Hofmann zieht sich eher zurück

Der Bürgermeister geht bald von Bord

Seit September 2006 ist Horst Hofmann der Bürgermeister des Fleckens Ottersberg. Doch nach mehr als 13 mitunter turbulenten Jahren als Rathauschef geht der 64-Jährige im Jahr 2020 vorzeitig in den Ruhestand.
25.11.2019, 15:58
Lesedauer: 3 Min
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Der Bürgermeister geht bald von Bord
Von Lars Köppler

Ist es Amtsmüdigkeit nach mehr als 13 mitunter turbulenten Jahren als Rathauschef, die ihn zu diesem Schritt bewegt? Sind es gesundheitliche Gründe, die ihn zum Aufgeben zwingen? Oder ist es einfach nur der Wunsch nach mehr Zeit für Familie und Hobbys? Seine Beweggründe, warum er das Amt des Bürgermeisters der Gemeinde Ottersberg schon im nächsten Jahr zur Verfügung stellt, wollte Horst Hofmann am Montag nicht nennen. Das Gemeindeoberhaupt sorgte lieber mit einem knapp gehaltenen Statement für Klarheit und beendete damit die jüngst aufkeimenden Gerüchte und Spekulationen um seine Person. „Ich habe mich entschlossen, diese Möglichkeit in Anspruch zu nehmen, werde den entsprechenden Antrag bei der Kommunalaufsicht einreichen und somit voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2020 in den Ruhestand gehen“, erklärte Hofmann.

Hofmann erfüllt alle Voraussetzungen

Der 64-jährige Noch-Bürgermeister macht somit von Paragraf 83 des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes Gebrauch, der vorsieht, dass Hauptverwaltungsbeamte, die das Amt mindestens fünf Jahre innehatten und mindestens 65 Jahre alt sind, den Eintritt in den Ruhestand beantragen können. Voraussetzungen, die Hofmann dann in allen Punkten erfüllt.

Die politischen Mitstreiter und Gegenspieler des Bürgermeisters haben am Montag auf Nachfrage wenig überrascht, aber auch bereits nach vorne schauend reagiert. Ambitionen auf die Hofmann-Nachfolge werden seinem Parteikollegen Reiner Sterna nachgesagt, der eine Kandidatur auch nicht ausschließen will. „Wir vom CDU-Gemeindeverband werden jetzt die Mitglieder befragen und sie bitten, einen entsprechenden Kandidaten oder eine Kandidatin für die Bürgermeisterwahl 2020 aufzustellen beziehungsweise zu benennen“, erklärt Sterna. Natürlich habe er ein Interesse an einer Kandidatur. „Dieses habe ich bereits seit 2006 immer wieder offen kommuniziert. Aber der Vorstand des Gemeindeverbandes wird den Mitgliedern einen Vorschlag unterbreiten und diesen dann zur Wahl stellen. Unsere Mitglieder haben hier einen klaren Gestaltungsauftrag“, stellt Sterna fest.

Kandidaten stehen parat

Für die Freie Grüne Bürgerliste Ottersberg (FGBO) könnte derweil Tim Weber in den Ring steigen, auch wenn dieser sich am Montag nicht selbst geäußert hat. „Es lag in den letzten Wochen schon in der Luft, sodass sich die FGBO mit dem Gedanken beschäftigt hat, einen eigenen Kandidaten zu nominieren“, bestätigt FGBO-Sprecher Harald Steege, der seine Partei für den Wahlkampf gut gerüstet sieht. „Wir haben Tim Weber in unseren Reihen, der geeignet und auch bereit ist, sich zur Wahl zu stellen. Die Wählergemeinschaft wird seine Kandidatur mit großem Einsatz unterstützen, mit der Hoffnung verbunden, das Vertrauen der Wähler für den neuen Verwaltungschef im Flecken Ottersberg zu gewinnen“, betont Steege.

Keinesfalls überrascht von Hofmanns angekündigtem Rückzug zeigt sich auch Jürgen Baumgartner (Die Linke). „Herr Hofmann hat fertig und der Rat seit langer Zeit die Gefolgschaft verweigert“, lautet sein Kommentar. Wie im Jahr 2014, als Baumgartner bei der letzten Bürgermeisterwahl gegen den noch amtierenden CDU-Mann und SPD-Politiker Stefan Bachmann angetreten war, zeigt Baumgartner klare Kante: „Ich wünsche mir, zügig auf den Punkt zu kommen ohne lange Veranstaltungsreihen, wie wir sie aus der Vergangenheit kennen. Die Ottersberger sind ein Volk von Anarchisten, die sich einen starken Anarchen wünschen. Ich stehe dafür bereit.“

Zunächst in die internen Beratungen wollen die Mitglieder der SPD und der Bündnisgrünen gehen. „Wir haben, gerade auch aus gesundheitlichen Gründen, Verständnis für diesen Schritt unseres Bürgermeisters“, sagt Erika Janzon (Bündnis 90/Die Grünen). Gabriele Könnecke (SPD) kündigt derweil eine kurzfristige Sondersitzung an, „um das weitere Vorgehen im Fall des vorzeitigen Rücktritts und der damit verbundenen vorgezogenen Bürgermeisterwahl zu besprechen“.

Seit 2006 Flecken-Bürgermeister

Der 25. November 2019 wird derweil in jedem Fall in die Geschichte der Ottersberger Kommunalpolitik eingehen. Hofmann war am 24. September 2006 nach einem Sieg in der Stichwahl gegen die SPD-Kandidatin Annegret Reysen zum hauptamtlichen Bürgermeister des Fleckens Ottersberg gewählt worden – also zum Chef der Kommunalverwaltung und obersten Repräsentanten der Gemeinde in einer Person. Zuvor war er als Bauingenieur beim Landkreis beschäftigt und schon damals ehrenamtlich in der Kommunalpolitik tätig. In dem Jahr trat Hofmann bereits um zweiten Mal als Bürgermeisterkandidat der CDU an und hatte mehr Erfolg als noch fünf Jahre zuvor. Damals war Hofmann noch dem damaligen Platzhalter Gerhard Behrens unterlegen, obwohl er stattliche 42,1 Prozent der Stimmen für sich verbuchen konnte.

Im Jahr 2014 wählten ihn die Bürger des Fleckens schließlich in seine zweite Amtszeit, die eigentlich erst am 31. Oktober 2021 endet. Mit dem vorzeitigen Rückzug folgt Hofmann, der eigenen Angaben zufolge schon als Kind gern Verantwortung übernommen hat, dem Beispiel seines Oytener Kollegen Manfred Cordes. Der Sozialdemokrat hatte das Amt des Bürgermeisters jüngst auf eigenem Wunsch aufgegeben und Ende Oktober nach 18 Jahren sein Büro für Sandra Röse (CDU) geräumt.

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