Wandertheater

Das Ensemble aus dem Zirkuswagen

Das Wandertheater „WildWuX“ des Bundes Deutscher Pfadfinder gastiert am Sonnabend im Quelkhorner Gemeinschaftsgarten, um sein neues Stück zu präsentieren. Derzeit laufen am Hochschulcampus die letzten Proben.
21.08.2019, 17:13
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Das Ensemble aus dem Zirkuswagen
Von Lars Köppler
Das Ensemble aus dem Zirkuswagen

Auf dem Gelände der Ottersberger Hochschule wird derzeit intensiv und doch mit dem nötigen Spaß am Feinschliff für die Premiere am kommenden Sonnabend gearbeitet.

Björn Hake

Auch ein defekter Keilriemen hat das Ensemble des Wandertheaters „WildWuX“ auf seinem beschwerlichen Weg von Cuxhaven zum Ottersberger Hochschul-Campus an der Großen Straße nicht stoppen können. Weil die jungen Theaterfreunde so allerhand Talente haben und naturgemäß auch sehr gut improvisieren können, haben sich Carlotta, Neele und Hannes des Problems bemächtigt und den Trecker in Eigenregie wieder flott gemacht. Das Trio ist Teil des Aufgebots, das sich seit vergangenem Freitag in intensiver und stundenlanger Fleiß- und Detailarbeit auf dem Campusgelände den Feinschliff für das neue WildWuX-Theaterstück „Das Chamäleon im Spiegelkabinett“ holt.

Als ersten von fünf Spielorten im Rahmen der diesjährigen Tournee, die wieder vom Landschaftsverband Stade gefördert wird, hat sich die neunköpfige Formation im Alter von 21 bis 29 Jahren erneut den Gemeinschaftsgarten in Quelkhorn – Am Mühlenberg, Ecke Wilstedter Kirchweg – ausgeguckt. Am Sonnabend, 24. August, um 17 Uhr soll die Premiere im Rahmen des Sommerfestes starten und das Einstudierte punktgenau auf die Bühne gebracht werden. Seit Jahren schon tourt das WildWuX-Wandertheater des Bundes Deutscher Pfadfinder in ständig wechselnder Besetzung durch den Elbe-Weser-Raum. „Die Gruppe ist heterogen, offen und profitiert von den vielen Perspektiven der Beteiligten mit unterschiedlichen Erfahrungen, Hintergründen und Möglichkeiten“, sagt Sophia Schützler. Die junge Potsdamerin, die gerade ihr Studium Kulturarbeit an der Fachhochschule Potsdam abgeschlossen hat, war bereits im Vorjahr als Darstellerin dabei und übernimmt diesmal gemeinsam mit Camila Luz de Luna Förster die künstlerische Koordination des Projektes.

Jedes Jahr neue Gesichter

Jedes Jahr wird das Wandertheater mit neuen Gesichtern bestückt und somit auch mit frischen Impulsen belebt. Damit hebt es sich vom klassischen Theater ab, denn jeder der verschiedenen Charaktere kann sich bei „WildWuX“ einbringen. „Es ist spannend, mit den Leuten so intensiv zusammenzuleben“, nennt Sophia Schützler einen Aspekt ihrer Motivation. „Es ist eine stärkende Erfahrung, auch theaterpädagogisch“, ergänzt Darstellerin Neele, die – aus Bremen kommend – schon zu den Lokalmatadoren zählt. Neben ihr stehen mit Hannah, Nina, Kymia, Carlotta, Kea, Alli und Rieke sieben weitere junge Frauen auf der Bühne. Hinzu gesellt sich Hannes, der in dem Stück den Barkeeper spielt.

Apropos Stück: Präsentiert wird den Zuschauern ein ebenso heiteres wie zum Nachdenken animierendes Alltagsmärchen über Verwandlung und Veränderung. Im Fokus der Inszenierung steht das Aufeinandertreffen zweier Schwestern, deren Leben sich in unterschiedliche Richtung entwickelt hat. Die Schwestern sehen sich nach langer Zeit wieder und beginnen, sich neu zu erkennen. Im Wechselspiel des Dialoges der beiden Schwestern und performativen, tänzerischen, musikalischen Sequenzen und Kommentaren, wirft das Stück unterschiedliche Fragen auf: Was kann Verwandlung sein? Wie begegnen wir ihr – im Hinblick auf Natur, Geschichte, Gesellschaft und Individualität? Wann stößt sie auf Grenzen? Wann ist sie notwendig? Was braucht es, damit Verwandlung entstehen kann? Was macht ein Chamäleon im Spiegelkabinett: Woran passt es sich an, wenn es nur sich selbst als Gegenüber hat?

Ein bisschen märchenhaft

Alltäglich, performativ und ein bisschen märchenhaft zeigt das WildwuX Theater, welche Chancen es bietet, über Veränderung als zauberhaften, beweglichen Prozess nachzudenken. „Im Hinblick auf den europäischen Rechtsruck und irrationale Ängste vor Fremdem soll der Veränderung auf behutsame Weise eine positive Konnotation gegeben werden“, heißt es. Innerhalb eines Jahres habe das WildwuX-Ensemble in kollektiver Arbeit eine 60-minütige Eigenproduktion entwickelt.

Bis zum 31. August ist die Gruppe noch in Oldenburg (25. August), Osterholz-Scharmbeck (27. August), Bremerhaven-Lehe (29. August) sowie zweimal in Dorum (30. und 31. August) zu sehen. Dabei dienen die Zirkuswagen und Trecker als Bühnenbild für das rund 60-minütige Open-Air-Theater. Der Eintritt ist frei. Nach den Aufführungen werden Spenden für das Projekt gesammelt. Weitere Infos gibt es online unter www.wildwux.org.

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