Galerie schließt Ein Galerist sagt Servus

Vor zwei Jahren hat der Ottersberger Künstler, Grafiker und Zeichner Karlheinz Flau seine Atelierhaus Galerie Am Brink eröffnet. Ende des Monats, nach der sechsten Werkschau, schließt der 83-Jährige die Türen.
07.11.2018, 16:42
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Ein Galerist sagt Servus
Von Lars Köppler

Die sechste Werkschau in seiner im Oktober 2016 eröffneten Ottersberger „Atelierhaus Galerie Am Brink“ soll für Karlheinz Flau auch gleichzeitig die letzte sein. Vom 17. November, ab 17 Uhr, bis Ende dieses Monats präsentiert der 83-jährige Künstler, Grafiker und Zeichner für seine Abschieds-Ausstellung noch mal eine zehn Meter lange Evolutionsrolle und zahlreiche Kreationen aus seinem Fundus, ehe sich die Türen des historischen Hauses im Ottersberger Ortskern fürs Publikum schließen. Den Entschluss habe er sich nicht leicht gemacht, beteuert Flau, dieser sei aber aus seiner Sicht notwendig.

Ein Künstler-Urgestein

Das Ottersberger Künstler-Urgestein, das aktuell auch im Auftrag der Gemeindeverwaltung an der geplanten Umgestaltung des Vorplatzes der benachbarten Wümmeschule partizipiert, wird im kommenden Januar 84 Jahre alt und möchte in erster Linie seinen mehrere Tausend Werke umfassenden Nachlass in kompetenter Obhut wissen. So hat er einen Teil seiner auf dem Dachboden des Atelierhauses stehenden Sammlung bereits einer Stiftung aus Berlin übergeben, die sich um das Lebenswerk des Ottersbergers kümmern soll. „Wir haben einen Schenkungsvertrag abgeschlossen. Ich habe 1360 Arbeiten eingepackt und nach Berlin gegeben. Dort werden die Werke wissenschaftlich erfasst, aufgearbeitet und können dann der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden“, erklärt Flau.

Schließlich handle es sich bei seinem Nachlass um ein „qualitativ sehr hochwertiges Gesamtwerk verschiedenster Stilrichtungen“, betont Flau, der sein Atelier schweren Herzens aber auch aus einem anderen Grund schließt. Denn seien die Vernissagen bei seinen Werkschauen stets sehr gut besucht gewesen, so verliefen die weiteren Ausstellungstage mit weit weniger Resonanz. „Das Interesse war eher verhalten“, resümiert Flau, der sich aber gerne an die fünf bisherigen Themen-Ausstellungen seit der Galerie-Eröffnung vor zwei Jahren erinnert. Vor allem die jüngste Werkschau mit dem Titel „Das Antlitz des Menschen“ im vergangenen Juni sei „eine tolle Sache“ gewesen. „Ich habe in den zwei Jahren viel Werbung gemacht“, kann Flau auch auf interessante Lesungen und sogar Goldschmiedekurse in seiner Galerie zurückblicken.

Ein Ort der Nostalgie

In dem Atelierhaus lebt Flau mit seiner Familie derweil bereits seit 1973. Kaum jemand weiß besser Bescheid über die Geschichte des 1879 im schleswig-holsteinischen Bauernhaus-Stil erbauten Hauses als der ehemalige Dozent der hiesigen Kunststudienstätte. Mehrere Ordner mit Presseartikeln, Fotos und Plakaten über die zahlreichen Aktivitäten in dem Haus mit seinem Café und der beliebten Teestube hat Flau in den vergangenen vier Jahrzehnten gesammelt. Nach dem Kauf verwandelte Flau das ehemals für die Landwirtschaft genutzte Objekt behutsam in ein Kultur- und Begegnungszentrum – das „Atelierhaus“ war geboren. Schon aus diesem nostalgischen Grund wollte und will er nicht zulassen, dass der untere Bereich des Hauses zum Leerstand verkommt.

Und auch nach dem bevorstehenden Aus der Galerie hofft Flau darauf, dass sich jemand findet, der das Atelierhaus belebt und damit auch Ottersberg bereichert. Eine wirkliche Idee für eine Nachnutzung gebe es noch nicht, räumt Flau ein. Eine Künstlerwerkstatt oder eine Neuauflage eines Cafés könne er sich aber sehr wohl vorstellen. „Die Struktur des ehemaligen Cafés ist ja erhalten geblieben“, hofft Flau auf Interessenten, die sich bei ihm melden. Auf den reinen Profit sollte es der zukünftige Mieter des unteren Bereiches des Atelierhauses jedoch nicht absehen, mahnt Flau. Eine Goldgrube sei dieser Ort nicht, vielmehr ein Objekt für Idealisten. „Vieles ist denkbar. Am liebsten wäre es mir, wenn hier ein Künstler-Café entstehen würde, denn das Haus hat eine große Tradition.“ Nur Lärm, betont Flau, wolle man in das hellhörige Haus nicht einziehen lassen.

Noch einmal voller Einsatz

Bei allem Wehmut, den auch Freunde des Hauses wie die für das Drucken der Einladungskarten zuständige Heike Wöltjen verspüren, will Karlheinz Flau bei seiner sechsten Werkschau noch einmal vollen Einsatz zeigen, um das Publikum mit seiner Kunst zu überzeugen. Der gelernte Grafiker hat nach eigenen Angaben immer noch genügend Material griffbereit für eine abwechslungsreiche Kunstschau. Im Mittelpunkt steht zum Abschluss die Evolutionsrolle mit Kinderzeichnungen aus verschiedenen Epochen. „Es sind alles Sachen, die ich noch nicht ausgestellt habe“, erklärt Flau, der auch knackige Texte mit politischem Hintergrund aus den stürmischen 1960er-Jahren und Werke unter anderem aus dem Bereich Forschung präsentiert.

Wer derweil Interesse hat, das Atelierhaus nach der Galerie-Ausstellung dauerhaft mit Leben zu füllen, kann sich per E-Mail an atelierhaus-flau@ewetel.net bei Karlheinz Flau melden und ihm seine Idee mitteilen.

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