Haus Peymann

Das Ende einer langen Geschichte

Im Ottersberger Ortskern stehen bauliche Veränderungen an. Weil sich die Firma Aleco erweitern möchte, wird nun das traditionsreiche „Haus Peymann“ beim kleinen Kreisel abgerissen. Doch das ist nur der Auftakt.
08.09.2020, 16:50
Lesedauer: 2 Min
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Das Ende einer langen Geschichte
Von Lars Köppler
Das Ende einer langen Geschichte

Das "Haus Peymann" wird schon bald von der Bildfläche verschwunden sein. An gleicher Stelle errichtet die Firma Aleco ein neues Verwaltungsgebäude mit Büroräumen.

FOCKE STRANGMANN

Ein Stück Ottersberger Geschichte wird schon in Kürze aus dem Ortsbild verschwinden. Wie in diesen Tagen unschwer zu erkennen ist, legt ein Abrissunternehmen derzeit das historische „Haus Peymann“ nahe dem Busbahnhof in Schutt und Asche, um Platz für etwas Neues zu schaffen. Fast fünf Jahre nach der Fertigstellung des kleinen Kreisverkehrs, der die Lange Straße, die Grüne Straße und die Straße Am Damm miteinander verknüpft, stehen im Ottersberger Zentrum die ersten baulichen Veränderungen auf dem Programm. Zwar ist diesmal der Ende 2015 für den Verkehr freigegebene Mini-Kreisel nicht direkt von Bauarbeiten betroffen, jedoch das umliegende Gebiet, auf dem sich zwei etablierte Ottersberger Unternehmen – Druckerei Froben und Aleco – erweitern wollen.

Nunmehr sollen nach dem Abriss des Peymann-Gebäudes an dieser Stelle ein Verwaltungsgebäude mit Büroräumen für die Sottrumer Aleco-Kette entstehen, die auch in Ottersberg eine Biomarkt-Filiale betreibt. Nicht nur für Friedrich Bartels vom örtlichen Kulturverein im Rektorhaus wird bald ein prägendes Haus im Ortsbild fehlen. „Eigentlich hatten Ernst Peymann und seine Frau das Haus bereits Ende der 1920er-Jahre beziehen wollen, aber die Weltwirtschaftskrise durchkreuzte die Pläne. Das Geld war um diese Zeit sehr knapp, und Normalverdienende konnten die um diese Zeit hohen Zinsen nicht bezahlen“, hat der Hobby-Historiker recherchiert.

Bezug im Jahr 1932

Demnach hätten die Bauarbeiten damals erst im Jahr 1930 begonnen und dem Bauherrn von den Baukosten in Höhe von 13 500 Mark nur 1300 Mark an Eigenkapital zur Verfügung gestanden. „Den Rest musste er sich von privater Hand und von der Spar- und Darlehenskasse zu 6,5 Prozent Zinsen leihen“, erzählt Bartels. Wegen ständiger Engpässe in der Finanzierung konnte das Gebäude trotz erheblicher Eigenarbeit erst im Jahr 1932 bezogen werden, nachdem man im oberen Geschoss noch eine Wohnung hatte vermieten können. Zusätzlich war die Fertigstellung laut Bartels noch durch Bürgermeister Giese erschwert worden, der die Baugenehmigung verzögert hatte. Einen faden Beigeschmack gab es außerdem, wie Bartels herausgefunden hat: „Im Jahr 1933 nutzten die Ottersberger Nazis das zentral gelegene und für die damalige Zeit schmucke Haus als Kulisse für die Gründung der NSDAP-Ortsgruppe.“

Das „Haus Peymann“ ist derweil nicht das einzige Gebäude rund um den kleinen Kreisel, das für die Expansionspläne eines Unternehmens weichen muss. So hat die Gemeinde vor einigen Monaten die Gebäude Am Damm 1 und Lange Straße 2 bereits an die Firma Froben verkauft, damit diese dort ein Lagergebäude mit Büroräumen bauen kann. „Noch immer sprechen die Leute in Ottersberg vom Schlecker-Markt, wenn vom Haus an der Ecke Lange Straße/Am Damm die Rede ist“, weiß Friedrich Bartels. In der Tat war der Drogerie-Discounter von 1988 bis zur Insolvenz im Jahr 2012 ein beliebtes Geschäft im Flecken Ottersberg gewesen. Danach gab es dort Arztpraxen und zuletzt eine Geschäftsstelle des Bundes der Pfadfinder, die bereits in den Ortsteil Bahnhof umgezogen sind. Die oberen Räume hatte die Gemeinde, seit 2006 Eigentümerin des Gebäudes, als Mietwohnungen vergeben.

Früher eine Gaststätte

Ältere Ottersbergerinnen und Ottersbergern dürften laut Bartels an diesem Platz aber auch noch den Niedersachsen-Hof, eine der damals noch zahlreichen Gaststätten im Ort, kennen. In noch früheren Zeiten habe man das Bier in der „Gastwirtschaft und Ausspann bei Conrad Giese“ getrunken. Die Familie Giese erlangte im Jahr 1894 eine gewisse Prominenz, weil sie bis 1932 den Ottersberger Bürgermeister stellte. „Nach Conrad Giese übernahm 1922 dessen Sohn Ludwig das Amt“, erinnert Bartels an fast vergessene Zeiten.

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