Kaufhaus Bergstedt Ein Dorfladen für Otterstedt

Eine im April neu gegründete Bürgergemeinschaft will das Otterstedter Traditionskaufhaus von Heino und Monika Bergstedt erhalten und als Dorfladen weiterführen. Doch dafür werden stille Gesellschafter benötigt.
31.05.2019, 15:03
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Ein Dorfladen für Otterstedt
Von Lars Köppler

Otterstedt. Was im vergangenen Herbst mit einer Bürgerbefragung begann und in einer Machbarkeitsstudie mündete, hat sich mittlerweile zu einem klaren Auftrag entwickelt: Das Kaufhaus von Heino und Monika Bergstedt, seit Jahrzehnten als Nahversorger und beliebter Treffpunkt aus dem Otterstedter Ortsbild nicht wegzudenken, soll im Einklang mit der Inhaberfamilie als Dorfladen erhalten bleiben. Aus diesem Grund hat sich Ende April in der Gaststätte „Haus am See“ die Bürgergemeinschaft Bergstedt Dorfladen Otterstedt UG gegründet, die das Dorfladen-Projekt nunmehr zügig verwirklichen soll.

Denn Eile ist durchaus geboten, geht es bei diesem Projekt doch auch und in erster Linie um finanzielle Aspekte, um es überhaupt starten zu können. „Um die finanziellen Voraussetzungen für den Förderantrag zu erfüllen, benötigen wir Einlagen in Höhe von insgesamt 75 000 Euro“, erklärt Dietmar Plath, der als Mitinitiator zu den Verfechtern des Dorfladen-Projekts zählt. Und damit befindet sich der Luftfahrtfotograf in guter Gesellschaft.

Bereits am Gründungsabend der Bürgergemeinschaft haben 68 Bürgerinnen und Bürger Anteile gezeichnet und dem Dorfladen-Projekt somit eine finanzielle Beteiligung von mehr als 27 000 Euro zugesichert. Dies reiche laut Plath zwar noch nicht aus, dennoch werde der Förderantrag bereits von dem achtköpfigen Gesellschafterrat – bestehend aus Berthold Röhlmann, Heike Drengemann, Heiner Otterstedt, Martina Mindermann-Cordes, Rainer Hinrichs, Susanne Glatz, Thomas Sprengel und Traute Suhr – vorbereitet.

Auf Grundlage der Ergebnisse aus der Bürgerbefragung zum Einkaufsverhalten in Otterstedt und der Mut machenden Analyse von Unternehmensberater Wolfgang Gröll wird zudem derzeit an einem vorläufigen Konzept gearbeitet. „Die Machbarkeitsstudie hat gezeigt, dass für einen Dorfladen in Otterstedt die wirtschaftlichen Voraussetzungen sehr positiv sind. Der Standort ist ideal und die Bereitschaft der Dorfbewohner, das Projekt zu unterstützen, ist außergewöhnlich groß“, lautete das Fazit von Gröll, der in Deutschland als Experte für Dorfläden gilt und immer wieder mit derartigen Studien betraut wird.

In dieses Konzept sollen laut Dietmar Plath vornehmlich die Erkenntnisse aus den 300 abgegebenen Antwortbögen einfließen. „98 Prozent der Menschen wollen, dass dieser Ort erhalten bleibt“, ist Plath überwältigt von dem Zuspruch. Die Bürgerbefragung lieferte indes wertvolle Anhaltspunkt zur Erstellung des Konzepts. So hätten sich etwas mehr als die Hälfte der Befragten für einen Postservice ausgesprochen. Auch eine Paketannahme, ein Tagescafé als Treffpunkt und sogar eine Reinigungsannahme seien durchaus gewünscht. Aber natürlich müssten auch das Preis-/Leistungsverhältnis stimmen und insbesondere regionale Produkte erhältlich sein, weiß Dietmar Plath. Auch Bio-Ware sei den Dorfbewohnern sehr wichtig.

Zwar befindet sich die Bürgergemeinschaft auf einem guten Weg, das angestrebte Ziel zu erreichen, doch noch braucht es weitere stille Teilhaber, die das Projekt mit ihrer Einlage unterstützen. „Mit einer Mindesteinlage von 250 Euro kann man stiller Teilhaber werden. Auch höhere Beiträge sind möglich“, erklärt Plath und fügt hinzu: „Über diese finanzielle Einlage hinaus entsteht keinerlei Haftung.“ Insgesamt werden – ohne den Erwerb der Immobilie an der Brügger Straße – rund 500 000 Euro für die Haussanierung, die Einrichtung und den Wareneingang benötigt. Investiert werden müsse laut Plath etwa in ein neues Kühlsystem und in den Kassenbereich. Inzwischen gibt es 106 stille Gesellschafter, die Anteile für rund 40 000 Euro gezeichnet haben.

Wer das Dorfladen-Projekt mit einer Einlage finanziell unterstützen möchte, erhält entsprechende Formulare zum Ausfüllen direkt im Kaufhaus Bergstedt. Ausgefüllte Formulare nehmen die Mitglieder des Gesellschafterrates, insbesondere Thomas Sprengel, entgegen. Eine weitere Abgabemöglichkeit besteht im Ottersberger Rathaus. Der 84-jährige Heino Bergstedt und seine Frau Monika sind jedenfalls froh, dass ihr Lebenswerk auf diese Weise fortgesetzt werden soll. Und auch die Mitarbeiterinnen Hildegard Wiese, Erika Fischer und Petra Köster dürften aufatmen. Denn fest in dem Konzept ist verankert, dass die Übernahme des Trios gewährleistet sei.

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