn sie die mitunter schwer lesbaren Notizen der Lehrer und die kaum zu entziffernden Schriftzeichen dann doch deuten und zur Transkription umsetzen konnte. „Es kam allerdings auch immer wieder im Text vor, dass man plötzlich ein Wort nicht übersetzen konnte. Dann quälte man seine Augen, nahm ein Vergrößerungsglas, setzte Buchstabe für Buchstabe aneinander und probierte es mit einem ähnlich aussehenden Buchstaben“, beschreibt Versemann den Aufwand und die Tücken ihres Chronik-Projektes. So habe jeder Lehrer eine andere Handschrift gehabt und mit Tinte geschrieben. „Wir hatten es mit 19 verschiedenen Lehrerhandschriften zu tun“, erklärt Versemann, die bei ihrer Kleinarbeit aber immer wieder auf freundliche Mitmenschen in Narthauen wie etwa Helmut Johannsen getroffen sei, die ihr geholfen haben.

Der Autorin war es derweil wichtig, die vorhandene Schulchronik mit Texten und Fotos zu ergänzen. „Meine Meinung ist, dass diese für mich spannende Schulchronik noch interessanter sein würde, wenn man sie mit Fotos bebildert und mit Texten von Augenzeugen und Zeitungsartikeln zum Ort und Geschehen erweitert“, sagt Marliese Versemann, die bei ihren Recherchen zahlreiche Schätze aus den Narthauener Annalen zutage fördern konnte. Und die Geschichte des kleinen und aktiven Dorfes hat Einiges zu bieten. So begann der Schulunterricht bereits am 11. Oktober 1698 mit damals 18 Schülern unter der Regie von Lehrer Johann Blome, der sich seine Eignung für das Lehramt jedoch erst von Pastor Jeskis bescheinigen lassen musste.

Etliche Anekdoten

Blome war es auch, der im selben Jahr mit privaten Mitteln das erste Schulgebäude in Narthauen baute. „Bis zum Jahr 1864 stellte die Familie Blome den jeweiligen Lehrer – eine echte Lehrer-Dynastie also“, erzählt Marliese Versemann. Doch die Schule ist nicht das allein beherrschende Thema in der Chronik. Etliche Anekdoten, zum Beispiel die letzte Haustrauung im Jahr 1956, schmücken das Buch, das für 29 Euro im Kaufhaus Bergstedt in Otterstedt, bei Agnes Rosenbrock von der Dorfgemeinschaft telefonisch unter 0 42 05 / 81 60 und demnächst auch auf dem Adventsmarkt in Narthauen erhältlich ist.

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