Einkaufszentrum Dodenhof

Einkaufen am besten mit Vernunft

Im Einkaufszentrum Dodenhof in Posthausen herrschte am vergangenen Sonnabend großer Andrang. Ein Dodenhof-Kunde kritisierte daraufhin die Umsetzung des Hygienekonzeptes. Doch das Unternehmen wehrt sich.
16.03.2021, 16:00
Lesedauer: 4 Min
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Einkaufen am besten mit Vernunft
Von Lars Köppler
Einkaufen am besten mit Vernunft

Dick bepackt mit großen Einkaufstüten: So hat man am vergangenen Sonnabend viele Besucher des Einkaufszentrums Dodenhof über den Parkplatz gehen sehen.

Björn Hake

Sein Einkaufserlebnis im Einkaufszentrum Dodenhof in Posthausen hatte sich Nico K. am vergangenen Sonnabend wahrlich ganz anders vorgestellt. Gemütlich durch die Gänge des Modehauses und des Möbelhauses XXXLutz Dodenhof schlendern, so lautete seine Prämisse für diesen Tag. Vor Ort angekommen, sah er sich allerdings eines Besseren belehrt. „Ich war davon ausgegangen, dass Hygienekonzepte und Verordnungen des Landes eingehalten werden. Dem war aber leider nicht so“, schildert der Dodenhof-Kunde seinen Unmut, den er am Sonntag dann auch schriftlich direkt an die Dodenhof-Verantwortlichen und das Gesundheitsamt des Landkreises Verden adressiert hatte.

Doch der Reihe nach: Wie es laut neuester Corona-Verordnung das Hygienekonzept vorsieht, buchte K. vorab einen Termin, um überhaupt bei Dodenhof einkaufen zu können. „Das hörte sich alles regelkonform an, in beiden Geschäften war dies jedoch nicht mehr gegeben“, erzählt K. So habe man beim Betreten der Häuser lediglich die Bestätigungsmail vorzeigen müssen. „Warum wird nicht geprüft, ob ich überhaupt der Eigentümer der Mail bin? Mails könnten auch weitergeleitet werden“, wundert sich K. und fügt hinzu: „In beiden Geschäften gibt es Sonderangebotstische. Ist es ein Wunder, dass dort sämtliche Abstandsregeln gebrochen werden, weil viele dort auf Schnäppchen hoffen? Mitarbeiter habe ich nicht gesehen.“

Bei XXXLutz sei die Situation derweil nicht besser gewesen. „Dort ist insbesondere der Gang im Eingang so vollgestellt, dass man kaum Menschen 1,50 Meter aus dem Weg gehen kann. Die Kassen waren maßlos überlastet. Bei Dodenhof war jede Kasse mit einem Mitarbeiter besetzt, andere standen herum, anstatt zu helfen, um dem Ansturm Herr zu werden“, spricht K. von Wartezeiten an den Kassen von ungefähr jeweils einer halben Stunde. Doch das Schlimmste für ihn habe sich am Ausgang abgespielt. „In keinem Geschäft wurde darauf geachtet, wer oder wie viele das Geschäft verlassen. Auch die gebuchten Zeiten wurden wohl von kaum jemanden eingehalten. Allein die Wartezeiten an den Kassen ließen es ja nicht zu. So wurden auf keinen Fall die Maximalkundenzahlen eingehalten, sondern deutlich überschritten.“ Eine mögliche Nachverfolgung sei unter diesen Umständen unmöglich. Niemand wisse, wann und wie lange sich wer in den Geschäften aufhält. „Ich würde es sehr begrüßen, wenn Sie Ihr Hygienekonzept überarbeiten. So kann man leider niemanden einen Besuch bei Ihnen empfehlen“, formulierte es K. abschließend in seinem Beschwerdeschreiben.

Automatisierte Zählung

Dodenhof wehrt sich derweil vehement und entkräftet die Vorwürfe. „In einigen Bereichen war die Frequenz hoch, jedoch haben wir zu keiner Zeit die zulässigen Besucherzahlen auf unseren Verkaufsflächen überschritten“, erklärt Dodenhof-Sprecherin Michaela Strube mit Verweis darauf, dass sich die Besucher am vergangenen Sonnabend auf insgesamt 120.000 Quadratmetern verteilt hätten. Strube weiter: „Wir arbeiten ja nicht nur mit der Terminvergabe, sondern haben parallel auch die automatisierte Zählung laufen.“ Gebuchte Zeiten für den Einlass seien ausnahmslos sehr gut eingehalten worden. „Da wir die Zutritte digital erfassen, ist es nicht so entscheidend, wie lange ein Kunde wirklich bleibt. Auch in der amtlichen Verordnung ist nicht geregelt, nach welcher Dauer die Kunden das Geschäft verlassen müssen“, betont Strube, die 8000 Termin-Slots an einem Tag vergeben darf.

