HKS Ottersberg Aus für die preisgekrönte Mensa

Das einzigartige Mensakonzept an der HKS Ottersberg erfreute jahrzehntelang Köchin, Studierende und Hochschulleitung. Doch aus wirtschaftlichen Gründen wird ab 2019 auf eine neue Verpflegungsart gesetzt.
12.10.2018, 20:41
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Aus für die preisgekrönte Mensa
Von Marius Merle

„Unsere Mensa gibt es in dieser Form nur ein einziges Mal in Deutschland. Keine andere Hochschule oder Universität hat eine Mensa, die von Studierenden für Studierende organisiert ist. Das sagte Ralf Rummel-Suhrcke, Geschäftsführer der Hochschule für Künste im Sozialen (HKS) Ottersberg, 2015 voller stolz über das Mensakonzept. Und mit seiner Begeisterung war er nun wirklich nicht alleine. Von Studenten und Mitarbeitern der HKS stets sehr geschätzt, erhielt die Hochschule auch Preise für ihre Essensverpflegung – unter anderem den „Bio-Star"-Preis des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft in der Kategorie "Mensen". Eine jahrzehntelange Erfolgsstory also, die nun ein jähes Ende findet. Die Hochschule hat verkündet, den Mensabetrieb im eigenen Haus zum Jahreswechsel komplett einzustellen.

„Traurige Stimmung“

"Das war ein Schock", erzählt Ikki Bülow. Sie leitet die Mensa seit 1991 und ist die einzige Köchin. Denn das innovative Konzept sieht es schließlich vor, dass alle Studenten abwechselnd beim Kochen und beim Küchendienst mit anpacken. Seit der Entscheidung herrsche eine „Traurige Stimmung“ im Hause. Nicht nur sie sei immer noch dabei, den Entschluss zu verarbeiten, auch vielen Studenten gehe es so. Zumal für sie das Ende ihrer Arbeit an der Hochschule aus heiterem Himmel gekommen sei. "Ich war leider nicht involviert in die Entscheidung und wurde vor vollendete Tatsachen gestellt. Die Kündigung erhielt ich zunächst ohne jegliche Hintergrundinformationen", zeigt sich die langjährige Küchenchefin enttäuscht. Es sei sehr schade, dass das "Herzstück der Hochschule" einfach schließen werde.

Die Leitung der HKS nennt für diesen Schritt „wirtschaftliche Gründe“. Der Hochschulbetrieb habe die Mensa in den vergangenen Jahren mit jährlich rund 45 000 Euro subventioniert. „Aufgrund der mittelfristig kalkulierten Größe von 350 bis 400 Studierenden ist dieses Modell nicht mehr tragfähig, es sei denn die Mensapreise für Studierende von aktuell drei Euro pro Mahlzeit wären auf eine sozial nicht mehr verträgliche Weise erhöht werden“, hat die Hochschulleitung mitgeteilt. Und zu dieser Erhöhung haben sich die Hochschul- beziehungsweise Geschäftsleitung und der Aufsichtsrat des gemeinnützigen Hochschulträgers am Ende des Abwägungsprozesses nicht entschließen können.

Fehlende Wirtschaftlichkeit

„Dieser Schritt ist allen Angehörigen der HKS Ottersberg nicht leicht gefallen“, will man vonseiten der HKS betont haben. Zur fehlenden Wirtschaftlichkeit der Mensa komme aber auch noch die schwierige Perspektive hinzu: „Um die hygienischen und qualitativen Anforderungen eines Großküchenbetriebs auch künftig gewährleisten zu können, wären erhebliche Investitionen in einen Umbau und in die Ausstattung der Mensa notwendig gewesen, die der Hochschulträger nicht leisten konnte.“

Wie die Studenten und Mitarbeiter der Einrichtung ab 2019 verpflegt werden sollen, steht auch schon fest. Künftig soll ein Angebot der Stiftung Leben und Arbeiten umgesetzt werden, die ab kommenden Januar eine inklusive Verteilerküche mit Menschen mit Assistenzbedarf anbieten kann. „Mit diesem inklusiven Projekt stößt die Hochschule weiter vor in der aktuellen Vernetzung mit Einrichtungen der Behindertenhilfe“, heißt es von der Leitung. Damit komme sie der Vision einer „inklusiven Hochschule“ näher. Künftig sollen Studierende im Rahmen der Essensausgabe und des Betriebs der Verteilerküche gemeinsam mit Menschen mit Beeinträchtigung agieren, sie in der praktischen Tätigkeit unterstützen und zugleich eigene Ideen entwickeln für soziale-künstlerische Praktika und Projektarbeiten, so die Hoffnung.

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Arbeit bis zum Jahresende

„Die Köchin Ikki Bülow konnte auf die Option hingewiesen werden, sich beim Küchenbetrieb der Stiftung Leben und Arbeiten zu bewerben“, heißt es von der Hochschule. Auch dort gebe es eine Aussicht auf eine Tätigkeit im sozial-künstlerischen Feld, wie es die HKS Ottersberg anbieten konnte. Ob sie diesen Schritt gehen werde, weiß Bülow aktuell noch nicht. „Zu frisch“ ist noch ihre Enttäuschung über das Ende der hochschulinternen Mensa. Ihre Arbeit bis Jahresende soll darunter indes nicht leiden, sie wolle weiterhin mit Herzblut bei der Sache sein: „Dafür macht mir die Arbeit auch einfach zu viel Spaß.“

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