Entscheidender sei vielmehr, die Anzahl gesamter Zutritte nicht zu überschreiten. Und das Vorzeigen einer Bestätigungsmail reiche selbstverständlich aus. „Personalausweise dürfen ja nur von öffentlichen Stellen wie Polizei und Ordnungsamt eingesehen werden“, stellt Strube klar. Und auch ein Anstehen an Kassen sei aus Dodenhof-Sicht kein Problem, „da auch dort Abstände eingehalten werden. Dieses kennen alle aus Supermärkten und auch die Kassenzonen in all unseren anderen Bereichen sind entsprechend mit Markierungen ausgestattet“. In die gleiche Kerbe schlägt auch XXXLutz-Sprecher Volker Michels. „Wir sind zu keinem Zeitpunkt an die Grenzen der staatlichen Vorgaben hinsichtlich Besuche je Quadratmeter gestoßen.“

Im Gegenteil: Man habe einen positiven Ablauf gehabt, „der uns gezeigt hat, dass die etablierten Konzepte zum Gesundheitsschutz der Kunden, aber auch unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch bei höherer Frequenz greifen“. Michels möchte zudem betont wissen, dass sich sein Möbelhaus mit der extrem großen Verkaufsfläche deutlich vom klassischen Handel mit Dingen des täglichen Bedarfs unterscheide und so ein merklich sicheres Einkaufen ermögliche. Von regelmäßigen Kontrollen bei Dodenhof berichtet derweil Reiner Heemsoth vom Gesundheitsamt des Landkreises Verden. „Einmal pro Woche, manchmal auch am Wochenende.“ Zwar sei dies offiziell am vergangenen Wochenende nicht geschehen, dennoch habe man sich einen guten Überblick über die Situation verschaffen können, da Amtsärztin Jutta Dreyer privat als Kundin vor Ort gewesen sei.

Auch Kunden in der Pflicht

Der Leiter des Verwaltungsdienstes Corona nimmt vielmehr die Besucher des Einkaufszentrums in die Pflicht, das eigene Einkaufsverhalten kritisch und verantwortungsbewusst zu hinterfragen. „Dodenhof hat eine Zähleinrichtung, aber die Verteilung der Menschen im Geschäft kann man nicht steuern. Die Leute müssen auch ihr Gehirn einschalten und mitziehen“, macht Heemsoth deutlich, dass Menschenansammlungen – zum Beispiel an Tischen mit Sonderangeboten – auch durch eigenes Handeln umgangen werden können. Auch dafür, dass sich lange Wartezeiten an den Kassen gebildet haben, hat Heemsoth eine Erklärung. „Die Menschen sind teilweise mit zehn bis 20 Teilen an die Kasse gekommen. Sonst ist es die Hälfte“, weiß er aus einem Gespräch mit Center-Geschäftsführer Sönke Nieswandt zu berichten.

Dieser habe ihm auch erklärt, dass 18 Security-Mitarbeiter und mehrere Springer bei Dodenhof eingesetzt werden, um für Ordnung zu sorgen und Arbeitsabläufe zu optimieren. Für ungeplante Probleme habe zudem am vergangenen Sonnabend ein zwischenzeitlicher Kassenabsturz gesorgt. Für das kommende Wochenende sollen derweil auch mobile Kassen aufgebaut werden, zumal erneut ein großer Ansturm erwartet wird. Schließlich seien alle Termin-Slots schon jetzt vergeben worden. Heemsoth zeigt zwar Verständnis für die Menschen, die sich nach der langen Zeit der Entbehrungen mit einer Einkaufstour wieder etwas Normalität und Freude in den Alltag holen möchten, appelliert aber auch an deren Vernunft. Denn eines müsse ihnen klar sein: "Bei einer 100er-Inzidenz wird wieder auf Click & Collect umgestellt", sagt Heemsoth.

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